Moment Mal: Fruchtgenuss ohne Schwarte

Ein veganer Fruchtsaft. Die Auszeichnung ist weniger abwegig, als es zunächst scheint.
Ein veganer Fruchtsaft. Die Auszeichnung ist weniger abwegig, als es zunächst scheint. © Foto: Helga Mäckle
Stefan Czernin 17.03.2017

Eine dumme Marketingmasche? Der Blick auf manches Fruchtsaft-Etikett lässt Fruchtsaft-Käufer stutzen. „Vegan“ heißt es da. Ein Fruchtsaft so ganz  ohne tierische Produkte. Wow, wer hätte das für möglich gehalten? Die Vermutung liegt nahe: Da haben sich wieder irgendwelche Verkaufsgenies eine unsinnige Auszeichnung einfallen lassen, um den Kunden etwas vorzugaukeln. Das kalorienarme Wasser lässt grüßen.

Aber: Ganz so ist es nicht. Veganer verzichten in ihrem Leben auf tierische Produkte. Und manche sind da sehr genau. Und da kommt die Gelatine ins Spiel, die etwa aus Schweineschwarten hergestellt wird. Und die eingesetzt wird, um Fruchtsäfte zu filtern und zu klären. Das ist gängig und erlaubt, geregelt in der „Verordnung über Fruchtsaft, einige ähnliche Erzeugnisse, Fruchtnektar und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke“. Oder kurz und eingängig: 
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„Die Gelatine bindet die Schwebstoffe“, erklärt Ralf Schiele, Marketingleiter bei Getränke Finkbeiner in Langenau. So wird etwa aus einem naturtrüben ein klarer Apfelsaft. Die Gelatine wird mit den Schwebstoffen herausgefiltert, im Saft ist also keine mehr enthalten. Weil sie aber drin war, gilt der Saft nicht als vegan. Er sei dann nur „theoretisch vegan“, sagt Schiele. Darum setzen Safthersteller zunehmend pflanzliche Proteine für die Filtration ein. Dann ist der Fruchtsaft auch praktisch vegan. „Die Nachfrage ist da“, sagt Schiele. Und ergänzt: Es gibt Säfte, die vegan sind. Auch ohne Kennzeichnung. Naturtrübe etwa.

Wer sicher gehen will, kann auf Bier umsteigen. Zumindest solange es nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde. Tierische Stoffe wie Gelatine oder Fischblasen sind für die Herstellung nicht zulässig, erklärt der Deutsche Brauerbund. „Deutsche Biere sind vegetarisch und vegan.“ Was man aber wissen sollte: Einige Etiketten-Leime können Casein tierischen Ursprungs enthalten – Proteine aus der Milch.