Umwelt Frist für 100-jährige Eiche in Pfaffenhofen

Die Familie Hornung aus Pfaffenhofen fordert, den betroffenen Baum zu fällen.
Die Familie Hornung aus Pfaffenhofen fordert, den betroffenen Baum zu fällen. © Foto: Matthias Kessler
Pfaffenhofen / Von Patrick Fauß 05.07.2018

Nach intensiver Diskussion hat der Pfaffenhofener Marktrat seinen Beschluss zur vom Eichenprozessionsspinner befallenen Eiche gefällt. Der rund 100 Jahre alte Baum im Mittleren Eschachweg beherbergt die gefährlichen Raupen, die im Frühjahr giftige Brennhärchen produzieren. Die Eiche ragt in das Grundstück der Familie Hornung hinein (wir berichteten).

Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) hatte nun den Antrag gestellt, den Baum zu fällen. Laut Bürgermeister Josef Walz sei in den vergangenen Wochen viel Druck aufgebaut worden. Durch ein Anwaltsschreiben, in dem mit strafrechtlichem Folgen gedroht worden sei – sowie durch Medienberichte und beleidigende Kommentare auf Facebook.

Rathauschef Walz gab zu bedenken, dass es im bebauten Marktgebiet insgesamt acht Eichen mit ähnlichen Problemen gebe. Bislang im Gemeindegebiet nicht eingesetzte, direkt auf Nachtfalter wirkende und für Menschen ungefährliche Biozide stünden zur Verfügung. Walz betonte, man sollte nicht den Baum, sondern den Eichenprozessionsspinner bekämpfen.

Laut Andreas Wöhrle (FWG) handle es sich bei der Eiche um einen Sonderfall, weil die Gesundheit von Anwohnern bereits in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Franz Walk (FWG) stellte den Antrag zur namentlichen Abstimmung. Dieser wurde mit sechs zu zwölf Stimmen abgelehnt. Das Antragspapier der Freien Wähler, die Eiche zu fällen, wurde letztlich mit einer knappen Mehrheit von zehn zu acht Stimmen abgelehnt.

Die Mehrheit nahm, bei einer Gegenstimme von Max Spleiß (FWG), den Beschlussvorschlag an, dass die Biozidbehandlung im kommenden Frühjahr zunächst ausprobiert werden soll. Einem Vorschlag von Karlheinz Thoma (SPD) folgend, soll der Baum jedoch unverzüglich gefällt werden, sollte das Mittel nicht die erhoffte Wirkung zeigen.

Mittel mehrfach anwenden

Bislang wurden in der Marktgemeinde Biozide – Stoffe, die laut Fachleuten für Menschen nicht schädlich sind, gleichwohl aber eine giftige Wirkung auf bestimmte Tierarten haben können – noch nicht angewandt.

Laut den in der Sitzung befragten Schädlingsbekämpfern Michael Sellerer und Klaus Burkhart vom Staatlichen Bauamt könnten Biozide die Raupen des Eichenprozessionsspinners sehr zuverlässig töten. Das Mittel wird mit einer Druckvorrichtung auf die Bäume gespitzt. Wegen ihrer statischen Aufladung bleibe die Substanz an Blättern und Borke hängen. Wenn die Raupen dann im Frühling die besprühten Blätter fressen, sterben sie. Gefahren für Menschen, Vögel und Bienen bestehe nicht.

Die Wirkungsgrad liegt laut Burkhart bei 95 bis 100 Prozent – wenn das Mittel sachgerecht angewandt wird. Kurz nach der Anwendung dürfe es nicht regnen. Um auf Nummer sicher zu gehen, schlug Burkhart vor, die großen Eiche im Mittleren Eschachweg mehrfach zu behandeln.

Diese Ausführungen überzeugten letztlich die meisten Gemeinderäte. Sollte das Biozid die Raupen töten, muss der Baum aber wohl jedes Jahr aufs Neue entsprechend behandelt werden. Denn Eichprozessionsspinner suchten sich einmal befallen Bäume immer wieder aus.

Borke zu dick, Versuch scheitert

Gift In diesem Frühjahr war das Insektizid „Agrimec Pro“ an besagter Eiche in Pfaffenhofen angewandt worden. Es verfehlt jedoch seine Wirkung. Der Eichenprozessionsspinner ist noch immer da. Wohl weil die Borke der 100 Jahre alten Eiche zu mächtig ist. Das Gift war auf den Stamm aufgetragen worden – in der Hoffnung, dass es dann in die Blätter der Eiche gelangt. Die Raupen hätten beim Fressen der Blätter sterben sollen.

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