Illertissen/Senden Freie Wähler: Illertissen ist Vorbild für Senden

Helle Platten für die Fußgänger, dunkle für die Fahrwege der Autos, das hat das Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer in Illertissen verträglicher gemacht, berichteten Stadträte. Foto: Dave Stonies
Helle Platten für die Fußgänger, dunkle für die Fahrwege der Autos, das hat das Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer in Illertissen verträglicher gemacht, berichteten Stadträte. Foto: Dave Stonies
Illertissen/Senden / WILLI BÖHMER 27.08.2013
Senden kann von Illertissen lernen, wenn es um die Umgestaltung der Innenstadt geht. Darin waren sich die Freien Wähler aus dem Landkreis Neu-Ulm bei einem Abstecher auf den Illertisser Marktplatz einig.

"Es hat sich gezeigt, dass Illertissen die Gestaltung der Innenstadt sehr konsequent umgesetzt hat." Kurt Baiker, Bürgermeister von Senden, war mit einer Delegation der Freien Wähler aus dem Landkreis Neu-Ulm rund um den Illertisser Marktplatz unterwegs. Gemeinsam wollten sie erkunden, wie sich die Umbauten bewährt haben. Und Baiker holte sich auch Anregungen für Senden. Schließlich steht dort die Neuordnung der Innenstadt an.

Josef Kränzle, selbst Freier Wähler und dritter Bürgermeister von Illertissen, führte die Gruppe auf den Martinsplatz, die Verlängerung des Marktplatzes jenseits der Hauptstraße. "Wie in Buenos Aires", schwärmte Baiker, nur eben deutlich kleiner in den Ausmaßen: ein breiter Grünstreifen in der Mitte, mit Kinderspielgeräten und Bänken. Links und rechts Fahrspuren für die Autos, im Einbahnverkehr, versteht sich. Breite Fußgängerwege, mit hellen Platten deutlich vom schwarzen Asphalt der Fahrbahn abgehoben. "Das ist mit sehr viel Feingefühl geplant worden", stellte der Sendener Bürgermeister, der früher Kreisbaumeister war und jetzt neben dem Bürgermeisterjob auch noch Stadtbaumeister ist, anerkennend fest. Der anspruchsvoll gestaltete Brunnen am Marktplatz und das Brunnen-Denkmal, das an den Frieden von Tussa erinnert, der eine verheerende Schlacht König Ottos I. gegen seinen Sohn und Herzog Liudolf von Schwaben verhinderte, seien tolle Stadtelemente.

In kleineren Städten wie Illertissen und Senden sei man längst weg von reinen Fußgängerzonen, philosophierte Baiker. Die Erreichbarkeit der Innenstadt sei ein wichtiges Argument. Die verschiedenen Verkehrsteilnehmer, vom Auto bis zum Fußgänger, müssten nebeneinander Platz finden, auf für sie klar definierten Wegen. Die Tempo-30 und die Tempo-20-Zone seien inzwischen auch von den Kritikern dieser Regelungen akzeptiert, berichteten die Lokalmatadore.

Was kann Senden von diesen Illertisser Verhältnissen wirklich lernen? Baiker denkt kurz nach und legt dann los. Tempo 20 in der Sendener Hauptstraße Richtung Bahnübergang, wie er es vorgeschlagen hatte, war von der CSU in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt worden. Die Hauptstraße ist schmaler als in Illertissen. Deshalb wolle er vorschlagen, die heutigen Parkplätze quer zur Fahrbahn in Längsparkplätze umzuwandeln, um mehr Platz für die Fußgänger zu erhalten. Die Illertisser Innenstadt lebt von der Querachse Marktplatz-Martinsplatz, sagte Baiker. Eine solche Achse haben die Sendener nicht. Deshalb müssten der alte und der neue Marktplatz stärker in die Planung einbezogen werden. Auf diese Weise entstünden mehr Aktivitätsflächen. Und die Innenstadt solle sich vom Kopfsteinpflaster verabschieden, das Gift ist für Behinderte und für Rollatoren.

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