Memmingen Frau vergewaltigt, geschlagen und bedroht?

Gestelltes Bild zum Thema häusliche Gewalt - Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.
Gestelltes Bild zum Thema häusliche Gewalt - Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen. © Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Memmingen / Carsten Muth 15.03.2018
Vor dem Landgericht Memmingen hat der Prozess gegen einen Mann aus dem Kreis Neu-Ulm begonnen ­­– wegen Vergewaltigung in der Ehe.

Die Vorwürfe wiegen schwer, der Angeklagte schweigt dazu. Vor dem Landgericht Memmingen muss sich seit Mittwochmorgen ein 54-Jähriger aus den Kreis Neu-Ulm verantworten. Der Maschinenbauer soll im Sommer 2017 seine inzwischen getrennt von ihm lebende Frau  vergewaltigt – und diese über Jahre hinweg geschlagen, getreten und übel beleidigt haben. Zudem hat der Mann laut Staatsanwaltschaft die heute 56-Jährige sowie die drei gemeinsamen Kinder mit dem Tode bedroht.

Der Beschuldigte äußerte sich nicht zu den Anklagepunkten Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung. Im Falle einer Verurteilung drohen dem alles andere als unbescholtenen, mehrfach vorbestraften 54-Jährigen mehrere Jahre Gefängnis.

Die Frau des Angeklagten ist Nebenklägerin in dem Verfahren. Sie wurde am Mittwoch fast zwei Stunden vernommen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um ihre Persönlichkeitsrechte zu schützen. Öffentlich sagte hingegen eine Ermittlerin vor Gericht aus. Die Polizistin bezeichnete die Aussagen des Opfers, auch was die Vergewaltigungsvorwürfe betrifft, als „glaubhaft und authentisch“. Der 54-Jährige habe in seiner Familie eine „Schreckensherrschschaft“ ausgeübt, seine Frau über Jahre hinweg traktiert, geschlagen, getreten.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Jürgen Hasler, warum eine derart gepeinigte Frau sich jahrelang misshandeln lasse und nicht von ihrem gewalttätigen Partner trenne, antwortete die Ermittlerin von der Polizei dies: „Sie war das typische Opfer. Sie ist kein Einzelfall.“

Der spätere Angeklagte habe seine Frau dominiert und gedemütigt. „Und das Opfer ist einfach nicht mehr herausgekommen aus der Situation.“ Erst als auch die Kinder massiv bedroht worden seien, habe die heute 56-Jährige ihren Mann angezeigt. Der Fall kam ins Rollen. „Sie saß zitternd und weinend und völlig aufgelöst vor mir, als ich sie in unserer Dienststelle vernommen habe“, berichtete die Polizistin.

Der Angeklagte sitzt seit Oktober 2017 in Untersuchungshaft. Der 54-Jährige hat eine stattliche kriminelle Vergangenheit, ist 14 Mal vorbestraft, saß bereits fast zehn Jahre hinter Gittern.

Die detaillierte Verlesung seiner Vergehen dauerte am Mittwoch eine geschlagene Stunde, die Liste seiner Vorstrafen liest sich wie die Zusammenfassung des Strafgesetzbuchs: versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Einbruch, schwere räuberische Erpressung, Diebstahl, Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Unfallflucht, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis und unter Alkohol­einfluss, Hausfriedensbruch.

Der Bewährungshelfer des Angeklagten lobte dessen Zuverlässigkeit und Kooperationsbereitschaft, erwähnte aber auch die nicht zu leugnende Aggressivität seines Klienten. „Immer wenn er unter Druck gerät, verliert er die Kontrolle über sich.“  Die Kinder des Beschuldigten ließen als Zeugen vor Gericht kein gutes Haar an ihrem Vater. Dieser habe seine Mutter regelmäßig attackiert und beschimpft, bestätigte der 20 Jahre alte Sohn.

Verheerendes Bild

Seine drei Jahre ältere Schwester zeichnete ein verheerendes innerfamiliäres Bild: „Bei uns wurde täglich gestritten. Wir hatten nie ein harmonisches Familienleben wie andere“, sagte die Zeugin. Der Vater habe die Kinder wiederholt ermahnt, sich nicht in die Auseinandersetzung der Eltern einzumischen. „Wir hatte alle Angst. Man musste immer Angst haben, dass unserer Mutter etwas passiert.“

Info Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt. Er wird am 27. März, 8.30 Uhr, in Memmingen fortgesetzt.

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