Justiz Frau mit einem Rohr beinahe tot geprügelt

Neu-Ulm / Bernd Rindle 14.06.2018
Weil er eine Freundin im Rausch lebensgefährlich verletzt hat, muss ein 36-Jähriger in Haft und Therapie.

Es war ein heißer Tanz in den Mai 2017. Einer, der mit einer gemütlichen Runde am Lagerfeuer begonnen und für eine Frau mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation geendet hat. Die 26-Jährige war von einem Kumpel im Alkoholnebel mit dem Metallrohr einer Fahrrad-Sattelstütze zur Boden geschlagen worden. Und zwar in einer Weise, die Thomas Mayer in seiner langen Richter-Karriere noch nicht untergekommen ist. „Ich habe noch nie so ein malträtiertes Gesicht gesehen.“

Das Antlitz ihres Peinigers ist dagegen ein bekanntes – zumindest bei der Polizei Neu-Ulm. Bislang war der Langzeitarbeitslose vornehmlich durch Trunkenheitsfahrten, Ladendiebstahl und Beleidigungen aktenkundig geworden. Als „Blindgänger, der bei jeder leichten Berührung hochgehen kann“, hat der Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer den Angeklagten wegen dessen großem Aggressionspotenzial im Rauschzustand bezeichnet. Ein Potenzial, dass sich beim Trinkgelage am Lagerfeuer vor dem „Nuißlheim“, einer Wohnanlage für Gestrandete, fatal entladen hat. Eine Mitzecherin hatte sich seine Jacke ausgeliehen und diese in die Wohnung ihres Freundes mitgenommen. Als der Angeklagte am frühen Morgen dort klopfte und seine Jacke zurückverlangte, vermisste er sein Handy und vermutete Diebstahl. Nach einem kurzen Disput schlug er den Freund der 26-Jährigen ins Gesicht und dann mit einem Metallrohr auf sie ein.

Schwerste Gesichtsverletzungen und einen Schlüsselbeinbruch diagnostizierten die Ärzte, durchaus lebensbedrohlich. „Sie hatten Glück, dass die Anklage nicht auf versuchten Totschlag lautete“, sagte Mayer. Und Glück, dass der Gutachter dem 36-Jährigen aufgrund seiner gut 2,6 Promille Alkohol im Blut eine verminderte Steuerungsfähigkeit attestierte und eine gute Therapieprognose für einen langwierigen Alkoholentzug stellte.

Das Urteil: eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, nach vier Monaten startet aber schon eine Therapie. Der 36-Jährige versprach, sich dem Alkohol zu entsagen, und er entschuldigte sich mehrfach bei seinem Opfer.

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