Held Feuerwehrmann Stefan Pflaum wird für mutige Rettung geehrt

Feuerwehrmann Stefan Pflaum: Der Sendener ist seit 19 Jahren bei der Wehr. Bei einem Einsatz 2014 bewahrte er eine Mutter vor dem Selbstmord.
Feuerwehrmann Stefan Pflaum: Der Sendener ist seit 19 Jahren bei der Wehr. Bei einem Einsatz 2014 bewahrte er eine Mutter vor dem Selbstmord. © Foto: Dave Stonies
Senden / NIKO DIRNER 17.07.2015
Der Lkw war noch fünf Meter weg, als Stefan Pflaum die junge Frau von der B28 zog. So eng ging es zu beim mutigen Einsatz des Sendener Feuerwehrmanns. Dafür gibt es nun Lob vom Ministerpräsidenten.
Nein, sagt Stefan Pflaum, seine Freundin sei nicht eben begeistert gewesen von seinem Einsatz in den Abendstunden des 2. Februar 2014. Dass er als Feuerwehrmann immer wieder in brenzlige Situationen gerät, habe sie zwar gewusst. Aber was er an jenem Montagabend tat, hat doch eine andere Dimension gehabt. Das ist daran abzulesen, dass Stefan Pflaum dafür am Freitag von Ministerpräsident Horst Seehofer die Bayerische Rettungsmedaille verliehen bekommt.

Die Frau kauerte an der Böschung unterhalb der Bundesstraße 28 bei Senden, als Pflaum sie entdeckte. Kurz zuvor waren Feuerwehrleute, Polizisten und Rot-Kreuzler ausgeschwärmt, um die junge Muter zu suchen. Angehörige hatten den Notruf gewählt, weil die damals 28-Jährige in einem Brief angekündigt hatte, sich das Leben nehmen zu wollen. Offenbar über ihr Handy konnte die Einsatzzentrale die Frau schließlich orten, unweit von Pflaum entfernt. „Kaum hatte ich sie gesehen, ist sie aufgestanden, über die Leitplanke geklettert und auf die Fahrbahn gelaufen.“ Stefan Pflaum rannte los, überwand einen Wildschutzzaun, stürmte auf die B 28 und zog die Frau von der Straße. „Sie war schon zwei, drei Schritte reingelaufen.“ Da war das nächste Fahrzeug, ein 80 km/h schneller Lastwagen, gerade noch fünf Meter entfernt. „Der hat auch nicht gebremst oder so. Ich glaube, der hat uns gar nicht gesehen. Die Frau war ja dunkel gekleidet.“ Pflaum setzte die Frau auf die Leitplanke. Sie habe zu weinen begonnen. Er versuchte zu trösten. „Dann kamen schon die Feuerwehr Neu-Ulm und ein Krankenwagen.“

Zurück in der Hauptwache, wollten natürlich alle von ihm hören, was passiert war, erinnert sich der heute 28-Jährige. Erst da sei ihm klar geworden, wie gefährlich die Situation war. „Es war schon sehr, sehr knapp. Das hätte durchaus auch anders ausgehen können – wenn ich beispielsweise gestürzt wäre . . . Rückblickend schon ein komisches Gefühl.“ Andererseits habe er als Gruppenführer durch die vielen Einsätze mit der Sendener Feuerwehr einige Erfahrung mit der B 28, die ja mit einer Autobahn vergleichbar ist. „Da kann man den Verkehr schon ganz gut einschätzen.“

Fest steht für ihn: „Ich würde es wieder so machen.“ Feuerwehrkommandant Peter Walter und ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben haben den Sendener für seinen mutigen und beherzten Einsatz bereits im vergangenen Jahr gelobt. Und nun die Auszeichnung von höchster Stelle. „Darüber freue ich mich natürlich sehr“, sagt Pflaum. Schließlich bekommt die Bayerische Rettungsmedaille nur, wer eine „Rettungstat unter Einsatz des eigenen Lebens durchgeführt hat“, wie es in einer Mitteilung aus der Staatskanzlei heißt. Der Sendener ist einer von 87 Lebensretter aus ganz Bayern, die heute Vormittag im Antiquarium der Münchner Residenz geehrt werden.

Pflaum hat sich extra den ganzen Tag frei genommen, wird in seiner Feuerwehr-Ausgehuniform antreten. Bürgermeister Raphael Bögge wird dabei sein. Und auch der Mensch, der vergangenes Jahr wohl am meisten erschrocken ist über die Heldentat des Sendeners: seine damalige Freundin, die ihren Stefan inzwischen geheiratet hat.

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