Neuerscheinung Fastnacht in vielen Anekdoten

Philipp Schneider hat über die Fastnacht im Ort geschrieben.
Philipp Schneider hat über die Fastnacht im Ort geschrieben. © Foto: Barbara Hinzpeter
Barbara Hinzpeter 12.01.2018

Einst ging sein ganzes Taschengeld drauf für – „mehrere hundert“ - Miniatur-Masken. Und mehr als auf den Geburtstag oder auf Weihnachten freute er sich alljährlich aufs Narrenbaumstellen: Von Kindesbeinen an hat sich Philipp Schneider („Schnibbo“) mit Leib und Seele der Oberelchinger Fastnacht verschrieben. Er sammelte und archivierte Zeitungsausschnitte und Bilder vom närrischen Treiben im Dorf.

Schon in der Zeit als Grundschüler habe er nicht nur alles, was er kriegen konnte, übers Brauchtum gelesen, sondern beschlossen, selbst ein Buch darüber zu schreiben, sagt der 29-Jährige. Jetzt hat Philipp Schneider sein Vorhaben wahr gemacht, Dokumente aus eigener Sammlung und dem Gemeindearchiv ausgewertet und ein Werk über die Fünfte Jahreszeit am „Heiligen Berg“ verfasst.

Vielfalt des Brauchtums

Kenntnisreich und fundiert, aber nicht rein wissenschaftlich und schon gar nicht staubtrocken beleuchtet Schneider die Facetten des Brauchtums und arbeitet die Besonderheiten der Oberelchinger  Fastnacht heraus. Diese liegen für den Journalisten und Historiker in ihrer Vielfalt einerseits und ihrem „identitätsstiftenden Charakter“ andererseits. Immerhin seien im rund 3000 Einwohner zählenden Elchinger Ortsteil   schätzungsweise 500 als Hästräger, Karnevalisten oder Guggenmusiker aktiv oder auf eine andere Weise in die Fastnacht eingebunden.

Lange bevor 1957 die Karnevalsgesellschaft „Greane Krapfa“ gegründet wurde, sei im Ort „wilde“ Fastnacht gefeiert worden –  immer mit viel Gesang und Schabernack. Und das ist bis heute so: Die Därlesbärbla und Bobbele sind zwar auf Umzügen der Region zu sehen, aber die Oberelchinger lassen die Narretei auch gern im Dorf.

Das Treiben dort ist sowohl vom schwäbisch-alemannischen Brauchtum als auch vom rheinischen Karneval und vom bayerischen Fasching beeinflusst. Das bedeute nicht, dass sich die Traditionen vermischen und verwässern, so der Autor. Vielmehr werden die friedliche Koexistenz und ein harmonisches Miteinander gepflegt. Das drückt sich in zahlreichen Ereignissen und in personellen Überschneidungen aus.

So ist Philipp Schneider nicht nur im Vorstand der Blechbeat Gugga, sondern auch Mitglied im Elferrat. Als kleiner Bub durfte er bei den Bobbele mitmarschieren. Die Maskengruppen und die dazu gehörenden Einzelfiguren stellt der Autor detailliert in Wort und Bild vor, einschließlich der Legenden, auf die sie sich berufen. Ausführlich geht er auch auf die Karnevalisten und ihre Gruppen ein. Die Texte und Fotos sind Fundgruben für Fastnachtsfans und Historiker.

Strohbärtreiben wiederbelebt

Einen ganzen Abschnitt des Buches widmet er dem Strohbärtreiben am Rosenmontag, dessen Wiederbelebung Schneider und einige Mitstreiter vor zwei Jahren initiiert hatten. Erstmals dabei sein wird in diesem Jahr auch ein Scheinreiter. Diese in der Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnet beheimatete Figur wird in Oberelchingen aufgenommen als Hommage an den Esel Mufdi, dessen Geschichte Philipp Schneider in einem Kapitel voller Anekdoten erzählt.

Dieses steht am Ende des Buchs, das mit einer Chronik und einer Beschreibung und Erläuterungen  aller örtlichen Fastnachtsveranstaltungen beginnt – angefangen bei der Inthronisation des Prinzenpaars am „11.11.“, übers Häsabstauben, allerlei Bälle, Kappensitzung und vor allem die vielen Anlässe, bei denen Straßen und Plätze im Dorf für einige Wochen fest in närrischer Hand sind: Das gilt fürs das höchst spektakuläre Narrenbaumstellen ebenso wie fürs Schnorren, Spiegel vorhalten, Zoll kassieren und vieles mehr.

Bei all diesen Aktivitäten spielen die eigenen Lieder und Sprüche eine große Rolle, die in Oberelchingen wohl jeder kennt. Denn auch das ist Konsens am „Heiligen Berg“ in dem Elchinger Ortsteil: Fastnacht heißt nicht Zuschauen, sondern Mitmachen.

Das gilt auch für die karnevalistische Prunksitzung: Da steigen lauter „Eigengewächse“ in die Bütt, seit einigen Jahren auch das  „Grasdaggl“-Trio, dem Philipp Schneider angehört, der außerdem beim Männerballett mitmischt. Wenn Forscher einmal nach einem Fastnachts-Gen suchten, sagt der 29-jährige Oberelchinger, würden sie bei ihm wohl fündig werden.

Vorstellung im Vidal-Haus

Präsentation Philipp Schneider wird sein Buch am Montag im Musikprobenraum des Konstantin-Vidal-Hauses öffentlich präsentieren. Mit seinem Vortrag beginnt er um 19 Uhr. Um 18.30 Uhr stellt er bei einem Sektempfang seine Miniaturmasken-Sammlung vor. Das 116 Seiten starke, reich bebilderte Werk im A 4-Format kostet 19 Euro. Die erste Auflage erscheint mit 1000 Exemplaren.