Soziales Fairer Kreis: Bedingungen formuliert

Kreis Neu-Ulm / Niko Dirner 18.05.2018
Fachfrau zeigt im Ausschuss fünf Kriterien auf, die erfüllt werden müssen. Der Beschluss soll am 20. Juli fallen.

Der Landkreis Neu-Ulm will sich um das Fair-Trade-Label bemühen, eine erste Debatte dazu gab es im März. Am Donnerstag nun hat Felizitas Smith, Eine-Welt-Regionalpromoterin für Schwaben, dem Umwelt- und Werkausschuss des Kreistages dargelegt, was Fair Trade bedeutet – nämlich etwa eine auskömmliche Entlohnung der Produzenten – und welche Voraussetzungen der Landkreis für eine Zertifizierung erfüllen muss.

Grundlage ist laut Smith ein Beschluss des Kreistages, dass der Titel angestrebt werden soll. Beinhaltet ist damit auch, dass bei allen Sitzungen Fair-Trade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus fairem Handel angeboten wird. Wobei beim Kaffee, wie Vize-Landrat Roland Bürzle sagte, diese Voraussetzung bereits erfüllt ist. Der Beschluss des Kreistages ist für den 20. Juli vorgesehen. Im zweiten Schritt müsste sich dann eine Steuerungsgruppe formieren, die sich aus Vertretern von Politik, Wirtschaft, Kirchen, Schulen, Vereinen, Medien und Nichtregierungsorganisationen zusammensetzt. Drittens müssten – berechnet anhand der Zahl von rund 170 000 Einwohnern – mindestens 28 Geschäfte und 14 gastronomische Betriebe mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Das höre sich viel an, sei aber „leicht zu erreichen“, sagte Smith, da auch jede Filiale der Supermarkt- und Discounter-Ketten mitgezählt wird. Diese bieten heute auch faire Waren an.

Kirchen und Vereine gefragt

Viertens muss die Zivilgesellschaft ins Boot: Mindestens eine Schule, eine Kirchengemeinde und ein Verein müssen mitmachen. Was schon gegeben ist, etwa mit dem Lessing-Gymnasium oder der Montessori-Grundschule in Weißenhorn. Der letzte Punkt sind Minimum vier Artikel pro Jahr über die Fair-Trade-Aktivität, wobei auch eigene Berichte auf der Landkreis-Webseite und in Amtsblättern zählen.

Ist die Zertifizierung geschafft, sei das ein „Imagegewinn“ für den Landkreis, er könne etwa kaufkräftige Touristen anlocken, sagte Smith. Außerdem würde der Kreis eine Vorbildfunktion einnehmen, könne weitere zum Mitmachen animieren. Heute sind Weißenhorn, Illertissen und Neu-Ulm zertifiziert, Senden hat sich auf den Weg gemacht.

Smith mahnte, der Titel, der erstmal auf zwei Jahre befristet ist, stehe nicht für sich. Er müsse „mit Leben gefüllt werden“. Das gelinge nur gemeinsam. Viele Produkte, bis hin zu Pflastersteinen, seien heute aus fairem Handel zu beziehen, und die öffentliche Hand verfüge über ein „großes Auftragsvolumen“. Der Kreis sollte aber schrittweise vorgehen. Bürzle versicherte: „Wir machen keine Show-Veranstaltung.“