Weißenhorn Rodung für Gewerbegebiet: Blindgänger im Wald?

Weißenhorn / Carsten Muth 06.12.2018
Die Stadt Weißenhorn will 15 Hektar Wald für ein Gewerbegebiet roden. Möglich, dass sich dort Bildgänger befinden.

Langsam, aber sicher gehen der Stadt Weißenhorn die Gewerbeflächen aus. Nun hat die Verwaltung ein Auge auf das letzte zur Verfügung stehende Areal im Industriegebiet Eschach geworfen. Dabei handelt es sich um ein 16 Hektar großes und Feldtörle genanntes Waldstück im Westen der Stadt – zwischen der nach Senden führende Eisenbahnlinie und dem A 7-Zubringer. Der Wald soll nahezu vollständig gerodet werden, um Platz für die Ansiedlung von Unternehmen zu schaffen. Was allerdings wegen des Naturschutzes heikel und wegen Altlasten eine durchaus explosive Angelegenheit ist, wie eine Debatte im Bauausschuss zeigte.

Das neue Gewerbegebiet soll über die Daimlerstraße angebunden werden, der zentralen Zufahrtsstraße im Industriegebiet Eschach. Wann die Baggern anrollen oder ob überhaupt, ist indes noch unklar. Die Stadträte sprachen sich zumindest dafür aus, die Erschließungspläne weiter voranzutreiben. Die Vertreter von Grünen und ÖDP stimmten dagegen. 

Bomben

Die Planer vermuten, dass sich im Feldtörle Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Im Frühjahr 1945 hatten die Alliierten Bahnhof, Bahnstrecke und den Weißenhorner Westen bombardiert. Noch heute gibt es etliche Krater in dem Gebiet. Diese wurden nach dem Krieg mit Salzschlacke und  Bauschutt aufgefüllt. Mit der Folge, dass sich Schwermetalle im Boden befinden – die im Zuge der Erschließung des Gebiets aufwendig und teuer entsorgt werden müssten.

Für den Fall der Fälle werden deshalb Experten für die Beseitigung von Kampfmitteln bei der Rodung des Waldes und den Bodenuntersuchungen dabei sein, sagte eine Sprecherin des Büros Steinbacher Consult, das mit der Planung beauftragt ist. 

Naturschutz

Die Planer haben sich mit Naturschutzbehörden und Verbänden abgestimmt. Ergebnis: An den Rändern des Gebiets müssen wohl Waldstreifen bestehen bleiben, um die Lebensräume von Fledermäusen, Fröschen, Vögeln und Eidechsen  nicht vollständig zu zerstören. Möglicherweise müsse man Tiere auch umsiedeln. „Es ist schwierig, alle Forderungen und Probleme zu lösen“, räumte die Planerin des zuständigen Büros auf Nachfrage ein. Der Weißenhorner Bürgermeister Wolfgang Fendt sagte: „Wir haben schon jetzt einen schwierigen Weg hinter uns. Die Natur- und Vogelschützer sind nicht begeistert von dem Projekt.“

Für die gut 15 Hektar Wald, die verschwinden sollen, muss die Stadt Ausgleichsflächen finden, um dort neue Bäume zu pflanzen. Auch dies gestaltet sich schwierig, eine möglichst zusammenhänge Fläche in der Größe muss erst mal gefunden werden, betonte  der Rathauschef. Der Weißenhorner Stadtförster sei mit der Aufgabe betraut worden.

Reaktionen

Naturschutz sei ja gut und wichtig, sagte SPD-Fraktionschef Herbert Richter. Allerdings dürfe man es mit diesem nicht übertreiben. „Wenn das Wohl und Wehe eines Bauprojekts“ stets davon abhängig gemacht werde, dass es Fröschen und Käfern gut geht, laufe etwas falsch. Die Stadt sei auf das neue Gewerbegebiet angewiesen. „Wir haben sonst nichts“, sagte Richter. Und: „Es geht darum, vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen und Abwanderungen von Arbeitsplätzen zu verhindern.“

Das sah sein Parteigenosse und Fraktionskollege Thomas Schulz genauso. Er kritisierte die geplante Vorgabe, wonach Firmengebäude im Feldtörle maximal zehn Meter hoch gebaut werden dürfen. „Das ist viel zu wenig. Wir sollten prüfen, ob da nicht doch mehr geht.“

Grünen-Stadtrat Ulrich Fliegel lehnte das Vorhaben im Feldtörle grundsätzlich ab, sagte: „Da sollen 15 Hektar Wald verschwinden. Das ist sehr viel. Für mich steht der Naturschutz an erster Stelle.“ CSU-Mann Michael Schrodi äußerte Zweifel an den Plänen. Er fragte: „Lohnt sich das ganze Ding überhaupt?“ Das Abholzen des Waldes werde ein „Mordsgeld“ kosten.

Letzterem wollte Bürgermeister Fendt nicht widersprechen. Wie viel Geld die Erschließung des Gewerbegebiets verschlinge, vermochte er nicht zu sagen. Er befand: „Am Ende steht die Frage: Wollen wir das mit diesen Einschränkungen wirklich?“

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