In einem kleinen Wildgewässer quaken Enten, am Horizont weidet eine Herde Kühe. Plötzlich springt ein Reh über eine blühende Wiese und sucht Unterschlupf im nahegelegenen Gebüsch. Natur pur. Eingebettet in der bayerisch-schwäbischen Hügellandschaft zwischen Biberach und Schießen. „Für Touristen ist diese Umgebung traumhaft“, weiß Richard Schmid. Um die Roggenburger Region für Reisende attraktiver zu machen, hat der 54-Jährige im vergangenen Jahr auf einer Wiese am Biberacher Ortsausgang einen Stellplatz für acht Wohnmobile errichtet. Das Gelände liegt direkt an der Kreisstraße NU 1.

Die Idee hatte der Biberacher Braumeister bereits 1996 nach der Eröffnung des Bildungszentrums. „Da auf den Parkplätzen rund ums Kloster Wohnmobile aus genehmigungsrechtlichen Gründen nicht erlaubt sind, habe ich mir Gedanken über den Bau eines Platzes gemacht“, blickt Schmid zurück. Im Jahr 2008 stellte er dem damaligen Roggenburger Bürgermeister Franz Clemens Brechtel seine Pläne vor. Allerdings war eine erste Bauvoranfrage nicht von Erfolg gekrönt. „Nach dem alten Flächennutzungsplan war die Wiese Außenbereich des Ortes und somit für mein Vorhaben nicht geeignet.“ Nach Änderung des Flächennutzungsplans im Jahr 2011 gaben Gemeinderat und Landratsamt schließlich grünes Licht für das Projekt.

Der Bau hielt Schmid mächtig auf Trab. Zunächst musste die Humusschicht der Wiese abgetragen werden, zum Auffüllen wurde sandiger Aushub von örtlichen Baustellen verwendet. Für die Oberfläche beschaffte der Biberacher 1000 Tonnen Kies. Damit die notwendige Hygiene und Infrastruktur gewährleistet sind, verlegte Schmid mit seinen Partnerfirmen Kanal-, Abwasser-, Frischwasser- und Stromanschlüsse. „Die Anforderungen für einen Wohnmobil-Stellplatz sind fast mit einem Baugebiet vergleichbar.“ Insgesamt hatte Schmid nach eigenen Angaben Kosten in Höhe von 60.000 Euro. Zudem liege die erbrachte Eigenleistung bei rund 20.000 Euro.

Für Urlauber mit Wohnmobil ist der Platz seit Ostern freigegeben. Die ersten Gäste kamen Ende April aus Winsen (Niedersachsen) und aus Österreich nach Biberach. „Alle waren sehr zufrieden und haben vor allem den schönen Standort in ruhiger Lage gelobt“, berichtet Schmid. Komplett fertiggestellt ist das Gelände jedoch noch nicht: Der Unternehmer bastelt derzeit an einer Infohütte mit Broschüren und Kartenmaterial über die Region. Außerdem strebt er die Installation eines Getränkeautomaten mit Verkauf von selbstgebrauten Bieren an. Ob mittelfristig auch freies Wlan für die Touristen angeboten wird, ist noch nicht entschieden.

Schmid möchte durch den Wohnmobil-Stellplatz insbesondere den Bekanntheitsgrad seiner Brauerei erhöhen. „Ein weiterer Grund für die Errichtung war, dass ich selbst ein Wohnmobil besitze und dadurch einen Bezug zum Thema habe.“ Für das laufende Jahr rechnet er mit rund 500 Gästen, mittelfristig sollen von Frühjahr bis Herbst etwa 1000 Touristen kommen.

Die Werbemaschinerie läuft bereits auf Hochtouren: Durch Artikel in Fachzeitschriften, Stellplatzführern und auf Internetseiten will der Biberacher die Szene aufmerksam machen. Außerdem weisen bereits mehrere Apps auf den Platz hin. „Die Lage ist durch die Anbindung an die A 7 natürlich ideal.“

Stolz auf den Wohnmobil-Stellplatz ist der Roggenburger Bürgermeister Mathias Stölzle. „Wir schließen dadurch eine Lücke im Tourismus-Bereich.“ Der Rathaus-Chef hofft darauf, dass zukünftig viele Tagestouristen den ersten Wohnmobil-Stellplatz im gesamten Kreis nutzen werden. „Durch die zahlreichen Wander- und Radwege und die vielen Attraktionen rund um Roggenburg können wir den Urlaubern einen tollen Aufenthalt bieten.“

Was der Stellplatz kostet

Preistabelle Ein Parkschein für 24 Stunden kostet neun Euro. Inbegriffen ist neben dem Stellplatz die Entsorgung von Müll und Abwasser. Zwei Kilowattstunden Strom erhält man für einen Euro. Der gleiche Betrag fällt für 80 Liter Frischwasser an. Entsprechende Automaten und Vorrichtungen sind am Gelände angebracht.