Roggenburg Energiepfade gesucht

WILLI BÖHMER 12.03.2012
So wie im Gesetzentwurf vorgesehen macht die Senkung der Solarförderung keinen Sinn. Sie ist sogar gefährlich für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das war der Tenor bei einem CSU-Forum.

"Wir werden uns in allen Gemeinden passende Lösungen für die Energieversorgung suchen müssen. Vöhringen mit den Wieland-Werken hat andere Voraussetzungen als das ländlich strukturierte Roggenburg." Der CDU-Kreisvorsitzende Thorsten Freudenberger zog am Samstagmittag die Bilanz einer Diskussionsrunde über erneuerbare Energien. Fachleute hatten in Kurzvorträgen einen Überblick über ihre Bereiche gegeben, dann wurde diskutiert. Viele CSU-Kreisräte verfolgten die Debatte.

"Auf gerader Strecke wird eine Vollbremsung hingelegt. Auch im Bau befindliche Anlagen sind von der Änderung der Solarförderung betroffen", sagte ein Industrievertreter. Das werde das Aus für viele Unternehmer bedeuten, die sich auf die alten Fördersätze verließen und im Bereich erneuerbarer Energien auch finanziell engagierten.

Franz Stölzle von der ENBW ODR bezeichnete den Änderungsentwurf als "unverständlich". Offensichtlich habe die Politik vor den Vorgängen im Bereich erneuerbarer Energien Angst bekommen. Die Photovoltaik werde sich dennoch durchsetzen, sagte er voraus. Ob sich im Änderungsentwurf die Lobby der vier großen deutschen Energieversorger durchgesetzt hat, die angesichts der vielen kleinen Stromproduzenten um ihre starke Position fürchten müssten? Es werde leider alles dafür getan, dass die vier wieder in ihre frühere Marktstellung kommen, sagte Rolf Fahle. Er lebt in der 3000-Einwohner-Gemeinde Furth bei Landshut, in der die Bürger mit erneuerbaren Energien den eigenen Strombedarf produzieren, und er ist stolz darauf. Ein Punkt regt ihn besonders auf: Dass in der Novelle zum Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) "der Eigenverbrauch abgeschafft ist. Ich zahle danach 19 Cent für den selbst produzierten Strom. Die haben nicht alle Tassen im Schrank."

Knapp fünf Stunden hatten zuvor die Fachleute vorgetragen. Die Stromerzeugung mit wetterabhängigen Technologien ist ein anspruchsvolles Ziel, stellte der Energiereferent Franz Bihler von der IHK Schwaben fest. Photovoltaik ist von der Intensität der Sonneneinstrahlung abhängig und funktioniert nur am Tag, die Speichermöglichkeiten für die Nacht sind noch nicht praxistauglich. Und es sei zu kurz gegriffen zu sagen, dass das Problem gelöst sei, wenn man 1500 Windräder baue. "Bei Windstille stehen auch 1500 Windräder." Deshalb seien weiter Wasserkraftwerke nötig, um die Grundlast der Stromversorgung verlässlich bedienen zu können.

Die Speicherforschung müsse weiter intensiviert werden, und es sei nötig, riesige Hochspannungsnetze aufzubauen, quer durch die Republik, um notfalls aus anderen Regionen Strom zur Verfügung stellen zu können. Und Unternehmen müssten sich auf steigende Energiepreise einstellen. "Wenn das alles gelingt, schaffen wir die Energiewende", versicherte er.

"Unsere Energie kommt heute vor allem aus dem Kernkraftwerk Gundremmingen und aus Wasserkraftwerken in Tirol", berichtete Roland Dölzer, bei den Lechwerken (LEW) für den Ausbau der Stromnetze zuständig. Sie seien schon heute mit einer maximalen Netzkraft von 1900 Megawatt an der Grenze angelangt. Wenn zum Beispiel das in Bayern erklärte Ziel von 50 Prozent erneuerbarer Energie bis 2021 umgesetzt sein soll, bedeute das 3500 Megawatt. "Das könnten wir heute nicht stemmen." Derzeit speisen 50 000 Photovoltaikanlagen ihren Strom ins LEW-Netz ein. "Allein von September bis November 2011 sind etwa 1800 Anträge für die Genehmigung neuer Photovoltaikanlagen bei uns eingereicht worden." Nach einer Studie müssten 4500 Kilometer Stromnetz neu aufgebaut werden. Er sei trotz aller Schwierigkeiten davon überzeugt, dass die Energiewende weg vom Atomstrom und hin zu erneuerbaren Energien gelingen werde.

Aber es müssten einige Voraussetzungen geschaffen werden: die Akzeptanz etwa beim Ausbau der Netze; sie brauchen Planungssicherheit, die müsse von der Politik garantiert werden; Planungs- und Genehmigungsverfahren auch für große Hochspannungsleitungen müssten beschleunigt werden; die Netz-Investoren müssten eine angemessene Vergütung erhalten. Und es sei dringend nötig, eine bessere Forschungsförderung hinzubekommen für Energiespeicher, für Regelungstechnik und Verbundsysteme. "So spannend wie zur Zeit war mein Job noch nie", sagte Dölzer.

Es ging auch um die Finanzierung von Anlagen, um Nahwärmeversorgung und um heute zur Verfügung stehende Stromspeicher.