Stolz haben die 13 erfolgreichen Absolvent(inn)en des ersten Sprachkurses für Migranten an der Sendener Grundschule gestern ihre Zertifikate in Empfang genommen. Fast ein Jahr lang haben die Eltern, zwölf Mütter und ein Vater, jeden Vormittag Grammatik, Rechtschreibung und Vokabeln gebüffelt. Viele von ihnen konnten zu Beginn praktisch kein Deutsch, doch heute - nach der 960 Stunden umfassenden Ausbildung - können sie sich unterhalten und Behördengänge sowie Einkäufe in deutscher Sprache erledigen. Die meisten Teilnehmer wollen weitere Kurse besuchen.

"Nun bin ich angekommen", sagte Andrea Mezei-Racz aus Rumänien. Seit zwei Jahren lebt sie nun in Deutschland. "Es war für mich eine fremde Kultur und eine fremde Sprache", erinnerte sich Mezei-Racz. Sie erzählte, dass sie eigentlich anfangs sehr skeptisch war. Wie sollte ihr Leben in einem fremden Land aussehen? Was für Probleme werden auf sie zukommen? Fragen über Fragen, die die 26-jährige Ökonomin schnell beiseiteschob. Ihr Mann ist schon länger in Deutschland, ihr vierjähriger Sohn besucht hier den Kindergarten. "Ich hatte also Zeit für mich und konnte an dem Kurs teilnehmen." Die Sprache habe sie schnell gelernt, obwohl die Grammatik sehr schwer sei. "Das Lerntempo in der Klasse war optimal, und die Betreuung durch die Lehrerinnen war immer sehr gut", berichtete Mezei-Racz. Nun will die junge Mutter ihren akademischen Abschluss anerkennen lassen und weiter Deutsch lernen.

Die Grundidee für diesen Kurs stammt von Meltem Madenci, Leiterin des Sendener Instituts für Bildung. In dem Kurs saßen ein Vater und Mütter aus acht Nationen jeden Vormittag in der Grundschule und lernten Deutsch, während ihre Kinder nur wenige Räume entfernt in Mathe und anderen Fächern unterrichten wurden. "Dieses Projekt hat sich absolut bewährt, daher werden wir ein weiteres Seminar anbieten", sagte Madenci. Ihre Kollegin Birgit Schulz, die für verschiedene Bildungsträger Sprachen unterrichtet, ist ebenfalls stolz, ein Teil dieses Kurses gewesen zu sein. "Es ist mehr als ein Job, denn wir stehen alle mit Leidenschaft dahinter", sagte Schulz. Sie werde mit den Eltern in Kontakt bleiben. "Durch unsere Kontakte können wir Jobs vermitteln oder Hilfestellungen geben."

Malgorzata Schlossarczyk ist seit über zehn Jahren in Deutschland, auch sie will in jedem Fall weitermachen. "Ich möchte mindestens noch zwei weitere Kurse besuchen, denn nur so kann man sich integrieren", sagte die 38-jährige Polin. Denn der Aufbaukurs sei dann auch der Eintritt in das Berufsleben. "Viele Firmen verlangen beide Abschlüsse, und für eine erfolgreiche Bewerbung ist das enorm wichtig", berichtete Madenci. Das nächste Integrationsseminar für Eltern soll im November starten.

Info Interessierte können sich bei Meltem Madenci im Institut für Bildung melden, Tel. (07307) 29 86 66.