Verkehr Elchinger diskutieren über Lärmschutz

Über einen Lärmschutzwall und Alternativen für den geplanten Ausbau der A 8 bei Elchingen haben Bürger vor dem Start des Erörterungsverfahrens gesprochen. Wie berichtet, wollen die Bürger eine Wand und keinen Wall.
Über einen Lärmschutzwall und Alternativen für den geplanten Ausbau der A 8 bei Elchingen haben Bürger vor dem Start des Erörterungsverfahrens gesprochen. Wie berichtet, wollen die Bürger eine Wand und keinen Wall. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Elchingen / Von Thomas Vogel 04.07.2018

Die Gemeinde Elchingen und die in der Bürgerinitiative (BI) Lärmschutz zusammengeschlossenen Bürger ziehen mit einem gemeinsamen Ziel, aber teils unterschiedlicher Stoßrichtung in die „Erörterung“ zum geplanten dreispurigen Ausbau der A 8. Beide hoffen sie, in dem von der Regierung von Schwaben geleiteten Verfahren einen besseren Lärmschutz durchsetzen zu können, als er derzeit vorgesehen ist. Die Autobahndirektion als antragstellende Behörde hält die Aufschüttung eines zehn Meter hohen Erdwalls für ausreichend, um damit die zulässigen Grenzwerte einhalten zu können. Gemeinde und Bürger pochen indes auf wirksamere Lösungen.

Während sich Bürgermeister Joachim Eisenkolb hierzu nur vage äußert, haben die privaten Einwender genauere Vorstellungen. Etwa 30 von ihnen trafen sich im Konstantin-Vidal-Haus zur Vorbesprechung der Erörterung, die ab Donnerstag, 19. Juli, mehrtätig in der Brühlhalle stattfindet und bei welcher über die Planfeststellung, also die Baugenehmigung des großen Infrastrukturprojekts, verhandelt wird.

Varianten viel teurer

BI-Sprecher Harald Gaule sowie Bürger aus dem Publikum brachten erneut mehrere Alternativ-Varianten ins Spiel: Erdwall plus zusätzlich eine aufgesetzte Lärmschutzwand, oder nur eine Lärmschutzwand, dafür eine mächtige. Der Knackpunkt dabei: Alle diese vorgeschlagenen Lösungen sind sehr viel teurer als der mit 7,8 Millionen Euro veranschlagte Erdwall, dessen Material aus den derzeitigen Autobahn- und Schnellbahn-Baustellen auf der Schwäbischen Alb stammen würde. Sie würden Gaule zufolge zwischen 12 und 17 Millionen Euro kosten.

„Es geht dabei schließlich um die Gesundheit der Bürger“, bekräftigte eine Bürgerin diese Forderung. Aus dem Plenum wurde mehrfach die Erwartung geäußert, dass solche Alternativen in das Verfahren eingebracht werden, und zwar vom Rechtsanwalt, der von der Gemeinde verpflichtet ist. Von diesem, Ludwig O. Seitz aus der Münchner Kanzlei Labbé & Partner, können sich die Einwender für sie kostenfrei vertreten lassen, sollten sie an dem Erörterungstermin nicht persönlich in Erscheinung treten wollen. Elchingen hat hierfür ein Budget von 10 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Beide Seiten, die Gemeinde und die BI, hoffen indes auf eine starke persönliche Präsenz der Einwender bei der Anhörung. „Wenn wir was bewegen wollen, geht das nur über die emotionale Schiene“, glaubt Gaule, „denn rechtlich ist die Autobahndirektion konform“. So sieht es auch Eisenkolb, der ebenfalls auf einen großen öffentlichen Druck setzt, mehr aber noch auf „Beurteilungsspielräume“, die nach seiner Hoffnung im Verlauf des Verfahrens zu Tage treten könnten. Ein Argument dabei ist, dass die nun eingebrachte Planung bereits mehr als zehn Jahre alt sei – und sich zwischenzeitlich neue Prognosen über die Entwicklung des Verkehrsaufkommens ergeben haben könnten.

Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister, dass er moralische Appelle ebenso für wirkungslos halte wie die Hoffnung auf ein „Einsehen“ der Genehmigungsbehörde. Der rechtliche Rahmen sei als verbindlich zu akzeptieren, „wir kämpfen um das Machbare“. Soll heißen: Er hält eine Verbesserung der Lärmschutzsituation zumindest nicht für ausgeschlossen.

Das Verfahren und die Chancen

Planung Laut Gutachten würde ein zehn Meter hoher Erdwall im Bereich Elchingen sicherstellen, dass die Lärmschutzbestimmungen eingehalten werden. Mit Ausnahme von etwa 20 Häusern (Heerstraße, St.-Michael-Weg), wo es nächtens zu einer leichten Überschreitung der 49-Dezibel-Obergrenze käme. Die angebotene Lösung der Autobahn-Direktion: Einbau von Schallschutzfenstern. Das wäre kostengünstiger als die Realisierung aufwendigerer Maßnahmen. Wie beim Treffen mehrfach aufgeworfen, werden die errechneten Dezibel-Zahlen aus dem Gutachten jedoch angezweifelt. Auch sei darin nicht berücksichtigt, dass mit der A 7 noch eine weitere Autobahn die Situation beeinträchtige.

Einwender Die genaue Zahl der Einwender ist laut Eisenkolb nicht bekannt. Er gehe jedoch für den Bereich Elchingen, Ulm, Langenau und Dornstadt von wenigstens 300 aus. Stünde die Möglichkeit im Raum, dass viele davon die Planfeststellung hinterher juristisch vor dem Verwaltungsgericht anfechten würden, könnte sich dies positiv auswirken. Dahingehend, dass die Regierung von Schwaben tatsächlich auf die Ausnutzung der Spielräume poche.

Erörterung Die Erörterung in der Brühlhalle am 19. Juli beginnt um 9.30 Uhr. Nur Einwender haben Zutritt. Angesetzt ist das Verfahren bis Dienstag, 24. Juli. thv

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