Logistik Elchingen: Paketzustellung in der Mülltonne erbost Kunden

Alles andere als himmlisch: Der selbsternannte „Götterbote“, das Logistik-Unternehmen Hermes, stellt derzeit vermehrt Pakete hinter oder sogar in dem Mülleimer zu (im Bild nachgestellt). Eine Praxis, die betroffene Kunden maßlos ärgert.
Alles andere als himmlisch: Der selbsternannte „Götterbote“, das Logistik-Unternehmen Hermes, stellt derzeit vermehrt Pakete hinter oder sogar in dem Mülleimer zu (im Bild nachgestellt). Eine Praxis, die betroffene Kunden maßlos ärgert. © Foto: Oliver Heider
OLIVER HEIDER 13.06.2017
In Elchingen werden Hermes-Pakete in Mülltonnen „zugestellt“. Das Unternehmen entschuldigt sich und erklärt, was erboste Kunden in diesem Fall tun sollten.

Norbert Beer traute seinen Augen nicht. Im Briefkasten fand er eine Karte des Logistik-Unternehmens Hermes. Diese wies darauf hin, dass sein bestellter „Spezial-Zucker“ an einem fragwürdigen Ort abgelegt worden war. „Das Paket lag nicht auf, hinter oder neben, nein, es lag in der Mülltonne“, sagt der Oberelchinger. Bei sommerlichen 30 Grad.

In der Gemeinde ist das derzeit kein Einzelfall: Harald Aubeles bestellte Kleidungsstücke landeten ebenfalls im Müll. „Versuch die mal zurückzugeben, wenn sie nicht passen“, meint Aubele erbost, um aber nachzuschieben, dass er seine gut verpackten Klamotten nach gründlicher Wäsche nun tragen kann. Da mutet es fast schon harmlos an, wenn weitere Betroffene davon berichten, dass „der Götterbote“ ihr Paket hinter dem Mülleimer oder in der Blauen Tonne „zugestellt“ hatte.

Auf den Unmut angesprochen, sagt Hermes-Pressesprecher Ingo Bertram, dass die Vorfälle „in keinem Fall dem Qualitätsverständnis, das wir als Logistik-Unternehmen an unsere Arbeit stellen“, entsprächen. „Dafür möchte ich mich im Namen von Hermes ausdrücklich bei den Betroffenen entschuldigen“, sagt Bertram.

 Zwar könne „in Ausnahmefällen ein Paket durchaus an einem sicheren Ort abgelegt werden“, um die Zustellung zu beschleunigen. „Dies jedoch darf nur geschehen, wenn dies vom Empfänger zuvor schriftlich oder online bei Hermes beauftragt wurde.“ Liege ein solcher Auftrag nicht vor, dürfe der Zusteller die Sendung nicht ohne Unterschrift ablegen. Tue er dies, handele er „zuwider klarer Arbeitsanweisungen“. Ein geeigneter Ablage-Ort sei „eine überdachte Terrasse oder ein Carport, ganz sicher aber nicht eine Müll- oder Biotonne“, gesteht Bertram ein, der auf Anfrage zur Anzahl der Beschwerden aus den Kreisen Alb-Donau und Neu-Ulm keine Angaben macht.

Doch was sollen betroffene Kunden tun, deren Sendungen widerrechtlich abgelegt worden sind? Wenn die Ware unversehrt sei, sollten sie sich „unverzüglich bei unserem Kundendienst melden“, rät Bertram. „Nur, wenn wir von solchen Fällen Kenntnis erlangen, können wir gemeinsam mit den zuständigen Servicepartnern in der Region sprechen und, falls nötig, entsprechend nachschulen.“

Und wenn ein Paket beschädigt wird oder verloren geht? Dann sollte sich der Betroffene an den Kundendienst des Versenders wenden, also meist einen Online-Shop. Als Vertragsnehmer von Hermes sei „mit Blick auf Datenschutzregelungen nur ebendieser Online-Shop berechtigt, den Fall nachzuforschen und zur Klärung zu bringen“. Sei ein Fehlverhalten des Zustellers erwiesen, werde Hermes gegenüber dem Shop „regulieren“. Die Abwicklung für den Verbraucher übernehme der Internethändler. Finanziell entstehe dem Kunden kein Schaden, da der Online-Shop „zumeist umgehend eine kostenfreie Ersatzbestellung auslöse“, sagt Bertram und ergänzt: „Ärgerlich ist ein solcher Vorgang aber natürlich trotzdem zweifellos.“

 Ein Ärger, der vielen DHL-Kunden erspart bleibt. Beim gelb-roten Riesen können Pakete oft in der nächsten Postfiliale abgeholt werden, wenn der Zustellversuch erfolglos war. Dass Sendungen in solchen Fällen nicht automatisch an einen Paket-Shop umgeleitet werden, ist laut Bertram damit zu erklären, dass Hermes – im Gegensatz zu anderen Dienstleistern – „prinzipiell bis zu vier Zustellversuche an der Haustür“ unternehme. „Genau das ist vielen unserer Kunden wichtig, die Vorbehalte gegen eine automatische Umleitung an einen Shop sind teils beträchtlich“, weiß Bertram. Gleichwohl sei es möglich, dass ein Empfänger, der nicht zuhause war, seine Sendung an einen Paket-Shop umleitet. Ein entsprechender Auftrag an den Kundenservice sei kostenfrei. Die Sendung werde dann „bis zu zehn Werktage lang verwahrt“. Auch eine Paket-Shop-Direktzustellung sei in vielen Shops – etwa bei Amazon und Otto – bereits im Bestellprozess auswählbar und kostenfrei. Abholfrist: zwei Wochen. In Elchingen gibt es laut Hermes-Homepage keinen Paket-Shop mehr. Die nächsten befinden sich in Ulm-Böfingen und Nersingen (siehe Infokasten).

Die zuständigen Gebietsmanager für Elchingen seien jedenfalls informiert und prüfen den Fall, sagt Bertram. Norbert Beer indes wünscht sich trotz des Unmuts, dass der Zusteller seinen Job behält. Seien die Fahrer doch nicht selten schlecht bezahlt und müssten unter großem Zeitdruck arbeiten. „Ein Schuss vor den Bug“ sei aber angebracht, meint Beer, der sich seinen Humor nicht nehmen lässt. Vielleicht, so scherzt er, sollte er einfach ein Schild auf den Mülleimer kleben: „Bitte keine Pakete ablegen“.

14.000 Paket-Shops in ganz Deutschland

Verbreitung Aktuell gibt es in Deutschland nach Angaben von Pressesprecher Ingo Bertram mehr als 14.000 Hermes-Paket-Shops. „In ländlichen Regionen ist der nächste Shop durchschnittlich zwei Kilometer entfernt.“ Das Management lege „auf Basis aktueller und historischer Sendungsverläufe“ fest, wo wie viele Shops nötig seien. In Regionen oder Städten mit vielen Paketen existierten daher mehr. In „mengenschwachen Gebieten“ seien es weniger, weil sich der Betrieb für Laden-Inhaber, die selbständige Einzelhändler sind, oftmals nicht lohnen würde.