Abgeordnete Ekin Deligöz im Interview

Es war auch noch Zeit für ein Gruppenbild mit Ekin Deligöz (links).
Es war auch noch Zeit für ein Gruppenbild mit Ekin Deligöz (links). © Foto: Klasse 8a, Realschule Weißenhorn
Weißenhorn / Von der Klasse 8a, Realschule Weißenhorn 23.05.2018
Ekin Deligöz spricht im Interview mit Schülern über das neue Polizeiaufgabengesetz, über E-Mobilität – und Drogen.

Digitalisierung an Schulen, E-Mobilität, das neue Polizeiaufgabengesetz: Die Schüler hatten viele Fragen an Ekin Deligöz. Im Rahmen des Bildungsprojekts „Wir lesen intensiv“ hatte die Klasse 8a der Realschule Weißenhorn die Grünen-Bundestagsabgeordnete zu interviewen.

Was halten Sie vom geplanten Ausbau der Macht der Polizei in Bayern?

Ekin Deligöz: Gute Frage, sehr schwierig. Das Polizeiaufgabengesetz greift deine und auch meine Freiheit an, denn dann kann die Polizei auch ohne konkreten Verdacht deine Telefonate, E-Mails und Browserverläufe kontrollieren. Es erhöht die Sicherheit. Aber es gilt: Sicherheit ja, aber nicht auf Kosten der Freiheit! Viel wichtiger als totale Überwachung durch die Polizei für mehr Sicherheit wären mehr Polizisten. Diese Stellen hat Bayern aber jahrelang abgebaut.

Würden Sie etwas an den Schulen verändern wollen?

Man sollte den Unterricht mehr an digitale Inhalte anpassen, aber auch mehr Lebenserfahrung einbringen. Den Leistungsdruck sollte man senken. Dazu müsste der Lehrplan angepasst werden. Außerdem sollte im Unterricht das Reden und Darstellen stärker geübt werden.

Warum wird im Bereich Schule so wenig investiert und wo sollte man investieren?

Momentan wird ein Fünf-Milliarden-Euro-Programm gestartet, denn viele Schulen sind noch nicht auf dem neuesten Stand, es fehlt zum Beispiel an Whiteboards.

Sollte Ihrer Meinung nach jeder Schüler ein „Schul-Tablet“ erhalten?

Ja, gute Idee. In den USA hat man teilweise gute Erfahrungen gemacht. In Armutsvierteln werden zum Beispiel die Schüler mit Tablets ausgestattet. Wenn man ihnen Hefte gibt, landen sie auf dem Weg nach Hause im Müll, die Tablets aber landen nicht im Müll. Dort werden Hausaufgaben einfach zugeschickt und auch Jugendliche, die aus welchen Gründen auch immer nicht in die Schule kommen, bekommen Unterrichtsinhalte mit. Man sollte aber dann auch die Lehrer auf die neue Technik schulen. Bücher sollte man aber trotzdem weiterhin verwenden.

Sollte man Stegreifaufgaben abschaffen oder wenigstens ankündigen?

Es kommt darauf an. Ich habe sehr viel bei den Lehrern gelernt, die ich damals nicht unbedingt am meisten mochte.

Sind Sie für E-Fahrzeuge oder Benzin-Fahrzeuge und warum?

Ich wäre für E-Fahrzeuge. Sie sind leise und können gut verkauft werden. Außerdem ist es die neueste umweltfreundliche Technik. Leider ist der Markt noch nicht so weit. Dazu bräuchte man eine bessere Batterien-Technik.

Aber wie könnte man dann blinde Menschen im Straßenverkehr schützen?

Dies wäre technisch lösbar. Auch der Motorenklang eines Porsches wird teilweise durch künstliche Lautsprechergeräusche erzeugt.

Wie sollte man mit Flüchtlingen umgehen?

Man sollte als Erstes schauen, dass die Flüchtlinge gar nicht fliehen müssen. Wenn sie aus einem Gebiet flüchten müssen, sollte man schauen, dass sie in der Nähe bleiben können. Wenn das aber auch nicht geht, sollte man sie sehr schnell integrieren.

Würden Sie Drogen legalisieren und für wen?

Es sind schon viele Drogen freigegeben, die wir nicht als Droge vermuten. Die größte Droge ist nämlich Zucker. Ich würde auf jeden Fall die starken und chemischen Drogen verbieten. Vielleicht würde ich Haschisch freigeben. Aber wenn Drogen legalisiert werden, auf jeden Fall nur über eine kontrollierte Abgabe.

Schaden Drogen eigentlich?

Ja, Drogen schaden und machen doof, sie zerstören Gehirnzellen. Außerdem führen sie zu einem frühen Tod.

Womit beschäftigen Sie sich am Arbeitsplatz? Müssen Sie reisen oder eher am Computer sitzen oder Gespräche mit Parteien führen? Haben Sie Mitarbeiter?

Ja, ich habe zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und zwei Sachbearbeiterinnen, die unter anderem Pläne für die Sitzungswochen erstellen. Insgesamt gibt es 26 Sitzungswochen. Ich reise viel zwischen Berlin und Ulm. Manchmal reise ich auch ins Ausland. Zum Beispiel demnächst gemeinsam mit dem Bundespräsidenten nach Weißrussland. Aber wegen meiner Familie versuche ich, etwas weniger zu reisen. In meiner Arbeit im Haushaltsausschuss geht es viel darum, wo das Geld ausgegeben wird und wo es reinkommt. Im nächsten Staatshaushalt werden etwa 336 Milliarden verteilt. 60 Prozent fließen unter anderem in die Bereiche Gesundheit, Rente, Arbeitslosengeld II, Familie, acht Prozent beanspruchen die Bereiche Infrastruktur, Wasser und Strom, etwa 30 Prozent werden für Sicherheit und Polizei verwendet. Auch eine steuerliche Entlastung der Bürgerinnen und Bürger durch die Herabsetzung des „Soli“ ist geplant.

Was halten Sie vom Dieselskandal?

Ich halte dies für ein Drama, denn die Autoindustrie macht etwa 15 Milliarden Euro Umsatz und dann sind 500 Millionen zu viel, um die Autos aufzurüsten. Die Autofahrer dachten, sie kaufen ein „sauberes“ Auto und dann das. Eigentlich müsste die Autoindustrie für den Schaden geradestehen.

Was halten Sie von der AfD?

Nicht viel. Leider arbeitet diese Partei oftmals mit Begriffen, die an die NS-Zeit erinnern, das ist sehr bedenklich. Manche Tabus in der Gesellschaft sind berechtigt und sollten auch so bleiben.

Wie möchten Sie das Internet für Kinder sicherer machen?

Man kann nicht 100-prozentige Sicherheit garantieren. Im Bereich Cyberkriminalität sollte man den Kriminellen beibringen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und es dort genauso viele Rechte gibt wie in der realen Welt. Und man muss selber einschätzen können, wie oft man sich im Internet befindet und ob man noch gut zwischen realer Welt und virtueller Welt unterscheiden kann.

Was würden Sie im Bereich Umweltpolitik ändern?

Umdenken wäre ein guter Ansatz. Wir sollten erneuerbare Energie fördern und technische Fortschritte erreichen, um diese Technologie auch exportieren zu können. Zum Beispiel sollten die E-Autos stärker gefördert werden. Umweltschädliche Faktoren wie Atomkraft, Diesel oder LKW gefährden unsere Lebensqualität. Zur Umweltpolitik gehört auch, dass wir Menschen in ärmeren Regionen helfen sollten, damit sie dort überleben können und nicht auswandern müssen.

Seit 20 Jahren im Bundestag

Bundestag Die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz sitzt schon seit 1998 im Bundestag, sie vertritt den Wahlkreis Neu-Ulm.

Privatleben Deligöz wurde 1971 in der Türkei geboren und kam im Alter von acht Jahren nach Deutschland. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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