Asyl Einsatz für einen jungen Mann mit Aussicht auf Ausbildung

Elchingen / Barbara Hinzpeter 11.08.2018

Für die Aktiven Elchinger vom Freundeskreis Asyl ist es ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Neu-Ulmer Landtagsabgeordnete Beate Merk (CSU) teilte gestern mit, dass der Fall Basir Sediqi „ganz nach oben gerutscht“ sei. Das heißt: Jetzt habe das bayerische Innenministerium das Sagen und prüfe, ob Basir Sediqi eine Ausbildungsduldung erhält und von Elchingen nach Ulm übersiedeln darf.

Denn am 1. September möchte der Afghane seine Ausbildung im Hotel Klingenstein in Blaustein beginnen. Mehr als 6000 Menschen haben innerhalb einer Woche eine Online-Petition unterschrieben, mit der erreicht werden soll, dass Basir Sediqi nicht abgeschoben wird, sondern seine Lehre absolvieren darf.  „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft so vieler Menschen“, sagt Birgit Möller vom Elchinger Freundeskreis.

Die Gruppe hat mit dem Ulmer Verein Menschlichkeit in den vergangenen Wochen Vieles in Bewegung gesetzt. Basir Sediqi war, wie berichtet, vorgesehen gewesen für den Abschiebeflug am 3. Juli. Doch er war nicht zu Hause, als ihn die Polizei in der Unterkunft in Unterelchingen abholen wollte. Der Freundeskreis startete die Internet-Unterschriftensammlung und wandte sich an zahlreiche Politiker. Aus der Region sagten die   Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis und Karl-Heinz Brunner (SPD) sowie Ekin Deligöz (Grüne) ihre Unterstützung zu.

Auch Ronja Kemmer (CDU) sprach sich gegen die Abschiebung des 24-Jährigen aus. „Wir sollten nicht gerade diejenigen abschieben, die gute Integrationsleistungen gezeigt und eine sehr gute berufliche Perspektive für die nächsten Jahre hier haben“, so Kemmer. Basir Sediqi habe „sollte deshalb in Deutschland bleiben und seine Ausbildung in Blaustein beginnen können.“

Das gab auch für Beate Merk mit den Ausschlag, sich in den vergangenen Tagen auf allen Ebenen  für den jungen Afghanen einzusetzen. Er habe die Sprache gelernt, einen sehr guten Hauptschulabschluss gemacht und engagiere sich ehrenamtlich. Das zeige, dass er sehr gut integriert sei. Bei den Einzelfallprüfungen gehe es darum, die Balance zu finden zwischen gerechtfertigten Abschiebungen beispielsweise von Straftätern, Gefährdern oder Menschen, die nur Sozialleistungen in Anspruch nehmen wollten, und solchen, die bewiesen haben, dass sie arbeiten wollen und Arbeitgeber überzeugen konnten. Auch Letzteres ist Basir Sediqi wohl gelungen. Geschäftsführer Michael Leibinger vom Hotel Klingenstein hat sich in einem Brief an Ministerpräsident Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann sowie die zentrale Ausländerbehörde (ZAB) in Augsburg und das Landratsamt Neu-Ulm gewandt. Für ihn sei es „höchst erfreulich, dass mit Basir Sediqi ein motivierter junger Mann eine Ausbildung in unserem Klingenstein-Hotel beginnen möchte“. Umso weniger könne er nachvollziehen, dass der Afghane abgeschoben werden solle.

Michael Leibinger bescheinigt dem jungen Mann ein sehr höfliches und zuvorkommendes Auftreten. Der Geschäftsführer  betont in seinem Schreiben, es sei „nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine zutiefst menschliche Frage, wie mit den Geflüchteten umgegangen wird, die sich in unsere Gesellschaft integriert haben.“

Am 3. Juli abgeschoben

Prüfung Individuell prüfen wird das bayerische Innenministerium laut Beate Merk  auch, ob der ebenfalls aus Afghanistan stammende Ghulum Ali Mohammad eine Ausbildungsduldung erhält. Er hat schon einen Ausbildungsplatz bei der Bäckerei Bayer.

Abgeschoben Ein 24-jähriger Flüchtling aus Elchingen hat sich, wie berichtet, am 3. Juli aus Angst vor der Abschiebung mit einem Messer selbst verletzt. Seinen Eilantrag, die Abschiebung wegen der psychischen Ausnahmesituation auszusetzen, lehnte das Verwaltungsgericht Augsburg ab.  Am 3. Juli sind 69 Afghanen abgeschoben worden sind, 51 davon aus Bayern.

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