Attraktion Tierisch helle Begegnungsstätte

Thomas Vogel 02.01.2018
Weihnachtszeit, tausende Lichtlein brennen. Ein Garten in Bellenberg verwandelt sich dabei gleich noch in einen kunterbunten Weihnachtszoo.

Schlag 17 Uhr wird es im Garten von Heinz und Angelika Träger in Bellenberg hell und bunt. Schlittengespanne, Nikoläuse in größerer Zahl, Hunde, Hasen und Bären, Hirsche und Schwäne haben jetzt ihren leuchtenden Auftritt, zu Gruppen arrangiert und das Dunkel der Nacht durchbrechend. Aber auch Bäume, Pilze oder exotische Tiere tummeln sich darin, Flamingos, Seelöwen, Pinguine, Delfine. Und neuerdings eine Schnecke: „Stammt vom Weihnachtsmarkt in Straßburg“, erzählt die Betreiberin dieses zauberhaften Weihnachtszoos, den sie aus allen Herren Länder zusammengetragen hat.

Rund 350 Leuchtobjekte umfasst die Sammlung mittlerweile, größere und kleinere, drollige und stattliche. Größtenteils sind die Figuren aus Acryl, und allesamt sind sie durch LED-Leuchtbänder illuminiert. Blinken darf nichts. Mag sie nicht, passe nicht rein.

Fünf Stromkreise sind nötig, viele Tage dauert der Aufbau, und zu tun gibt es auch danach immer was. Wegen der Nässe, der Kälte, dem Werden und Vergehen. Der Stromverbrauch? Diese Frage empfindet Angelika Träger als wirklich ziemlich schnöde.

Alles begann vor 20 Jahren. Mit einem Schlitten, zwei Rentieren, zwei Bäumen und einem Nikolaus auf dem Balkon. Die weihnachtliche Gesellschaft wirkte dann als Initialzündung für eine sehr intensive Sammelleidenschaft, die bis heute anhält. Jedes Jahr kommen seither weitere Figuren hinzu, anfangs in manchem Jahr bis zu 40, in diesem waren es „nur“ 18.  „Weil eben nicht mehr Novitäten erschienen sind“, nennt die Sammlerin den Grund für die abflachende Kurve.

Es verschwinden aber ab und an auch welche. Denn das Material ist empfindlich, wird mit der Zeit spröde und bricht leicht. Im Laufe der Jahre beginnt zudem so manches Lichtlein zu schwächeln. Die Figuren erreichen dann nicht mehr die ursprüngliche Strahlkraft. Bei Stürmen wird evakuiert.

Befestigen, Stabilisieren, Reparieren, Kleben, Austauschen von Lichterketten – das sind die Aufgaben von Heinz Träger, auf dem diesbezüglich eine gewisse Erwartungshaltung seiner Frau lastet. Diese wiederum ist für die weltweite Recherche zuständig. Schließlich besteht der Anspruch, dass sämtliche erhältliche Figuren der allesamt im Ausland sitzenden Hersteller im zoologisch-jahresendzeitlichen Garten vertreten sind.

Ein Glück, dass die Trägers einen großen Garten haben. Und geduldige Nachbarn. Denn die Gartenstraße 30 ist längst zum Ziel für allabendliche Prozessionen geworden, obwohl die Trägers keinerlei Werbung betreiben: „Alles durch Mundpropaganda.“ Von einem Zubringerbus wissen sie, der auf seiner Tour einen Schlenker zu ihnen mache, von einem Besucher, der aus Dubai stammt. Von Muslimen, die aus Unsicherheit erst noch ihre Schaulust zügelten und jetzt ebenfalls zu den ungezählten Fans zählen. Jedweden Alters und Glaubens ist diese herbei gelockte Schar.

„Es bereitet mir Freude, anderen eine Freude zu bereiten“, so umschreibt Angelika Träger ihre Motivation. Von diesem „Begegnungspunkt“ gehe doch ein „tolles Gefühl“ aus.

Aber auch die Einschränkung, dass das Ehepaar abends in der Adventszeit und so bis Ende Januar nur bei heruntergelassenen Jalousien auf ihrem Sofa Platz nimmt: „Wir wären sonst ja auf beinahe jedem Foto mit drauf.“

Wo die Region besonders leuchtet

Serie Festlich, praktisch oder einfach schön: In der dunklen Jahreszeit kommen Lichter in jeder Form besonders zur Geltung. Einige, die in der Region besonders auffallen, betrachten wir in dieser Serie. Alle Folgen sind unter www.swp.de/lichter zu finden.