Brand Eine Schutzburg für seltene Echsen

Ein auf die Bedürfnisse der Zauneidechsen abgestimmtes Habitat soll die Reptilien während der Bauphase des Kraftwerks schützen. Das Bild zeigt (von links): Josef Mück UIAG, Leiter der Baukolonne), Ralf Klocke (Bayerische Elektrizitätswerke), Bernd Kurus-Nägele (Kreisgeschäftsführer BUND Naturschutz) und Ulrich Müller, Vorsitzender des BUND-Regionalverbandes Donau-Iller.
Ein auf die Bedürfnisse der Zauneidechsen abgestimmtes Habitat soll die Reptilien während der Bauphase des Kraftwerks schützen. Das Bild zeigt (von links): Josef Mück UIAG, Leiter der Baukolonne), Ralf Klocke (Bayerische Elektrizitätswerke), Bernd Kurus-Nägele (Kreisgeschäftsführer BUND Naturschutz) und Ulrich Müller, Vorsitzender des BUND-Regionalverbandes Donau-Iller. © Foto: Michael Seefelder
Von Michael Seefelder 10.07.2018

Die Zauneidechse ist ein seltener Bewohner an den Waldrändern der Region geworden. Ihre Lebensräume werden zunehmend zerstört. Einige Exemplare dieses Reptils gibt es am Beginn des Wielandkanals in Au aber noch. Dort soll das bestehende Ausleitbauwerk der Untere-Iller AG (UIAG) voraussichtlich Ende 2019 zu einer Wasserkraftanlage ausgebaut werden. Dafür sind auch Eingriffe in den angrenzenden Auwald nötig, die die Zauneidechsen gefährden könnten. Um schon im Vorfeld des Kraftwerkbaus zu verhindern, dass die Tiere Schaden nehmen, haben die UIAG, der Bund Naturschutz und der BUND Baden-Württemberg neue Rückzugsräume für Amphibien, Reptilien und Fische geschaffen. Ein erstes Habitat für Eidechsen, aber auch für Ringelnattern oder Blindschleichen ist gestern im Beisein der Bürgermeister Jürgen Eisen (Illertissen) und Wolfgang Höß (Altenstadt) von Vertretern der UIAG, des Naturschutzes und der Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) vorgestellt worden.

Ein unscheinbarer Schutz

Auf den ersten Blick sieht das Gehege, dessen Errichtung 5000 Euro gekostet hat, recht unscheinbar aus. Steine, Rindenmulch, Wurzeln, Schotter und Sand bilden jedoch auf neun mal vier Metern eine genau aufeinander abgestimmte Einheit. Sie bietet den Zauneidechsen idealen Unterschlupf und schützt sie vor Fressfeinden. Wie Ulrich Müller aus Dietenheim, Mitglied im BUND-Landesvorstand Baden-Württemberg, erklärte, mache der besondere Schutzstatus der Tiere die ökologische Ausgleichsmaßnahme erforderlich.

Und noch zwei weitere Biotope sind in der näheren Umgebung des Ausleitbauwerks geplant: eines für Reptilien und ein Tümpel, in dem unter anderen Frösche und Molche eine Heimat finden sollen. Bernd Kurus-Nägele, Kreisgeschäftsführer des Bund Naturschutz Neu-Ulm, lobte ausdrücklich das gut abgestimmte Vorgehen aller Beteiligten bei dem geplanten Kraftwerksbau. Dieser sei sinnvoll, da der Bereich ohnehin schon durch die Nutzung von Wasserkraft vorbelastet sei. Anders sei es bei dem geplanten Kraftwerk bei Dietenheim, das die Firma Fontin aus München errichten will. Dagegen klage der Bund Naturschutz.

 Auch Ideen zur künftigen Gestaltung der gesamten Unteren Iller kamen zur Sprache. Ralf Klocke, der bei den BEW für den Kraftwerksbau zuständig ist, nannte als Ziel einen Fluss in einem besseren ökologischen Zustand als heute, der für die Bürger zugänglicher und erlebbarer ist. Gemeinsam mit Partnern soll ein Maßnahmenpaket für naturnahe Ufer, Übergänge oder Zugänge zum Fluss erarbeitet werden. Geplant sei, dafür einen Förderantrag für das Leader-Programm der EU zu stellen, mit dem Maßnahmen im ländlichen Raum unterstützt werden. Der Arbeitstitel dieses Vorhabens lautet: „Themenradweg Untere Iller“. Mit den Kommunen und Landkreisen zwischen Altenstadt und Vöhringen würden derzeit Möglichkeiten für Kiesufer, bessere Zugänge zum Fluss in Form von Treppen aus Naturstein, Übergänge oder radgerechte Rastplätze ausgelotet.

Bürgermeister Wolfgang Höß verwies darauf, dass das Flussbett der Iller wieder durchgängig werden und der Naturraum attraktiver gestaltet sein müsse. Bürgermeister Jürgen Eisen sagte: „Ich bin dafür, dass die Iller zurückgebaut wird, wie sie einmal war.“ Eisen und Höß betonten außerdem, dass sie klare Gegner des geplanten Kraftwerks der Firma Fontin bei Dietenheim seien.

Strom für 1200 Haushalte

Das Kraftwerk Es ist geplant, dass am Beginn des Wielandkanals rund 40 Kubikmeter Wasser eine Turbine antreiben, die über einen Generator Strom erzeugt. Mit knapp vier Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr könnten rund 1200 Haushalte versorgt werden. Der Bau soll Ende nächsten Jahres beginnen, das Genehmigungsverfahren läuft noch. Die UIAG betreibt neben der Anlage in Au auch noch Kraftwerke in Altenstadt und Untereichen. UIAG-Eigentümer sind zu 60 Prozent die Uniper Kraftwerke GmbH und zu 40 Prozent die Bayerische Elektrizitätswerke GmbH, eine Tochterfirma der Lechwerke AG.   

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