Renovierung Sanierung der Kirche in Betlinshausen: Eine Frage der Standsicherheit

Betlinshausen / Johannes Braun 05.04.2017

Manchmal wird bei einer Instandsetzung aus einer kleinen Renovierungsarbeit eine größere Sanierungsmaßnahme, mit der man anfangs überhaupt nicht gerechnet hat. So erging es auch der Katholischen Kirchengemeinde Illertissen, die der in die Jahre gekommenen Außenfassade der alten Kirche St. Johannes Baptist in Betlinshausen einen neuen Anstrich geben lassen wollte. Gerade im oberen Bereich wirkte das Rosa am Westgiebel nicht mehr sehr frisch. Und auch die weißen Ecken hatten stärkere Verschleiß-Erscheinungen – genauso wie das Ziffernblatt der Uhr. „Um diese Malerarbeiten ausführen zu lassen, brauchten wir aber einen Standsicherheitsnachweis für die Kirche“, erläutert Kirchenpfleger Gerhard Zöh. Dadurch kamen schließlich weitere Mängel zum Vorschein.

Gerüst kommt Ende April

Für den Standsicherheitsnachweis wurde nämlich ein Statiker beauftragt, der im Dachboden der alten Kirche an einigen Stellen die Bodenplatten abnahm und dort morsche Holzbalken ausfindig machte. Gravierend sei laut Zöh dabei die so genannte Fußpfette an der äußeren Längsseite. So bestehe laut Statiker die Gefahr, dass sich das Dachgebälk weiter nach außen neige. Darüber hinaus müssten aber auch einige Balken im Dachstuhl ausgetauscht werden.

So wird die ehemalige Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1774 St. Johannes Baptist Ende April eingerüstet und anschließend abschnittsweise instand gesetzt. Zudem werde das Dach Stück für Stück abgedeckt, um die morschen Balken auszutauschen. „Es wird keinen komplett neuen Dachstuhl geben“, erläutert der Kirchenpfleger. Da auch im Inneren des Kirchenbaus kleinere Risse zu sehen sind, werden diese nach Abschluss der Sanierung von einem speziellen Kirchenrestaurator übermalt. „Aber nur an den Stellen, wo es nötig ist“, sagt Zöh.

Gegen Ende September sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein. So sind die Maler-, Gerüstbau-, Dachstuhl- und Dachdeckerarbeiten bereits alle vergeben. Die Kosten dafür belaufen sich auf 420.000 Euro. Dafür wurde im Herbst 2015 ein außerordentlicher Haushalt aufgestellt. Rund 294.000 Euro werde voraussichtlich die Diözese aus Kirchensteuermitteln tragen. 126.000 Euro muss allerdings die Kirchenstiftung selbst aufbringen. Zuschüsse zugesagt haben für diese Sanierungsarbeiten die Diözese Augsburg, die Stadt Illertissen, der Landkreis Neu-Ulm, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Bayerische Landesstiftung. Vom Bezirk Schwaben erwartet die Kirchengemeinde noch eine Zusage, während die Josef-Kränzle-Stiftung bereits eine „beachtliche Spende“ überwiesen habe. Unter dem Strich blieben voraussichtlich zwischen 40.000 und 50.000 Euro an der Kirchengemeinde hängen. So wäre eine weitere Unterstützung – auch seitens der Mitglieder der Kirchengemeinde – gerne gesehen.

Neben dem rein finanziellen Aspekt gibt es aber vor dem Beginn der eigentlichen Sanierungsarbeiten noch einiges zu tun. Kirchenpfleger Gerhard Zöh wird sich darum kümmern, alle Gegenstände wie alte Fensterscheiben, Rahmen, Bilder und Stühle auf dem Dachboden so zu verstauen, dass die Arbeiten ohne Komplikationen ausgeführt werden können. „Glücklicherweise haben wir ein Lager, wo wir die meisten Sachen unterbringen können“, blickt Zöh dieser Aufgabe optimistisch entgegen.

Die alte Kirche in Teilzeit-Nutzung

Im Jahr 1774 ist die alte Kirche St. Johannes Baptist in Betlinshausen erbaut worden und war in früheren Jahren eine Wallfahrtskirche. Im Jahr 1981  wurde der Neubau mit direktem Zugang angebaut. Da die alte Kirche keine Heizung hat, wird sie derzeit vor allem in Teilzeit genutzt – von Mai bis Oktober für die Donnerstags-Gottesdienste, die Maiandacht oder auch so manche Trauung. job