Thalfingen Einblicke in den Pflegealltag

Yujin Li, Geschäftsführerin der ökumenischen Sozialstation Elchingen und des Pflegeheims Haus Tobit, erklärte den Gästen aus China, wie die Pflege in Deutschland organisiert ist. Foto: Barbara Hinzpeter
Yujin Li, Geschäftsführerin der ökumenischen Sozialstation Elchingen und des Pflegeheims Haus Tobit, erklärte den Gästen aus China, wie die Pflege in Deutschland organisiert ist. Foto: Barbara Hinzpeter
Thalfingen / BARBARA HINZPETER 13.11.2012
Wie sieht der Alltag in einem deutschen Pflegeheim aus? Darüber informierten sich Experten aus China im Haus Tobit in Thalfingen. Geschäftsführerin Yujin Li ist eine gefragte Gesprächspartnerin.

Es ist kein Zufall, dass eine chinesische Delegation bei ihrer Rundreise durch Baden-Württemberg und Bayern auch in Neu-Ulm und in Thalfingen Station machte. Seit August ist die Chinesin Yujin Li Geschäftsführerin der ökumenischen Sozialstation Elchingen und des Pflegeheims Haus Tobit. Als Expertin ist sie gefragt beim Austausch zwischen China und Deutschland. In dieser Rolle begleitete sie die Gruppe, der Professoren und Regierungsberater - darunter der Vizepräsident der Akademie für Sozialwissenschaften in Peking - sowie Vertreter für Auslandsbeziehungen angehörten.

In Fachgesprächen ging es auch um die Kooperation zwischen chinesischen und deutschen Hochschulen, unter anderem an der Hochschule Neu-Ulm. "Da sind wir einen guten Schritt weiter gekommen", sagte Yujin Li, die selbst in Neu-Ulm studiert hat. Den Gästen ging es nicht nur um Theorie, sondern auch um Einblicke in die Praxis. Die bekamen sie unter anderem im Haus Tobit, wo sie von Bürgermeister Joachim Eisenkolb und Walter Waschke, dem Vorsitzenden der Ökumenischen Sozialstation, begrüßt wurden. Die Fachleute aus dem Reich der Mitte interessierten sich für den Pflegealltag und dafür, wie er finanziert wird.

China stehe vor einer riesigen Herausforderung, erklärte Yujin Li: Die Gesellschaft überaltere rasant. Schon heute sei mehr als jeder zehnte Chinese älter als 65, bis zum Jahr 2050 wächst ihre Zahl auf 404 Millionen bei 1,3 Milliarden Einwohnern. Die Tradition, dass die junge Generation für die Älteren sorgt, lasse sich in der Ein-Kind-Familie kaum aufrechterhalten. Zwar gebe es auch in China mittlerweile Altenheime. Doch nur wenige könnten sich einen Platz dort leisten, da ein Pflegeversicherungssystem fehlt und die meisten Renten zu niedrig seien. Thematisiert wurde auch die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements in deutschen Pflegeeinrichtungen.

Die Delegation war beeindruckt vom Wirken des Initiativkreises, der im Haus Tobit zusätzlich zur Arbeit des Pflegepersonals einen Beitrag leistet für das Wohlbefinden der 44 Bewohnerinnen und Bewohner - unter anderem mit Sing- oder Bastelrunden - und mit jahreszeitlicher Dekoration zur Atmosphäre im Haus beiträgt.

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