An den Wänden Werbetafeln aus Metall für irisches Bier und ein Plakat der Dubliners, auf den Fenstersimsen irischer Whiskey, von Tullamore Dew bis Bowmore Islay Single Malt. Dunkle Möbel, dazu eine Feuerstelle: Das „Fiddler’s Green“ im Pfaffenhofener Ortsteil Volkertshofen ähnelt einem typischen irischen Pub irgendwo zwischen Dublin und Killarney bis aufs Haar. Sogar die grün lackierte Hausfassade aus Holz ist einer echten irischen Kneipe nachgebaut – bis auf die Markenzeichen einer großen Ulmer und einer Münchner Brauerei über dem Eingang.

Irland, die Lebensart und Musik der Insel, das ist für den Inhaber des „Fiddler’s Green“, Jens Hagg, mehr als ein Geschäftsmodell. Für ihn und seine Familie ist es die Gelegenheit, Beruf und Musikleidenschaft zu verbinden. Seit elf Jahren hat die Familie damit Erfolg und lockt inzwischen Künstler und Gäste aus dem weiten Umkreis nach Pfaffenhofen. Es geht ihnen nicht nur um die Atmosphäre im Pub, sondern auch um die Livemusik.

Über seinen Vater, einen Irish Folk-Musiker und Irland-Fan, hat Jens Hagg seit seiner Kindheit einen Bezug zur grünen Insel und ihrer Musik. Den Sprung in die Gastronomie wagte der gelernte Tonmeister, als in Pfaffenhofen die letzte Dorfkneipe schloss. In den Garten des Elternhauses baute er das „Fiddler’s Green“ und erntete anfangs vor allem besorgte Kommentare: „Das funktioniert nie.“ Doch das Konzept des heute 38-Jährigen ging auf: Über die Jahre wurde das Pub mehrfach erweitert und ist inzwischen Stammkneipe für die Einheimischen und Veranstaltungsort für Konzerte namhafter Musiker.

Die Verbindungen des Vaters zur Musikszene hätten beim Einstieg geholfen, so Jens Hagg. „Er ist früher viel auf Sessions gefahren und kennt eine Menge Leute.“ Dazu kamen Haggs eigene Kontakte, die er als Tontechniker und Inhaber eines Tonstudios hat. Mit einzelnen Live-Auftritten habe alles angefangen, erinnert er sich: „Ich wollte regionalen Bands eine Möglichkeit bieten aufzutreten. Es gibt ja nicht viele Lokale, in denen das geht.“ Inzwischen ist das „Fiddler’s Green“ als Location so beliebt, dass sich Hagg für sein Vierteljahresprogramm die Künstler aus über hundert Interessenten aussuchen kann.

Fast jeden Samstag gibt es ein Live-Konzert, dazu zweimal im Monat eine Irish-Folk-Session. Um den Künstlern optimale Bedingungen zu bieten, hat Hagg einen Bühnenbereich mit moderner Tontechnik gestaltet und kümmert sich persönlich um jeden einzelnen, der bei ihm auftritt. „Die Technik, den Kontakt zu den Musikern, ich mach alles selbst.“ Dass sich die gute Betreuung auszahlt, sieht man an den Namen auf dem Programmflyer: Henning Wehland, Frontmann der HBlockx und Mitglied der „Söhne Mannheims“, stand im Fiddler’s Green auf der Bühne. Am heutigen Samstag treten Gospel-Queen Siyou und Hellmut Hattler im Pub auf. Und natürlich steht der Chef selbst mit seinen Bands The Cash und AXEperience auf der Bühne der Kneipe. Trotz des guten Rufs über die Region hinaus ist das Irish Pub ein Familienunternehmen geblieben. Haggs Schwester hilft bei der Büroarbeit, sein Vater macht die Buchhaltung, seine Mutter ist fast täglich in der Küche. Anders möchte es Hagg auch nicht haben. Er denkt nicht daran, ein zweites Lokal zu eröffnen: „Lieber mache ich das hier gescheit und habe mein ganz eigenes Paradies.“

Ideen hat der Pfaffenhofener genug: Den Sonntag hat er zum Burger-Tag gemacht und so viele Familien als Gäste gewonnen. „Das ist super, das ist so wie in Irland.“ Er bietet regelmäßig Whiskey-Tastings an und testet gerade verschiedene Varianten eines Whiskey- und Guinness-Eisbechers, der zum Start der Biergartensaison auf der Speisekarte stehen soll. Die Live-Konzerte schneidet er seit einigen Wochen auf Video mit und stellt sie auf Youtube und Facebook. „Das möchte ich ausbauen und bei jedem Konzert machen.“ Und trotzdem, betont Hagg, solle das Pub bleiben, was es ist: Für die einen die gemütliche Dorfkneipe und für andere eine Konzert-Location oder einfach nur ein Stück Irland im Kreis Neu-Ulm.