Seit elf Jahren verwandelt sich die Anlage des Roggenburger Klosters in einer Osterferienwoche in einen Hort der Kreativität und der jugendlichen Begeisterung. Inzwischen hat die vom Bildungszentrum des Klosters und vom Weißenhorner Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium getragene Akademie einen Ruf, der in alle Regierungsbezirke und bis ins bayerische Kultusministerium dringt. Kein Wunder also, dass trotz der Rekord-Teilnehmerzahl von 146 Schülern rund 100 kunstbegeisterte Jugendliche nicht dabei sein konnten, weil die Kapazitäten der Ferienakademie erschöpft sind. "Die Begeisterung ist gigantisch, der Run auf die Teilnehmerplätze ungebrochen", freut sich Pater Roman Löschinger, der Leiter des Bildungszentrums.

Der "Geist von Roggenburg", die Aussicht auf ein Arbeiten mit Gleichgesinnten und ganz neue künstlerische Erfahrungen sind es, was Jugendliche wie Dozenten nach Roggenburg zieht. Über die Jahre sind aus manchen Teilnehmern Dozenten geworden, etwa aus dem Sänger und Songwriter Timo Weinkirn - oder aus dem Duo Bianca Kennedy und Felix Kraus, das mit Animationsfilmen und Papierprägearbeiten in der internationalen Kunstszene bekannt ist. Dabei achten die Organisatoren der Akademie darauf, immer wieder andere Kunstschaffende einzuladen. Schließlich gehe es in der Ferienakademie um "neue Impulse" und "neue Erfahrungen", sagt Roman Löschinger.

Mit dabei ist heuer Barbara Steinitz mit ihrem Papiertheater-Workshop. Ihre Schüler erfinden in der Woche Geschichten, setzen sie in kleinen Gruppen in selbst gebauten Kulissen mit selbst gezeichneten Figuren um. "Richtig cool" sei das und mal was ganz Neues, findet Melissa Stephan (17), die aus der Nähe von Gunzenhausen kommt. Sie mache viel mit Kunst und sei heuer zum zweiten Mal nach Roggenburg gekommen: "Es ist unglaublich toll hier. Man lernt so viele interessante Menschen kennen", sagt Melissa.

In der Turnhalle der Roggenburger Schule arbeitet Theatermacher Peter Baer mit Schülern an "Hamlet und Ophelia". Er gebe den Jugendlichen nur ein Gerüst, lasse sie dieses aber selbst füllen, sagt er. Und tatsächlich: Die Schüler bitten ihren Dozenten auch mal kurz vor die Tür, weil sie selbstständig etwas ausprobieren, ihn mit dem Ergebnis überraschen wollen. Der Eifer überrascht den Kunstprofi nicht: "Hier sind ganz viele junge Leute zusammen, die für die Kunst brennen."

Weil alle Akademieteilnehmer in Roggenburg übernachten, arbeiten viele bis in die Nacht an ihrem Projekt. Daniel Beiter von der Medienfachberatung Schwaben erzählt von einem spätabendlichen Treffen von Tänzern, Sängern, Malern, Filmemachern: Die Maler statteten die Tänzer mit reflektierenden Farbelementen aus, schickten sie vor die Kamera der Filmemacher. Für Hintergrundgeräusche sorgten die Sänger. Andere drehten bis in die Nacht an ihrem Film über Internetsucht oder bastelten mit gefärbtem Reis, Kaffeebohnen, Spaghetti an der Kulisse ihres Stop-Motion-Films. Alles soll möglichst perfekt sein, wenn die Ferienakademie heute endet und die Teilnehmer ihre Projekte und Kunstwerke von 15 bis 17 Uhr öffentlich präsentieren. Den Organisatoren geht es derweil gar nicht in erster Linie um das Ergebnis, meint Roman Löschinger: "Viel wichtiger ist doch der Prozess, dass die jungen Leute sich begeistern ließen und in ihrer Persönlichkeit einen Sprung gemacht haben."

Info Die Begleitausstellung zur Akademie, "Kunst Ur-Sprung", zeigt bis 5. Juni Werke der bildenden Künstler Esther Hagenmaier, Barbara Steinitz, Anina Stolz, Bianca Kennedy und Felix Kraus. Sie wird ab Samstag durch Schülerarbeiten ergänzt. Die Ausstellung ist donnerstags bis samstags von14 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet.