Bildung Ein Förderer liberaler Wertvorstellungen

Johannes Ebert hat einen Vortrag in der Schule gehalten.
Johannes Ebert hat einen Vortrag in der Schule gehalten. © Foto: Thomas Vogel
Vöhringen / Thomas Vogel 14.07.2018

Es war ein Wiedersehen mit früheren Lehrern, aber zugleich auch eine Lehrstunde für die Elftklässler des Illertal-Gymnasiums über die auswärtige Kulturpolitik. Johannes Ebert (54), Generalsekretär des Goethe-Instituts, nutzte die Gelegenheit seines auf Einladung des Schul-Freundeskreises zustande gekommenen Vortrags zu einem Appell für europäisches Denken und gegen Populismus.

Freiräume für Dialog

Wie Ebert ausführte, gehöre es zum Selbstverständnis der Arbeit seiner Einrichtung, durch Kooperationen die europäische Integration zu stärken oder aber, wo keine demokratischen Verhältnisse herrschen, Freiräume für den Dialog einzurichten. Die weltweit 160 Institute, die in 98 Ländern vertreten sind, agierten zwar im staatlichen Auftrag, seien inhaltlich aber weitgehend unabhängig. Plakatiert nach außen dadurch, dass das Goethe-Institut ein eingetragener Verein ist.

Sprachkurse stellen einen wichtigen Teil von dessen Arbeit dar, aber längst nicht den einzigen. Ihr gleichzeitiger Auftrag sei es, Plattformen anzubieten „für Treffs und Austausch, auch über kritische Themen, um so nach Möglichkeit eine Verständigung zwischen unterschiedlichen Gesellschaften zu erreichen“. Für Ebert sind die Mittel der Kunst, des kritischen Diskurses und der konstruktiven Auseinandersetzung die Einfallstore, die mit der deutschen Kultur verknüpften liberalen Wertvorstellungen zu kommunizieren.

Gewiss kein Zufall ist es daher, dass das nächste so genannte „Deutschland-Jahr“ in den USA stattfinde, und dort gerade nicht in den liberalen Großstädten an den Küsten, sondern bewusst im „mittleren Westen“.

Der Vöhringer, hat es sich zum Auftrag gemacht, „die Kenntnis von anderen Gesellschaften und Kulturen zu vertiefen“. Es sei ein Schüleraustausch gewesen, der ihn im Alter von 13 Jahren auf diese Spur führte. Angeregt durch die Einladung nach Algerien studierte er später Islamwissenschaft. Sein Abitur aber hatte er, weil das an der damals noch jungen Schule nicht möglich war, 1982 am Nikolaus-Kopernikus­-Gymnasium in Weißenhorn abgelegt. 1995 leitete er erstmals ein Goethe-Institut, in Riga. Es folgten mehrjährige Etappen in gleicher Position in Kiew, Kairo und Moskau. Heute Chef von weltweit 3500 Mitarbeitern, ermunterte Ebert die anwesenden Schüler, ebenfalls Auslandserfahrungen zu sammeln und legte gleich noch eine Möglichkeit dazu dar: „Man kann Praktika bei uns machen.“

Auch kein Musterschüler

Ein Musterschüler war Ebert übrigens nicht in jedem Fall. In den autobiographischen Teil seines Vortrags flocht er die Bemerkung aus seinem Zeugnis der 10. Klasse ein, worin ihm „unangemessenes Verhalten“ bescheinigt wurde. Ebert ist jedoch nicht nur zur Selbstironie fähig, sondern hat auch nach wie vor den charakteristischen Vöhringer Zungenschlag im Sprachenrepertoire – Welterfahrung hin oder her.

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