Natur Eichenprozessionsspinner: Ein Baum macht Ärger

Ein Schild warnt vor der Gefahr: Der Eichenprozessionsspinner tummelt sich auf der Eiche vor dem Grundstück der Familie Hornung. Carolin Hornungs Kinder Jonas (von links), Alisa und Jannik haben wegen der Brennhaare der Raupen Ausschlag bekommen.
Ein Schild warnt vor der Gefahr: Der Eichenprozessionsspinner tummelt sich auf der Eiche vor dem Grundstück der Familie Hornung. Carolin Hornungs Kinder Jonas (von links), Alisa und Jannik haben wegen der Brennhaare der Raupen Ausschlag bekommen. © Foto: Matthias Kessler
Pfaffenhofen / Pia Reiser 13.06.2018
Über Carolin Hornungs Grundstück ragt eine Eiche voller gefährlicher Raupen. Sie fordert, den Baum zu fällen, doch die Gemeinde zögert.

Seit sieben Jahren hat Carolin Hornung aus Pfaffenhofen Ärger mit dem Eichenprozessionsspinner. Die Raupen des Nachtfalters tummeln sich auf einer Eiche, die bei ihr an der Grundstücksgrenze steht und mit der Krone über Garten und Hofeinfahrt ragt.

Weil der Baum aber auf dem Grund der Marktgemeinde Pfaffenhofen steht, ist diese auch für die Beseitigung der Raupen mit den giftigen Härchen zuständig. Bisher ließ die Kommune die Raupen jedes Jahr absaugen. Doch verschwunden sind die Tiere nicht, sondern kamen immer wieder. Nun fordert Carolin Hornung, dass der Baum gefällt wird.

Mit dem Eichenprozessionsspinner ist es in diesem Jahr besonders schlimm, erzählt die 36-Jährige. Ihre Tochter habe im vergangenen Jahr das erste Mal Ausschlag von den giftigen Brennhaaren der Raupen bekommen. „Jetzt haben meine Kinder Ausschläge am ganzen Körper, mein Ältester hat sogar Asthma entwickelt.“ Die ganze Familie schlucke seit April Cortison, um die Ausschläge zu bekämpfen. Den Teil des Gartens, den die Eiche überragt, versuchen sie zu meiden. Für Carolin Hornung keine dauerhafte Lösung: „Wir wohnen auf dem Land, damit die Kinder die Freiheit genießen können, nicht damit sie den ganzen Tag in der Bude sitzen.“

Die Marktgemeinde lässt inzwischen jede Woche die Raupen aus dem Baum vor dem Haus der Familie absaugen. Seit dem Frühjahr versucht sie es laut Bürgermeister Josef Walz auch mit einem vom Landratsamt empfohlenen Mittel. Dreimal wurde bisher gespritzt, doch es ist nicht ganz sicher, ob das Mittel auch die erhoffte Wirkung erzielt.

Für Carolin Hornung ist klar: „Das Mittel hat keine Wirkung gezeigt.“ Sie habe beobachtet, wie sich die Raupen trotzdem weiter häuteten und wuchsen. Laut dem Bürgermeister könnte es aber auch sein, dass das Absaugen der Raupen schneller ging als das Mittel wirkte. Denn um zu sterben, müssen die Raupen die Blätter des Baumes fressen.

Absaugen und spritzen reicht Carolin Hornung nun aber nicht mehr aus. „Bei jedem Regen oder Sturm hab’ ich Angst, dass die Raupen auf den Boden fallen“, sagt sie. Die Fenster auf der der Eiche zugewandten Seite öffne sie gar nicht mehr, damit die Brennhaare nicht vom Wind ins Haus geblasen werden. Sie fordert, dass der Baum gefällt wird. „Es steht nicht in Frage, dass man viel versucht hat. Aber es bringt halt nichts.“ Die 36-Jährige hat einen Anwalt eingeschaltet, der die Gemeinde zu einer Stellungnahme aufgefordert hat.

„Nicht alles, wie es der Anwalt in dem Schreiben darstellt, trifft so zu. Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter“, sagt Bürgermeister Walz. Man stehe im engen Kontakt mit Familie Hornung und reagiere, sobald wieder ein Raupennest auf dem Baum auftaucht. Die Marktgemeinde hat ebenfalls einen Anwalt eingeschaltet, der die Stellungnahme verfasst und in diesen Tagen abschickt.

Ob die Eiche nun gefällt wird, ist laut Josef Walz eine Abwägungssache. „Die Gesundheit der Anwohner ist das höchste Gut“, betont er. Aber wenn das Landratsamt signalisiere, man könne den Eichenprozessionsspinner mit einem Mittel bekämpfen, wolle man das auch versuchen. Es sei ein über 100 Jahre alter, ortsbildprägender Baum, der dann abgesägt würde: „Wenn der weg ist, ist er weg.“

Schilder aufgestellt

Einen Schnellschuss in dieser Sache wird es  nicht geben – der Bürgermeister will nun abwarten, was die Anwälte untereinander aushandeln. Ob es in der Sache gar zu einer Gerichtsentscheidung kommt, weiß Walz nicht. Auf jeden Fall aber wird sich der Gemeinderat in Pfaffenhofen nochmal mit dem Eichenprozessionsspinner vor dem Haus der Hornungs befassen.

Dort hat die Gemeinde nun auch Schilder aufgestellt, die vor der Raupe warnen. Eigentlich hätten sie schon früher stehen sollen. „Das war ein Versäumnis, das geb’ ich offen zu“, sagt Walz. Die Familie und die Nachbarschaft wüssten zwar auch ohne die Schilder von den Raupen. Doch nun sei die Gemeinde ihrer Verpflichtung nachgekommen.

Senden wird die Raupen nicht los

Sperrungen In der vergangenen Woche waren die Eichenprozessionsspinner in Senden an mehreren Stellen bekämpft worden. Nun sind weitere Raupen entdeckt worden, es gibt neue Sperrungen. Diese betreffen laut einer Mitteilung folgende Bereiche: Der Sportplatz der TSG Oberkirchberg, der Radweg rechts der Iller in Richtung Neu-Ulm, Alte Spinnerei bis Brücke Ausee, Freudenegg in Richtung Neu-Ulm, in Witzighausen im Bereich des Hochbehälters und der Fliederweg im Bereich Bahnstrecke.

Gefahr Die Brennhaare der Raupen können Pusteln und Rötungen mit Juckreiz verursachen und beim Einatmen zu
Asthma und Husten führen. Es wird dringend davon abgeraten, die Raupen zu berühren oder selbst beseitigen zu wollen.

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