Gastronomie Ein alter Schulbus wird zum Foodtruck

„Old Peggy Sue“: So haben Robert Senzel und Kathrin Köhler ihren Foodtruck getauft.
„Old Peggy Sue“: So haben Robert Senzel und Kathrin Köhler ihren Foodtruck getauft. © Foto: Bianca Frieß
Tiefenbach / Bianca Frieß 11.10.2018

Früher hat er Kinder in den USA zur Schule transportiert, bald fungiert er als rollende Burger-Bude: Robert Senzel und seine Lebensgefährtin Kathrin Köhler, die ehemaligen Betreiber des „Köhler’s“ in Illertissen, haben einen alten amerikanischen Schulbus zum Foodtruck umgebaut. Gerade sind sie in den letzten Zügen, am kommenden Montag geht es los – dann soll der mobile Imbiss auf dem Parkplatz des Supermarkts Metro in Neu-Ulm stehen. „Wir freuen uns jeden Tag mehr darauf“, sagt Senzel.

Konflikte mit Verpächter

Die Küche im „Köhler’s“ bleibt derweil kalt. Am Sonntag haben die beiden Tiefenbacher nach gut anderthalb Jahren ihren Schlüssel abgegeben. Genaues möchten sie zu den Gründen gar nicht sagen, nur so viel: Es habe in den vergangenen Monaten immer wieder Konflikte mit dem Verpächter gegeben. „Wir haben dann die Reißleine gezogen, wollten so schnell wie möglich raus“, erzählt Köhler. Außerdem werde es immer schwieriger, ein Restaurant zu halten. In den vergangenen Monaten mussten auch einige andere Gaststätten in der Region schließen, etwa die Illertisser Krone (wir berichteten). Die Gründe: Personalnot, sinkende Gästezahlen. „Essen auf Rädern ist dagegen immer mehr im Kommen“, sagt die 31-Jährige.

Deshalb setzen die Tiefenbacher nun also auf „Old Peggy Sue“, wie sie ihren alten Bus getauft haben. Das Angebot soll sich an dem orientieren, was sich auch schon in ihrem Restaurant etabliert hat: Hamburger, Hotdogs, Currywurst. „Wir bleiben auf der amerikanischen Schiene“, sagt Köhler. Dazu kommen Meat Pies, das sind herzhafte Kuchen mit Fleischfüllung. „Das gibt es hier noch so gut wie gar nicht“, sagt Koch Senzel, der seit 21 Jahren in der Gastronomie arbeitet.

Bis Frühjahr 2019 soll „Old Peggy Sue“ zunächst von Montag bis Samstag in Neu-Ulm stehen. Dann möchten die Betreiber auch andere feste Standorte anfahren: etwa Industriegebiete in Ulm, Memmingen oder Senden. Außerdem soll der Foodtruck auch für den Catering-Service des Paars zum Einsatz kommen (siehe Infokasten).

Der Bus ist älter als seine neuen Besitzer, er wurde 1976 in den USA gebaut. Eine Firma aus Niedersachsen holte ihn in den 90er Jahren nach Deutschland, um ihn für Werbezwecke zu nutzen. Zuletzt gehörte das Fahrzeug einem Mann aus Hamburg, dem Senzel und Köhler es schließlich für 6500 Euro abgekauft haben. Im Sommer wollten sie den Bus abholen – weit kamen sie allerdings nicht: Nach acht Kilometern auf der Autobahn versagte der Motor. „Aber die Option, unseren Traum aufzugeben, gab es einfach nicht“, sagt Senzel.

Der Bus wurde nach Tiefenbach geschleppt. Und dort von Grund auf renoviert. „Damit technisch alles auf der Höhe der Zeit ist“, betont der 37-Jährige. Mit Unterstützung von guten Freunden und Verwandten hat das Paar einen neuen Motor eingebaut, die komplette Elektronik erneuert. Die Decke wurde frisch lackiert, ein neuer Boden verlegt. Außerdem wurden natürlich viele Küchengeräte installiert: ein Herd, Fritteusen, ein Kühlschrank. „Inzwischen haben wir locker nochmal so viel Geld reingesteckt, wie uns der Bus anfangs gekostet hat“, erzählt Köhler. „Und das ohne die vielen Arbeitsstunden.“

Besonders in den vergangenen vier Wochen, der Endphase, haben die beiden zusammen mit ihren Freunden jeden Tag bis in die Nacht hinein an ihrem Foodtruck gewerkelt. Dabei gibt es noch immer einiges zu tun: Im Inneren fehlen noch ein paar Verkleidungen, erst ganz zum Schluss soll der Fahrersitz eingebaut werden. Und dann muss der Bus diese Woche natürlich noch vom TÜV abgesegnet werden. „Das wird schon knapp“, sagt Senzel. „Aber wir schaffen das.“

Catering-Service läuft schon

Standbein Als zweites Standbein betreiben Kathrin Köhler und Robert Senzel einen Event-Catering-Service: „Kate’s & Rob’s“. Sie kochen und liefern verschiedene Menüs und Buffets für Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeiern oder Geburtstage.

Geschäft Das Geschäft läuft schon. „Da haben wir schon mehr zu tun, als gedacht“, sagt Köhler. „Wir haben schon Anfragen bis Juli 2019.“ Zurzeit müssen die beiden das Essen noch mit ihrem Auto ausliefern – ab kommendem Montag soll auch dafür der alte Schulbus „Old Peggy Sue“ zum Einsatz kommen.

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