Soziales Ehrenamtlicher Einsatz für Opfer

Vorstand des Weißen-Ring-Verbandes Bayern-Süd (von links): stellvertretende Landesvorsitzender Nicky Cebulla, Landesvorsitzender Franz J. Pabst, die stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Helgard von Hüllen sowie der stellvertretende Landesvorsitzender Manfred Hofmann.
Vorstand des Weißen-Ring-Verbandes Bayern-Süd (von links): stellvertretende Landesvorsitzender Nicky Cebulla, Landesvorsitzender Franz J. Pabst, die stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Helgard von Hüllen sowie der stellvertretende Landesvorsitzender Manfred Hofmann. © Foto: Matthias Sauter
Matthias Sauter 14.06.2018

Seit 1976 hilft der Verein Weißer Ring bundesweit Opfern von Kriminalität und Gewalt. Die Organisation, die von dem ehemaligen Fernsehmoderator Eduard Zimmermann mitgegründet wurde, leistet menschlichen Beistand und persönliche Betreuung nach Straftaten. Außerdem begleitet sie Opfer zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Deutschlandweit verfügt sie über gut 3000 ehrenamtliche Helfer, im Bezirk Bayern-Süd engagieren sich 217 Freiwillige. Ein Teil der Ehrenamtlichen hat sich kürzlich in Roggenburg mit dem Landesvorstand zur Mitgliederversammlung des Verbands Bayern-Süd getroffen.

„Wir halten die Versammlung bereits zum zweiten Mal in Roggenburg ab, weil der Klostergasthof und das Bildungszentrum schöne Räumlichkeiten dafür bieten“, sagte Landesvorsitzender Franz J. Pabst. Der 66-Jährige, seit 1978 Mitglied im Weißen Ring, berichtete von der Arbeit der 42 Außenstellen in Schwaben, Ober- und Niederbayern.

Außerdem stellte er die Ausbildungsinhalte für neue ehrenamtliche Helfer vor, die den Besuch eines Grundseminars, die Hospitation in Außenstellen und die Begleitung eines erfahrenen Mitarbeiters zu mindestens drei Opferfällen umfassen. Laut Pabst hat der Landesverband in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 1000 Opfer finanziell unterstützt. In weit mehr Fällen habe der Weiße Ring auch ohne direkte finanzielle Hilfe Betroffenen zur Seite stehen können.

Der stellvertretende Landrat Herbert Pressl ging in seiner Rede auf eine Polizeistatistik ein. So hätten sich etwa im Jahr 2016 im Landkreis Neu-Ulm 4541 Straftaten pro 100 000 Einwohner ereignet, bayernweit liege der Schnitt bei 4533 Straftaten. Bedingt durch seine relativ hohe Bevölkerungszahl und Bevölkerungsdichte sowie seine verkehrsgünstige Lage komme der Kreis Neu-Ulm im Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West hinter dem Kreis Lindau auf die zweitmeisten Straftaten pro 100 000 Einwohner.

Unverzichtbare Solidarität

„Jede Straftat ist eine zu viel, weil immer mindestens ein Mensch der Leidtragende ist“, sagte Pressl. Er bezeichnete das Engagement des Weißen Rings als „eminent wichtig und lobenswert“. Solidarität mit und Hilfe für Kriminalitätsopfer seien eigentlich Aufgaben für die gesamte Gesellschaft. „Weiterhin viel Kraft bei Ihrer Arbeit“ wünschte Roggenburgs Bürgermeister Mathias Stölzle den Ehrenamtlichen.

Bei den Neuwahlen bestätigten die 46 stimmberechtigten Mitglieder den Landesvorsitzenden Pabst im Amt. Er möchte in den kommenden vier Jahren das Außenstellennetz weiter ausbauen und jüngere Mitarbeiter gewinnen. Als Stellvertreter fungieren künftig Manfred Hofmann und Nicky Cebulla. Sie setzten sich in der Abstimmung gegen Anton Wolfgang Gröber durch.

Pabst dankte Gröber für dessen „jahrelange, tolle Unterstützung“. In der kommenden Amtsperiode will der Vorsitzende seine Stellvertreter noch stärker einbinden als zuvor. „Ich bin überzeugt, dass wir auch in der neuen Besetzung sehr gute Arbeit leisten werden“, sagte Pabst.

Keiner soll das Gefühl haben, vergessen zu werden

Hilfe Es geht nicht immer um Geld: Die Ehrenamtlichen des Weißen Rings hören Betroffenen oft auch einfach nur zu, besuchen diese am Krankenbett, helfen bei Behördengängen. „Opfer einer Straftat sollen das Gefühl haben, nicht vergessen worden zu sein“, heißt es auf der Webseite der Organisation. Der Verein finanziert sich unter anderem über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Bundesvorsitzende ist die ehemalige Staatsministerin Roswitha Müller-Piepenkötter aus Köln. Das Opfer-Telefon ist täglich von 7 bis 22 Uhr unter Tel. 11 60 06 erreichbar.