Verkehr Verbesserung für Bahnkunden erst mit neuen Zügen?

Manche Zugstrecken in der Region lassen zu Wünschen übrig.
Manche Zugstrecken in der Region lassen zu Wünschen übrig. © Foto: SWP Archiv
Senden/Weißenhorn / Niko Dirner 14.09.2018
Die hiesigen Strecken ins Allgäu, nach Weißenhorn und Mindelheim sind qualitativ immer noch Schlusslichter. Das soll sich aber ändern.

Regelmäßig lässt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Auftraggeber überprüfen, wie sauber die von den Vertragsunternehmern eingesetzten Fahrzeuge sind, wie gut die Fahrgast­information, wie freundlich die Zugbegleiter. Im ersten Halbjahr 2018 haben nur drei Zugstrecken die Mindestanforderungen der BEG nicht erfüllt. 26 von 29 Netzen hingegen landeten im Bonusbereich. Zu den drei Strecken im Minus zählen unverändert die hiesigen Linien – also etwa die Illertalbahn ins Allgäu oder der heuer seinen fünften Geburtstag feiernde Weißenhorner –, die wiederum alle im sogenannten „Dieselnetz Ulm Übergang“ zusammengefasst sind.

Dreckige Züge, überhitze Wagons

BEG-Sprecherin Agnieszka Urban plädiert für eine differenzierte Betrachtung des Rankings. Zwar habe das „D-Netz Ulm Übergang“ im ersten Halbjahr 2018 mit -0,70 Punkten den Bonusbereich knapp verfehlt. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Punktzahl aber um 4,19 Punkte verbessert. Auch ein Sprecher der Bahn – die DB Regio AG ist zuständig für das „Dieselnetz Ulm Übergang“ – steht zum „leicht negativen Wert“ in der Halbjahresstatistik 2018. Er verweist aber ebenfalls darauf, das sich das Ergebnis im Qualitäts-Messsystem „absolut gesehen“ seit Dezember 2016 „signifikant verbessert“ habe.

Zu den von Testern ausgemachten „deutlichen Mängeln“ zählen laut BEG: außen zu dreckige Züge, verkratzte Scheiben sowie überhitzte, nicht klimatisierte Fahrzeuge. Befragte Fahrgäste, deren Bewertungen ebenfalls ins Ranking einfließen, monierten ungeputzte Klos sowie eine fehlende „Kundenorientierung bei Beschwerden“.

Kritisiert worden sei auch, ergänzt der Bahn-Sprecher, dass „einzelne Fahrzeuge“ nicht einwandfrei funktioniert hätten. „Hier arbeitet das Flottenmanagement intensiv an einer Verbesserung.“ Die BEG hat die DB Regio auch aufgefordert, aufzuzeigen, wie die bestehenden Mängel behoben werden sollen. Die Pünktlichkeit wird im Ranking nicht berücksichtigt. Hier läuft auch nicht immer alles rund.

Warten auf das Jahr 2020

Einen Durchbruch in der Qualität, also „spürbare Verbesserungen“ für die Kunden etwa bei der Sauberkeit, erwartet der Bahn-Sprecher zum Dezember 2020. Dann werden statt der derzeit rollenden Gebrauchtfahrzeuge nur neue Dieseltriebwagen eingesetzt (siehe Info-Kasten).

Der Bahn-Sprecher benennt auch Pluspunkte: „Vor allem das Verhalten der Zugbegleiter und die Fahrgastinformation werden positiv bewertet.“ Nun aber muss die DB Regio erstmal Strafzahlungen an die BEG leisten.

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Kissinger Stern aus Unterfranken ist top

Ranking Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) plant, finanziert und kontrolliert den Schienenpersonennahverkehr im Freistaat. Halbjährlich bewerten Tester und Fahrgäste die Qualität der Züge. Angeführt wird das jüngste Ranking vom Netz „Kissinger Stern“. Es folgen „Oberpfalzbahn/Waldbahn“ sowie „Agilis-Nord“. Im Minusbereich liegen „D-Netz Ulm Übergang“, „Alex Nord und Süd“ sowie „Regio Franken“. „Ulm Übergang“ umfasst die Strecken Ulm–Memmingen, Ulm–Senden–Weißenhorn sowie Ulm–Günzburg–Mindelheim.

Verträge Der von 2016 bis 2020 laufende Übergangsvertrag mit der DB endet, wenn die Strecke Gel­ten­dorf–Lindau elektrifiziert ist. Der Folgevertrag, den sich auch die Bahn gesichert hat, läuft von Dezember 2020 bis 2032. Eingesetzt werden dann fabrikneue Coradia Lint-Regionalzüge. Langfristig wollen Bayern und Baden-Württemberg das Bahnangebot im Raum Donau-Iller ausbauen. Die Illertalbahn soll „vorrangig“ elektrifiziert werden.

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