Energie Sparziele verfehlt, Klimaschutz gestärkt

Nirgendwo  verbraucht die Stadt Senden mehr Wasser als in ihrem Hallenbad. Dort wird kräftig investiert, um Wasser zu sparen. Für mache an der falschen Stelle: Aus den Duschen käme nur ein schlappes Rinnsal wurde kritisiert.
Nirgendwo  verbraucht die Stadt Senden mehr Wasser als in ihrem Hallenbad. Dort wird kräftig investiert, um Wasser zu sparen. Für mache an der falschen Stelle: Aus den Duschen käme nur ein schlappes Rinnsal wurde kritisiert. © Foto: Matthias Kessler
Senden / Thomas Vogel 29.12.2017
Senden hat seine Sparziele beim Strom-, Wasser- und Wärmeverbrauch verfehlt – und dennoch den Klimaschutz gestärkt.

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Einerseits konnte in den städtischen Gebäuden der Verbrauch von Strom, Wasser und Wärme deutlich gesenkt werden. Anderseits wurden die Einsparziele noch in jedem Jahr seit 2011 deutlich verfehlt. Seit 2011 sind Bürgerhaus, Rathaus, Schulen und Hallen, Hallenbad und Eislaufanlage wie sämtliche 29 Großimmobilien im städtischen Besitz ins Energieeinspar-Contracting eingespannt.

Ein Contractor nimmt dabei die technischen Anlagen unter seine Fittiche. Er hat fest definierte Einsparziele zu erfüllen, darf den Einsparbetrag während der Vertragsdauer – also noch bis 2024 – einbehalten, muss daraus aber die nötigen Investitionen in die Modernisierung oder Umrüstung finanzieren. Wird mehr als vereinbart eingespart, teilen sich Contractor und Kommune den Überschuss.

Von diesem Ziel aber ist man in Senden noch ein Stück weit entfernt. Der Wärmeverbrauch sank laut Energiebericht zwar um 28 Prozent, Ziel sind aber 33 Prozent. Ähnlich beim Strom: 19 Prozent geschafft, 22 Prozent vereinbart. Beim Wasser klafft die Lücke (19 statt 46 Prozent) besonders weit auseinander.

Verfehlt wurde in Folge auch das Einsparziel bei den Kosten. Laut Bericht wurden nur 86 Prozent erreicht. Die Messlatte liegt hier bei rund 400 000 Euro, um welche die Gesamtrechnung zur Referenzgröße (1,4 Millionen Euro) sinken soll. „Durch laufende Optimierung und gezielte Zusatzmaßnahmen versucht der Contractor die Effizienz weiter zu steigern, um das Einsparziel zu erreichen“, heißt es darin weiter.

Gründe höchst unterschiedlich

Die Gründe für das Verfehlen der Zielvorgaben sind höchst unterschiedlich, und nicht in jedem Fall hat sie die Firma Caverion als Contracor in der Hand. So ist der Stromverbrauch der Schulen weitgehend gleich geblieben –  Einsparungen auf der einen Seite werden auf der anderen durch mehr technische Geräte und den Ganztagsbetrieb zunichte gemacht.

Konnte der Gesamtwärmeverbrauch in den 29 Gebäuden (von jeweils 7350 Megawattstunden von 2008 bis 2010 auf zuletzt noch 5260) und der Stromverbrauch (von 3061 auf 2500 Megawattstunden) gesenkt werden, ist der Wasserverbrauch nach anfänglichem Erfolg seit 2013 sogar wieder leicht angestiegen. Im Rathaus schnellte er zum Referenzwert gar zuletzt um 400 Prozent in die Höhe. Der leckende Brunnen war’s. Das Contracting macht Ausreißer jedweder Richtung nun deutlich erkennbar.

Nach wie vor wirksam ist aber auch die direkte verbale Rückmeldung ins Rathaus. Stadtrat Rainer Strobl (CSU) führte nach einer Vorstellung des Berichts im Bauausschuss Klage darüber, dass er beim Duschen im Hallenbad sich wegen des schwachen Wasserstrahls kaum noch vom Schaum befreien könne.

In den Wassertempel, den größten Verbraucher unter den städtischen Immobilien, investierte Caverion bislang 630 000 Euro und erzielte damit eine Einsparung von 75.000 Euro bei der Jahresrechnung. So viel wie bei keinem anderen Gebäude. Die Gesamtinvestitionen in den städtischen Gebäuden belaufen sich bislang auf 2,6 Millionen Euro.

Uneingeschränkt positiv hingegen fällt die Klima-Rechnung aus: 1150 Tonnen des klimaschädlichen Gases Kohlenstoffdioxid  werden nun weniger emittiert, so viel, wie bei 100 Einfamilienhäusern anfällt.

Der Energie-Einsparer im Überblick

Unternehmen Caverion Deutschland  mit Sitz in München ist ein deutscher Anbieter für technische Gebäudeausrüstung in allen Gewerken sowie für Facility Services und Energiespar-Contracting. Die Firma beschäftigt rund 2300 Mitarbeiter,  der Jahresumsatz 2015 liegt bei rund 500 Millionen Euro. Caverion Deutschland ist eine Tochter der finnischen Caverion-Gruppe.

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