Illertissen/Neu-Ulm Drogentherapie - oder ab ins Gefängnis

Illertissen/Neu-Ulm / STEFAN CZERNIN 06.08.2013
Neun Joints am Tag, das war für eine 50-Jährige nicht ungewöhnlich. Jetzt wurde sie verurteilt. Geht sie nicht in Therapie, landet sie im Gefängnis.

Freitag, Samstag, Sonntag, Dienstag, wieder Sonntag. Eine 50-Jährige aus Illertissen hat Mitte August 2012 in der Wohnung ihres Verlobten häufig Besuch von einem Drogenhändler bekommen. Auch im Juli schaute er vorbei. Jeweils für etwa 50 Euro hat die Sozialhilfeempfängerin dabei Marihuana gekauft, offenbar für den Eigenbedarf. "Auf acht bis neun ,Tüten am Tag bin ich in guten Zeiten gekommen", erklärte sie in der Gerichtsverhandlung dem Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer. Die Polizei war dem Drogenhandel auf die Spur gekommen, die Geschäfte wurden unverblümt per Mobiltelefon über Kurzmitteilungen in die Wege geleitet.

Die dreifache Mutter ist fast schon eine alte Bekannte von Richter Mayer, ausufernder Marihuana- und Alkoholmissbrauch haben sie immer wieder straffällig werden lassen. Die Tochter sitzt ebenfalls wegen Drogengeschäften in Haft, ein Sohn durchläuft derzeit eine Suchttherapie. Zuletzt war die 50-Jährige im März 2012 von Mayer wegen Drogenhandels und Bedrohung zu einer Bewährunsstrafe verurteilt worden. Vor einigen Jahren hatte sie zudem Drogen an Jugendliche verkauft.

Die Angeklagte räumte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein. "Die spannendste Frage ist, ob noch einmal Bewährung infrage kommt", sagte Mayer. Für die Anklage war die Frage leicht zu beantworten: Nein, weil die Sozialprognose düster sei. Die Verteidigung plädierte hingegen für eine weitere Chance für die Angeklagte.

"Haben Sie etwas unternommen, um von den Drogen wegzukommen?", fragte Mayer. "Ich habe es immer wieder selbst versucht, aber ich schaffe es nicht mehr", bekam er zur Antwort. Seit Mitte Juni 2013 steht die Angeklagte jetzt im Kontakt mit der Drogenberatung Drob Inn in Illertissen, dort hat sie sich über Therapiemöglichkeiten informiert. "Sie machen es uns wahnsinnig schwer, Ihnen zu helfen", sagte Mayer. Weil die 50-Jährige immer wieder rückfällig werde.

Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer Strafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Als Druckmittel und zur Motivation: Tritt die 50-Jährige eine stationäre Therapie an, wird diese auf die Strafe angerechnet. Hält sie durch, bleibt ihr das Gefängnis wohl erspart.