Ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung standen am Ende eines Prozesses kürzlich vor dem Neu-Ulmer Schöffengericht. Verurteilt wurde ein 24-Jähriger. Dieser hatte vor drei Jahren auf der inzwischen still gelegten Darknet-Plattform „Shiny Flakes“ Drogen bestellt. Das sah das Gericht als erwiesen an. Angeklagt war der junge Mann wegen Erwerbs und Weitergabe von Drogen. 100 Gramm Amphetamin, 100 Ecstasy-Pillen und 2 Gramm Kokain waren damals an den Beschuldigten aus dem südlichen Landkreis geliefert worden. Dieser hatte 774 Euro in der Internetwährung Bitcoin dafür bezahlt.

„Sehen Sie diesen Tag als ihren zweiten Geburtstag an“, sagte Richter Thomas Mayer, der Direktor des Neu-Ulmer Amtsgerichts. Der juristische „Schuss vor den Bug“ in der Gerichtsverhandlung könnte der Beginn eines drogenfreien Lebens sein. Zumindest bestehe die Hoffnung, da der Angeklagte in Zeiten seiner Sucht genügend Selbstdisziplin gezeigt habe, um einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Die dreijährige Bewährungszeit verband das Gericht mit einigen Auflagen. So muss der 24-Jährige sich drei Mal pro Jahr einem Drogentests unterziehen und am Drogenausstiegsprogramm der Diakonie „Drob Inn“ teilnehmen. Außerdem muss der Verurteilte 2000 Euro bezahlen. Zudem soll ihm ein Bewährungshelfer Unterstützung bieten, damit der Ausstieg aus der Drogenszene gelingt.

Nach eigenen Angaben hat der Angeklagte mit 14 Jahren begonnen, leichte Drogen wie Cannabis zu konsumieren. Ab dem 17. Lebensjahr kamen Amphetamine und Ecstasy dazu, wie der Beschuldigte einräumte. Der junge Mann gestand zudem, die im Darknet gekauften Drogen auf Partys auch an Kumpels weitergegeben zu haben. Bei der Hausdurchsuchung im Februar vergangenen Jahres hatte die Polizei etwas Marihuana beschlagnahmt. Außerdem wurden bei einem Drogentest Kokainrückstände im Haar des Angeklagten festgestellt.

Staatsanwältin Gesa Samuels hatte in ihrem Plädoyer ein Jahr und drei Monate für den 24-Jährigen gefordert, Rechtsanwalt Klaus Knopf aus Illertissen auf einen minderschweren Fall plädiert. Diesem Vorschlag kam das Gericht jedoch nicht nach.