Notfall Dramatische Wasser-Rettung in Senden

Hier, am Wehr bei der alten Weberei in Senden, stürzte eine Frau ins Wasser – und wurde gerettet.
Hier, am Wehr bei der alten Weberei in Senden, stürzte eine Frau ins Wasser – und wurde gerettet. © Foto: Claudia Schäfer
Senden / Claudia Schäfer 15.02.2018
Zufälle führen dazu, dass beherzte Helfer eine 64-jährige Frau aus dem Wasser am Wehr bei der Sendener Weberei ziehen.

Eine 64-jährige Frau geht am Mittwochabend am Wehr nahe der Weberei alleine spazieren – dann geschieht das Unglück. Sie stürzt in der Dunkelheit in das nur fünf Grad kalte Wasser des Mühlbachs. Die starke Strömung des Gewässers, das im Bereich der alten Weberei zur Stromerzeugung genutzt wird, drückt die Frau in ihrer schweren Winterkleidung gegen den Rechen am Wehr. Dass ihre Hilferufe überhaupt gehört werden, ist reiner Zufall: Ein Anlieger der Mühlbachstraße geht kurz vor die Tür und hört durch das Rauschen des Wassers die Schreie, die er zuerst für die Rufe eines Kindes hält.

Eine alarmierte Polizeistreife entdeckt die 64-Jährige im Mühlbach. Gemeinsam schaffen es die beiden Polizisten, die Frau vom Wehr aus an der Hand über Wasser zu halten und zu verhindern, dass sie entkräftet von der starken Strömung unter Wasser gezogen wird und ertrinkt.

Innerhalb weniger Minuten ist ein Rettungsteam der Sendener Wasserwacht vor Ort. „Wir waren wegen eines Treffens schon am Rotkreuzhaus, konnten deshalb sehr schnell los“, sagt Wasserwacht-Jugendleiterin Annika Esser, die gemeinsam mit ihrem 47-jährigen Kollegen Frank Nicke die Frau aus dem Wasser holt.

Für die beiden war es der erste große Einsatz als Lebensretter. Auf dem kurzen Weg nach Ay hätten sie sich noch im Auto Neo­prenanzüge angezogen, berichtet die 21-jährige Esser, die bereits seit 15 Jahren bei der Wasserwacht ist: „Deshalb konnten wir sofort mit dem Rettungsbrett ins Wasser.“ Am Rechen ziehen die Wasserretter die Frau auf das Brett und damit erst einmal vorläufig in Sicherheit. Doch wegen der gefährlichen Strömung schaffen sie nicht aus eigener Kraft, ans Ufer zu gelangen. Kameraden der Feuerwehr Senden ziehen Retter und Gerettete schließlich mit einem Seil ans Ufer.­

Dort wird die Frau sofort ärztlich versorgt und mit starken Unterkühlungen in ein Krankenhaus gebracht. Wo genau und warum sie in das eiskalte Wasser stürzte, soll noch geklärt werden.

Insgesamt waren rund 30 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Wasserwacht und Rotem Kreuz bei dem rund einstündigen Einsatz vor Ort. Wasserwacht-Helfer aus Weißenhorn und Neu-Ulm, die bereits auf dem Weg nach Senden waren, wurden nicht mehr gebraucht.

Alle Beteiligten sprechen von einem Glücksfall, dass die Frau das Unglück relativ unbeschadet überlebt hat. Sie betonen die gute und reibungslose Zusammenarbeit der Rettungskräfte. Froh sind die beiden Wasserretter, die ihren guten Ausbildungsstand unter Beweis stellten. Quereinsteiger Frank Nicke, der erst seit zwei Jahren bei der Wasserwacht ist, sagt: „Ich realisiere erst mit der Zeit, was da passiert ist.“ Annika Esser bringt es auf den Punkt: „Es fühlt sich einfach gut an.“

Training für den Ernstfall

Einsätze Die Wasserwacht Senden gehört zum Roten Kreuz und hat derzeit rund 510 Mitglieder, 165 sind unter 16 Jahre alt. Die Aktiven veranstalten Schwimmkurse, sorgen im Sommer für die Sicherheit der Gäste am Waldsee und Hallenbadsee und helfen bei Notfalleinsätzen in Senden und umliegenden Orten.

Ausbildung Trainiert wird das ganze Jahr über, unter anderem im Sendener Hallenbad und auch in den Gewässern der Region. Wie wichtig es sei, den Ausbildungsstand hoch zu halten und die Retter gut auf den Ernstfall vorzubereiten, habe der jüngste Einsatz am Mühlbach gezeigt, betont Wasserwacht-Chef Alfons Sailer.