Amateurtheater Schwabenbühne: Don Camillo trifft ins Herz

Don Camillo (Josef Hutzler) zieht Peppone (Georg Strang, rechts) und Cagnola (Werner Denzel) die Ohren lang.
Don Camillo (Josef Hutzler) zieht Peppone (Georg Strang, rechts) und Cagnola (Werner Denzel) die Ohren lang. © Foto: Daniel Scheffold
Illertissen / Christa Kanand 13.08.2018

Der eine kämpft als katholischer Pfarrer um seine Schäfchen, der andere als kommunistischer Bürgermeister um seine Wähler: Don Camillo und Genosse Peppone, zwei Dickschädel  und Streithähne, zwischen denen auch die Fäuste fliegen. Das ist ein starker Stoff, ideal als Sommerabendspektakel mit allerlei Theaterzauber auf der Freilichtbühne Illertissen, wo es in Gerold Theobalts Theaterstück „Don Camillo und seine Herde“ nach Giovanni Guareschis 1953 erschienenem Roman turbulent zugeht: derb und deftig, handfest und  heiter.

Die Zugkraft der Schwabenbühne ist ungebrochen, ausverkauft war die überdachte neue Zuschauertribüne. Dort kann das spielfreudige, versierte 20-köpfige Erwachsenen-Ensemble unter viel Szenenapplaus zwischen eingespielter Orgelmusik, Italo-Pop, roten Hymnen und roter Vespa an den „Don Camillo und Peppone“-Erfolg vor fünf Jahren prima anknüpfen. Und wie damals machen die beiden Erzkomödianten Josef Hutzler in schwarzer Soutane und sein Gegenspieler Georg Strang wortgewaltig  Furore. Das Open-Air-Areal wird zur italienischen Piazza, politisch korrekt: rechts die Kirche, links das rote Parteibüro.

Volksseele kocht

Es ist Wahlsonntag. Kein Wunder, dass sogar in der Kirche (Bühnenmaler: Johannes Riggenmann) nach Glockengeläut und Gemeindegesang die  Zeichen auf Sturm stehen. Ein aufbrausender Vater (Werner Denzel) und  eine verbotene Liebe (Isabell Steck, Johannes Hirt ) dürfen auch nicht fehlen. Die Volksseele kocht. Es kommt in der Kirche (in Zeitlupe) zur Schlägerei und in der Folge zu Don Camillos Strafversetzung in ein gottverdammtes Bergdorf. Doch am Ende siegen die Stimme des Herzens und die Menschlichkeit, alles wendet sich zum Guten –  mit Gottes Hilfe.

In ihrer Inszenierung kopiert Franziska-Theresa Schütz nicht die legendäre 50er-Jahre-Verfilmung mit Fernandel als Don Camillo und Gino Cervi als Bürgermeister. Vielmehr drückt die Berliner Regisseurin der gestrafften  Story ihren eignen, gegenwartsnahen Stempel auf. Lokalkolorit und schwäbische Mundart steigern die Situationskomik noch.

Ungewöhnlich ist, dass Don Camillo diesmal nicht mit einer Christus-Stimme aus dem Off im Dialog steht. sondern mit einem leibhaftigen Christus in Form von drei jungen Frauen ganz in Weiß:  greifbar nahe und mitten unter den Menschen. Diese feiern in der Premiere die Protagonisten mit einem Riesenapplaus.

Info Die Schwabenbühne spielt „Don Camillo und seine Herde“ vom 15. bis 18. und vom 22. bis 25. August (jeweils 20 Uhr) sowie am 19. August um 17 Uhr.

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