Auf Markplätzen wird Dietmar Österle in den kommenden Wochen viel Zeit verbringen.  Er tritt bei der bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober als Direktkandidat für die Partei Die Linke an, steht zudem auf der Schwabenliste. Mit den Marktbesuchern will der 56-jährige Neu-Ulmer  an seinem Infostand über alles Mögliche reden,  zu seinen Schwerpunkten zählen eine bessere Pflege, Altersarmut und bezahlbarer Wohnraum. Er freut sich auf die Gespräche. „Die Leute sind mittlerweile ja aufgeklärt“, sagt Österle und lacht. Vor Jahren sei er bei Auftritten als Linker noch mit bösen Blicken gestraft und als „Kommunist tituliert worden“, berichtet er. „Ich habe aber keinen Bezug zu dem Ganzen.“

Österle wirkt pragmatisch, nicht wie ein Ideologe. Beispiel Bundeswehr:  „Ich habe kein Problem mit der Bundeswehr.“ Solange sie sich auf Landesverteidigung und Katastropheneinsätze beschränke. Allerdings findet der Direktkandidat, dass in Bayern zu viele Firmen ihr Geld mit Rüstung verdienen, etwa Airbus Helicopters oder KraussMaffei.  Diese sollten besser ihre zivilen Bereiche stärken.

Das Gespräch am Neu-Ulmer Donau-Ufer kommt auf den bezahlbaren Wohnraum zurück. Ein Thema, das insbesondere junge  Familien umtreibt. Der Uferbereich am Edwin-Scharff-Haus zeigt diesbezüglich gleich  mehrere  Schwierigkeiten auf. „Nachverdichtung macht ja Sinn“, sagt Österle. Allerdings sei es schade, wenn dafür Orte verschwinden, die einer Stadt Charakter verleihen. Wie das „Strandgut“, eine beliebte Anlaufstation in der alten Flussmeisterei. Und besonders schade sei es, wenn diese Orte durch Luxuswohnungen verdrängt werden, Bereiche veröden. Wie etwa durch den  Sparkassen-Komplex auf der Neu-Ulmer Insel.  „Ich war ein Gegner des Baus, die Insel ist tot“, sagt Österle. „Die Preise dieser Sensationswohnungen spotten jeder Beschreibung. Das ist nur noch Roulette, um Geld zu verdienen.“

Die Partei Die Linke will gegensteuern, 40 000 neue Sozialwohnungen pro Jahr in Bayern bauen und verpflichtende Mietspiegel einführen.

Österle ist 2007 sind zu den Linken gekommen. Die Agenda 2010 und die deutsche Beteiligung am Kosovokrieg hatten ihn von der SPD enttäuscht. Der 56-Jährige ist Vorsitzender des Neu-Ulmer Ortsvereins und Vize im Kreisverband.

Angst vor dem Abstieg

Er arbeitet als Betriebsschlosser in der wissenschaftlichen Werkstatt der Universität Ulm. „Wenn die Wissenschaftler eine Idee haben, müssen wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Österle. Die Mäusemelkmaschine hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, an deren Entwicklung war Österle aber selbst nicht beteiligt. Seit 15 Jahren setzt er sich im Personalrat der Uni für die Belange der Arbeitnehmer ein. Eine nicht immer ganz einfache Aufgabe. Zuvor hatte er als Isolierer 20 Jahre lang auf dem Bau gearbeitet. Unter anderem auch im Kernkraftwerk Gundremmingen.

Dass die AfD in den Umfragen gut dasteht, bereitet Österle Sorge.  Darunter seien auch Leute mit guten Jobs, einem guten Verdienst.  „Die haben Angst vor dem Abstieg.“  Schuld daran sei maßgeblich die Hartz-4-Regelung. „Ein Gutverdiener kann 40 Jahre lang gearbeitet haben, innerhalb von zwei Jahren ist der auch ganz unten, muss alles veräußern“, sagt Österle.  Aus Angst sein Kreuz bei der AfD zu machen, dafür hat er trotzdem kein Verständnis.  „Man kann seinen Unmut auch anders kundtun. Das lasse ich nicht gelten.“ Markige Sprüche gerade von Seehofer und  Söder hätten im Asylstreit die Stimmung weiter angeheizt, findet Österle. „Jetzt hat der Söder ja Kreide gefressen.“

Der Neu-Ulmer geht nicht unbedingt davon aus, dass es für ihn persönlich für den Einzug in den Landtag reichen wird. Für seine Partei  Die Linke ist er allerdings optimistisch.  Bei der vorigen bayerischen Landtagswahl 2013 erreichte Die Linke 2,1 Prozent, bei der Bundestagswahl 2017 holte die Partei in Bayern 6,1 Prozent der Zweitstimmen. Österle: „Ich tendiere zu sechs Prozent.“

Keine stichhaltigen Argumente für einen Nuxit


Kreisfreiheit Dietmar Österle setzt sich dafür ein, dass die Stadt Neu-Ulm im Landkreis bleibt. „Man zerschlägt nicht aus fadenscheinigen Gründen Strukturen, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden.“ Vereine und Feuerwehren nennt er als Bespiele. Und die Kreiskliniken in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen. „Das sind alles hervorragende Krankenhäuser. Ich weiß nicht, warum man das alles kaputtschlagen will.“

Undemokratisch Dass die Stadt Neu-Ulm die Bürger nicht über einen Nuxit abstimmen lassen will, ärgert Österle besonders. Er unterstützt deswegen die jetzt gestartete, neue Anti-Nuxit-Petition.

Jahrelanger Einsatz für Arbeitnehmer


Person Der Neu-Ulmer Dietmar Österle ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn aus erster Ehe. Er hat Isolierer gelernt, arbeitet als Betriebsschlosser an de Uni Ulm. Dort sitzt er auch im Personalrat. Österle ist bei den Freidenkern dabei, er mag Segeln und Urlaub mit dem Wohnwagen.