Historie Waaghäusle soll bleiben

Josef Ölberger vor dem Häuschen, das er erhalten will. Für viele Wullenstetter gehört die Waage zum Ortsbild.
Josef Ölberger vor dem Häuschen, das er erhalten will. Für viele Wullenstetter gehört die Waage zum Ortsbild. © Foto: Sonja Fiedler
Wullenstetten / Sonja Fiedler 07.05.2018

„Das Waaghäusle gehört einfach zu Wullenstetten.“ Das sagt der Zweite Sendener Bürgermeister Josef Ölberger. Im Januar 1918 wurde das Wiegehaus samt Waage an der heutigen Johann-Glocker-Straße  nahe der Kirche errichtet, wie in der Chronik von Wullenstetten vermerkt ist. Jahrzehntelang wurden dort Fuhrwerke sowie Heu und Getreide, Rinder und Schweine gewogen. Erst 2015 hat die Stadt die Waage stillgelegt, weil die Auslastung zu gering und die Ausgaben zu hoch waren. Heuer, hundert Jahre nach dem Bau des Häuschens, hat sich ein Verein gegründet, der sich um Erhalt und Pflege des Kleinods kümmern möchte: „Förderverein Waaghäusle Wullenstetten“ nennt sich die Neugründung. Vor wenigen Tagen erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister.

„Was passiert mit dem Waaghäusle? Es ist doch ein historisches Gebäude, zu schade zum Wegreißen!“ Dieses Thema kam bei einem Ausflug der Wullenstetter Feuerwehr auf. Schnell war entschieden: „Da gründen wir einen Verein“, berichtet Josef Ölberger. Bei der Gründungsversammlung, an der 15 Interessierte teilnahmen, wurde Ölberger zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Zweiter Vorsitzender ist Roman Häberle, Schriftführerin Sandra Deisenhofer. Das Amt des Schatzmeisters übernahm Stefan Rasl. Als Beisitzer wurden Jutta Magg, Thomas Ölberger und Karl Span gewählt.

Inzwischen hätten sich viele Leute gemeldet, die Mitglied werden wollen, sagt Ölberger. „Bis zum Jahresende könnten wir 50 werden.“ Die meisten seien alt eingesessene Wullenstetter, die sich den Ort nicht ohne das Waaghäusle vorstellen können. „Es ist schön, wenn die Leute sagen: Das ist uns wichtig.“

Orginalzustand herstellen

Ein neues Fenster, frische Farbe und Blumenschmuck: Dies sind die ersten Arbeiten, denen sich der Verein annehmen will. Auch die Metalltür, die vor gut 20 Jahren als zweiter Ausgang eingebaut wurde, soll entfernt und der Originalzustand des Häuschens wieder hergestellt werden. Den Schlüssel hat Bürgermeister Raphael Bögge bereits übergeben.

Das Gebäude ist und bleibt im Besitz der Stadt, der Verein habe es für einen „symbolischen Betrag“ gepachtet, sagt Ölberger. Einen praktischen Nutzen hat das Waaghäusle neben aller Nostalgie übrigens bis heute: Das Fundament für Maibaum und Weihnachtsbaum liegt im ehemaligen Waageschacht direkt vor dem Häusle. Und die noch bestehenden Stromanschlüsse versorgen den Adventsmarkt mit Energie.

Gebäude mit Geschichte

Begehrt Nach den Informationen des neuen Vereins war die Fuhrwerkswaage in Wullenstetten auf ein Lastgewicht von bis zu 7,5 Tonnen ausgelegt. Im Inneren des Gebäudes befand sich eine Boxenwaage für kleinere Tiere mit einer Wiegekapazität von 250 Kilo. Da die Waage irgendwann die einzige im Stadtgebiet und in der Umgebung war, war sie sehr begehrt. Ein vereidigter Waagmeister kümmerte sich um das Wiegen. Als letzter war Johann Ölberger Junior ab dem Jahr 1984 im Amt. Nach dem Beschluss von 2015, die Waage stillzulegen, wurde die Fuhrwerkswaage ausgebaut und die Grube mit Beton zugeschüttet. Die Boxenwaage ist indes noch vorhanden.