Veranstaltung Die Sendener Mitte lebt

Thomas Vogel 25.06.2018

Auf der Hauptstraße veranstalten ein paar Jungs am Nachmittag einen Spontankick. Am Alten Marktplatz gleich daneben frönen sie in einem dicht besetzten Zelt der jugendlichen Schmink-Lust oder üben sich im Basteln. Das Hüpfen im Bungee-Trampolin oder in der Riesenburg ist bei den Jüngeren auch immer noch gut angesagt, derweil auf dem neuen Marktplatz „Alfred und seine Musikanten“ den unterhaltsamen Soundtrack für das gemütliche Vesper der Älteren liefern.

So ist das Sendener Bürgerfest: Eine verwaltungsseitig gut geplante Hockete, welche die Bürgerschaft ins Zentrum locken will, um dieses zu beleben. Für den Tag ist dies gelungen. Mit geschätzt 1500 Gästen wies die Besucherkurve in der heurigen Auflage sogar leicht nach oben, was auch an den erträglichen Temperaturen gelegen haben mag, aber sicher auch daran, dass sich so viele Vereine darin einbringen. Ohne deren Zusatz-Engagement gäbe es schlicht nichts auf die Teller oder in die Gläser, oder die Stadt müsste sich auch darum noch kümmern.

Bürgerfest? Stadtfest? Dorfhock! Die „Bätscher Buam“, die von 19 Uhr an das Geschehen beherrschten, spielten da mit Worten und Bedeutungen, so wie sie überhaupt mit vielem spielen. Mit Instrumenten, logo, mit musikalischen Stilen, auch mit Kulturen. Das Bajuwarische wird derb-krachledern bis heavy-metallern eingekreuzt mit Ohrwurm-Pop und mit Oktoberfest-Ekstase. Was vor ein paar Jahren aus einer Partylaune heraus begann bei den Jungs aus Sendener (Musikschul-)Stallung, ist heute eine durch Reiz und Reaktion eingeschliffenes musikalisches Konzept, mit dem sich Zelte oder eben Marktplätze rocken lassen. Natürlich wird in den kunterbunten Endlos-Stimmungsteppich aus Chart-Hits, Schlagern und geläufigem Mitsingsang in regelmäßigen Abständen das einschlägige Kommando „Eins, zwei…“ mit eingeflochten, was jedes Mal auch folgsam mit dem Recken der Krüge gen blau-weißem Sendener Himmel beantwortet wurde und in einem kollektiven Anstoßen endete. Ein Ritual, dem in den heutigen Identitätsdebatten wohl noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die „Buam“ ließen es also auftragsgemäß so richtig krachen, und sie bewiesen dabei eine Ausdauer, wie es heute nicht mehr selbstverständlich ist. Kühl wurde es dann trotzdem, was dann aber ausschließlich der gewöhnungsbedürftigen Wetterlage geschuldet war. Die Alternative war nicht weniger unterhaltsam: Der Saal im Bürgerhaus, wo beim Public Viewing das Spiel Deutschland–Schweden zu sehen war.

Veranstaltung vor fünf Jahren entstanden

Tradition Geboren wurde das Sendener Bürgerfest vor fünf Jahren. 2013 war es die Schlussveranstaltung des Iller-Musikfestivals. Im Jahr darauf stand das Fest erstmals auf eigenen Beinen. Damals wurde noch im Stadtpark gefeiert. 2016 sollte dann erstmals in der Innenstadt gefeiert werden, um das Zentrum zu beleben. Doch die Veranstaltung musste dann kurzfristig wegen einer Unwetterwarnung abgeblasen werden. Traditionell geht es zum Start zünftig-familiär zu, abends dann rockig.

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