Weißenhorn-Oberhausen Die Könige mit den Sammelbüchsen ziehen los

Die Sternsinger stehen in den Startlöchern. Foto: Christa Kanand
Die Sternsinger stehen in den Startlöchern. Foto: Christa Kanand
CHRISTA KANAND 05.01.2012
Sie sind bei Wind und Wetter im Einsatz: Caspar, Melchior und Balthasar ziehen dieser Tage wieder von Haus zu Haus. Heuer sind im Weißenhorner Stadtteil Oberhausen nur noch elf Sternsinger unterwegs.

Niko ist elf - noch, wie der betont. Doch in Sachen Sternsinger ist er schon ein alter Hase. "Zwei Jahre habe ich den König Balthasar gemacht", erzählt der Schüler des Weißenhorner Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium (NKG), "ganz freiwillig". Nun ist Schluss mit der ungeliebten Rolle. Wieso ungeliebt? "Weil ich beim Essen immer was von der dunklen Schminke im Mund hatte." Heuer schlüpft Niko in das Gewand von König Caspar. Während der Junge die goldene Krone zusammensteckt, sagt Ann-Kathrin als König Melchior: "Bei mir kratzt die Krone. Ich binde mir diesmal den goldenen Lurex-Schal um den Kopf."

Im Saal des Pfarrhofs Oberhausen geht es bunt her. Plastiktüten stapeln sich auf dem Tisch, dazwischen ein Kasten mit Theaterschminke, Königskronen, Tüchern und zwei Sammelbüchsen. Kurz: Alles, was Silvia Kalhamer in Umzugskartons hergebracht hat. Sie organisiert mit ihrem Neffen Manuel Rasch auch dieses Jahr die Sternsingeraktion im Weißenhorner Ortsteil Oberhausen. Nach jeder Aktion wäscht und bügelt die Mutter von zwei Kindern daheim den Kostümfundus, der übers Jahr in der St. Alban-Kirche aufbewahrt wird.

"Klopft an Türen, pocht auf Rechte!" ist 2012 das Motto der 54. Aktion Dreikönigssingen. Es ist die weltweit größte Aktion von Kindern für Kinder. Heuer werden in Oberhausen nur elf Sternsinger unterwegs sein. Mehrere von jenen, die immer treu zur Stelle waren, seien aus Altersgründen im letzten Jahr als Ministranten und somit als Sternsinger ausgeschieden, sagt Mesnerin Angelika Rasch.

Morgen, an ihrem Festtag, werden die Elf nach der Aussendungsmesse um 10 Uhr in zwei Gruppen ins Ober- und ins Unterdorf ziehen. "Bei Wind und Wetter. Im Notfall mit Schirmen", sagt Manuel Rasch und lacht. Negative Reaktionen beim Klingeln gebe es nicht, sagt der 24-Jährige, der von Beruf Zimmermann ist. "Die meisten Leute sind freundlich und spenden."

Jedes Jahr werden die Rollen im Sternsinger-Team neu besetzt. "Manche konnten heute nicht kommen", sagt Silvia Kalhamer, "sie sind zum Skifahren." Ihnen würden die Utensilien nach Haus gebracht. Jene, die da sind, probieren Turbane und Kronen an, weite Hosen und Umhänge, die über dicker Winterkleidung getragen werden. Das Verkleiden macht Spaß, auch die Vorbereitungen in der Gemeinschaft, "besonders wenn es für einen guten Zweck ist", sagt Simon. Der Gymnasiast hat die Rolle des Balthasar übernommen - "aber mit wenig brauner Schminke".

Derweil wird der 17-jährige Fachoberschüler Elias von den anderen zum Sternträger verdonnert. Angelique als Balthasar Nummer zwei probiert einen violetten Turban, unter dem sie ihre lange blonden Haaren versteckt. Die elfjährige Realschülerin engagiert sich gern. "Uns Kindern hier geht es gut", erklärt sie. "Wir wollen anderen Kindern, die hungern und keine Schulen haben, mit den Spenden helfen."

Bis spätnachmittags werden die Sternsinger morgen Spenden sammeln. "Singen tun wir aber nicht", ist zu hören. "Wir sagen Sprüche auf." In verteilten Rollen werden sie vor Haus- und Wohnungsbewohnern ihr Anliegen in Reimen vortragen - und anschließend das Zeichen 20+C+M+B+12 mit geweihter Kreide auf die Tür schreiben. Damit wird dem Haus und seinen Bewohnern der Segen für 2012 erteilt.