Serie Die Geschichte des Martinsbrunnen Illertissen

Von Martin Dambacher 04.08.2018

Fabrikant Heinrich Mack aus Au war es, der vor mehr als 100 Jahren, 1912, der damaligen Marktgemeinde Illertissen einen Brunnen samt Parkanlage stiftete. Beides in direkter Nachbarschaft zur Pfarrkirche Sankt Martin liegend, war ein Name für das steinerne Wasserspiel schnell gefunden. Der Brunnen hieß fortan schlicht Martinsbrunnen.

Eingerahmt vom üppigen Grün des Parks entlang der Kastanienallee hinunter bis zum Krankenhaus, war das Bassin ein beliebter Treffpunkt. Bis 1927. In diesem Jahr musste das Wasserspiel einem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs Platz machen. Noch heute ziert dieses Mahnmal die südliche Spitze des Martinsplatzes. Der Martinsbrunnen hingegen zog auf den Marktplatz und hieß jetzt Marktbrunnen. Auch sein Erscheinungsbild änderte sich. Anstatt der bisherigen zwei Stufen gab es ein quadratisches Wasserbecken. Einem Geländer, der das Wasserbassin sichern sollte, sagte der Marktrat aus optischen Gründen kurz vor knapp ab.

Bis heute sind im Volksmund beide Namen verbreitet. Im Frühjahr kommt der Titel Osterbrunnen ins Spiel, wenn die Senioren der Illertisser Arbeiterwohlfahrt ihn mit hunderten bunter Eier und einer hübschen Krone aus Thujazweigen schmücken.

Rückkehr zum Martinsbrunnen

Als dem Marktbrunnen 1954, kurz vor der 1000-Jahr-Feier des „Frieden von Tussa“, seine Kugel an der Spitze gestohlen wurde, ging für einige Illertisser die Welt unter – zumal der runde Stein für den Initiator Heinrich Mack tatsächlich die Weltkugel symbolisiert haben soll. Damit der Brunnen seiner Heimatgemeinde bei den Feierlichkeiten nicht „oben ohne“ dastehen musste, stiftete der ortsansässige Steinmetz und Sohn des langjährigen Bürgermeisters Josef Rimmele kurzerhand eine Figur: den Heiligen Martin. Diese Betonfigur wurde dem Brunnen aufgesetzt, was dem Design in den Augen vieler Illertisser Bürger aber nicht unbedingt gut tat. Klar, dass das Wasserspiel nun wieder „Martinsbrunnen“ heißen musste. Dass der Name aber eigentlich von seinem ursprünglichen Standort herrührt, wissen zu diesem Zeitpunkt schon die Wenigsten.

Mit der Neugestaltung des Marktplatzes im Jahre 2008 wurde auch der Martinsbrunnen umfassend saniert. Nach seiner Instandsetzung kehrte er ein Jahr später zurück – nun wieder als Marktbrunnen. Denn der Stadtrat war dem Antrag des damaligen zweiten Bürgermeisters Josef Kränzle gefolgt, das ortsprägende Wasserspiel am nördlichen Marktplatz möglichst in seiner Ursprungsform mit Stufenfundament und (Welt)Kugel, aber ohne Heiligenfigur an der Spitze wieder aufzubauen. Der Vorschlag, es fortan „Kugelbrunnen“ zu nennen, setzte sich nicht durch. Der einstige Brunnenheilige Sankt Martin wacht seitdem über die nach ihm benannte Stadtpfarrkirche – im Herzen und Geiste vieler Einwohner und Besucher der Vöhlinstadt heißt der heutige Marktbrunnen aber immer noch Martinsbrunnen.

Stumme Zeitzeugen

Brunnen Sie schmücken zentrale Plätze, laden mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein und symbolisieren mit ihrem sprudelnden Wasser das Leben schlechthin. Dazu stehen sie meist für Geschichte und Geschichten im Ort. Wenn sie könnten, hätten die stummen Zeitzeugen aus Bronze und Stein sicher Erstaunliches zu erzählen.

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