Serie Die Gemüsetheke links liegen lassen

Region / Von Inge Sälzle-Ranz 16.07.2018

Typische Juli-Arbeit im Garten? „Immer wieder Unkraut zupfen.“ Kopfschüttelnd und lächelnd, doch ganz offensichtlich unbeeindruckt bückt sich Heiner Loop und hat schon wieder ein stacheliges Teil in der Hand, das da nicht hingehört, wo es gewachsen ist. „Das ist eben so.“ Dann fügt der begeisterte Hobbygärtner strahlend hinzu:  „Mit zum Schönsten gehört: Seit einigen Wochen gehen wir an der Obst- und Gemüsetheke im Supermarkt einfach vorbei.“

Die Auswahl in den heimischen Beeten ist lecker: Die Bauerngurken wachsen so schnell und so groß, dass man mit dem Essen fast nicht nachkommt. Roter und grüner Schnittsalat schmecken nicht nur Annelies und Heiner Loop, sondern auch den beiden zu Besuch weilenden Landschildkröten. Die Zuckererbsen munden nach wie vor köstlich, Stachelbeeren zum Naschen gibt es weiterhin reichlich.  Begeistert fordert Annelies Loop zudem dazu auf, die ersten Zwetschgen zu  schnabulieren. Fruchtig aromatisch schmeicheln sie dem Gaumen, direkt vom Baum, frischer geht es nicht.

Auch die Buschbohnen blühen bereits, lange wird es nicht mehr dauern bis zum ersten Bohnengemüse; und der Mangold steht schon so prall da, dass er demnächst geerntet werden kann. Der Lauch, manche sagen auch Porree, ist noch ein bisschen schlank, aber bald muss auch er dran glauben. Als Gemüse, Suppenbeilage, fein geschnitten im Salat, als Ersatz für die Zwiebel, wenn man beim Schneiden lieber nicht weinen  möchte, in den Eintopf – für die weiß-grünen Stangen gibt es viele Verwendungsmöglichkeiten. Ihr mild-würziges Aroma verfeinert zudem viele Gerichte. Beeindruckend nach wie vor die zu erwartende Fülle an Steinobst und Äpfeln. Der Reineclauden-Baum musste gestützt werden, damit er die Last überhaupt noch tragen kann, bald werden auch diese Früchte reifen. Heiner Loop muss weitere Stangen besorgen, damit er die anderen Bäume sichern kann.

„Der Monat Juli bedeutet aber auch, dass der Teil des Rasens, auf dem bisher wie auf einer Blumenwiese alles wachsen durfte, jetzt gemäht werden kann.“ Heiner Loop hat in zwei Abschnitten gemäht, damit die Insekten und Kleintiere eine Ausweichmöglichkeit finden. Das Gras wird getrocknet, so dass Meerschweinchen Hildegard für den Rest des Jahres genügend Heu hat. „Jeder, der einen Rasen hat, kann ihn in eine Trockenwiese verwandeln, indem er das Gras einfach stehen lässt“, betont Loop. „So hilft er Kleinlebewesen und Insekten.“

Auch die Rosen erfordern im Monat Juli Pflege – wenn man ihnen einen Sommerschnitt angedeihen lassen und sie dadurch zum zweiten Mal zum Blühen bringen möchte. Man setzt den Schnitt oberhalb der ersten Nodien, also über den Knoten in den Sprossachsen, dort wo die ersten neuen Blätter ansetzen. Nach etwa vier bis sechs Wochen entwickeln sich dann die ersten Blüten. Werden die Rosen nicht zurück geschnitten, bilden sich Hagebutten, wo zuvor die Blüte saß. Die wiederum sind bestes Vogelfutter, deswegen schneidet Heiner Loop nur einen Teil der Rosen zurück.

Wenn Heiner Loop morgens die Tür des Wintergartens öffnet, spritzt es aus dem unteren Teich und die Fische zeigen, dass sie auf Futter warten. Aristoteles, die Schildkröte, meldet sich ebenfalls zum Gruß. Tagsüber summt und brummt es jetzt im ganzen Garten. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, blaugrün schimmernde Libellen und jede Menge andere Insekten tummeln sich dann in dem Blütenmeer auf Beeten und Rabatten, um die beiden Teiche und auf der extra ausgesäten Blumenwiese.

Sie lieben den Phlox, der jetzt zu blühen beginnt, das filigrane Mädesüß, die riesigen Königskerzen, die Ringelblumen, den überhand nehmenden Borretsch, die vielen Gräser und die Minze mit ihren Blüten, die bereits aussamenden Bartnelken, die in zweierlei Violett-Tönen den Pavillon überwuchernde Klematis und noch ganz viel mehr. Sogar auf der Hauswurz im Kies am Gewässerrand krabbelt und surrt es.

„Bei uns wächst viel, was einfach so kommt und wir lassen es wachsen. Wir mögen keinen geschleckten Garten, sondern es darf ruhig ein bisschen wild aussehen“, sagt Annelies Loop und setzt sich neben eine Pflanze, deren Namen sie nicht mehr weiß, die aber wie eine Rispenhortensie Grandiflora aussieht. „Hauptsache, sie ist schön“, sagt sie zufrieden lächelnd.

Weitere Informationen über Pilze, Kompost und die richtigen Böden

Rosenrost Gelb-rote, rostartige Flecken auf der Oberseite der Rosenblätter und zunächst stecknadelgroße gelb-orangene Pusteln auf der Unterseite, die sich später in braune Flecken verwandeln? Das ist Rosenrost. Vorbeugen lässt sich gegen die dafür verantwortlichen Pilze schlecht, aber wenn man die herunter gefallenen Blätter im Herbst einsammelt und in der Mülltonne entsorgt, dann können die Schädlinge wenigstens nicht überwintern, empfiehlt Heiner Loop.

Düngen Da Rosen Starkzehrer sind, sollten sie nach dem Sommerschnitt noch einmal mit einer Schaufel Kompost und Hornmehl gedüngt werden. Hornmehl statt Hornspänen  deswegen, weil es eine kürzere Wirkungsdauer hat. Damit gestattet es den Rosen, sich spätestens im Oktober in die wohlverdiente Ruhephase zurück zu ziehen.

Hortensien Grandiflora ist die häufigste Sorte der Rispenhortensien. Sie bekommt bis zu 30 Zentimeter lange Blüten, kann bis zu zwei Meter hoch werden. Sie kann als Busch oder Baum hoch gezogen werden. Sie wächst auf fast jedem Boden (sauer bis neutral) und in fast jeder Lage (Sonne oder Halbschatten). Sie ist winterhart.

Mädesüß Der Name bedeute „Metsüße“, daher kommt der Name. Es wurde früher  zum Süßen und Aromatisieren von Wein und insbesondere von Met verwendet. Mädesüß ist allerdings auch eine „Mahdsüße“, denn die verwelkenden Blätter und Stängel verströmen einen süßen Geruch, nachdem sie gemäht worden sind. Der Begriff Mede ist zugleich ein altertümlicher Begriff für Grasland. Im Gras wächst die Pflanze, wenn es nur feucht genug dafür ist.

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