Weißenhorn Die bunte Pracht erfreut nicht nur das Auge

CHRISTA KANAND 14.11.2012
Die Aktion "Weißenhorn blüht auf" verschönerte heuer erstmals die Fuggerstadt mit Blumen. Wie geht es weiter? Dieter Felgers Vortrag zu Pflege und Saatgut lockte rund 100 Blumenliebhaber und Imker.

Ein Temperatureinbruch an zwei Tagen Ende Oktober war Schuld. Wo zuvor bunte Blumenteppiche auf Weißenhorns öffentlichen Grünflächen, auf Verkehrsinseln und an Straßenrändern das Stadtbild verschönerten, stehen meist nur noch verfrorene Überreste. "Schade, dieser allzu frühe Frosteinbruch mit Schnee", bedauerte mancher Besucher beim Informationsabend über die Aktion "Weißenhorn blüht auf". Wie geht es nun weiter mit der Aktion? Die Blumenreste abmähen oder stehen lassen, war nur eine von vielen Fragen des Publikums.

"Ich bin von dem großen Interesse überwältigt", sagte Walter Burger, der Vorsitzende des Imkervereins Weißenhorn. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hatte er den zweistündigen Informationsabend in Hegelhofen organisiert. Rund 100 Blumen- und Naturliebhaber wie Otmar Frimmel von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Günzburg, Hobbygärtner und Profis, Mitglieder und Vorstände von Gartenbau-Vereinen wie Anni Eschenbach aus Kissendorf waren neben etlichen Imkern aus der ganzen Region in den Weißenhorner Ortsteil gekommen. Referent des Abends war Dieter Felger, ein Fachmann aus der "Blumenstadt Mössingen" nahe Tübingen.

"Die Blumen erfreuen nicht nur das Auge", sagte Burger zur Einführung. "Sie laden zur Beobachtung ein und sind wichtige Lebensräume für Kleinstlebewesen, für Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Wild- und Honigbienen, die in den Blüten Pollen und Nektar finden." Jahrelang habe er die Weißenhorner Stadtverwaltung zur Anlage von Blühflächen bewegen wollen - vergeblich. "Nicht einmal zum Stadtjubiläum vor zwei Jahren hat es geklappt." Um so mehr freue er sich, dass dank der Unterstützung durch Heidi Kindermann von der Stadtverwaltung und Stadtgärtnerin Helene Maier die Aktion "Weißenhorn blüht auf" zu einer Erfolgsgeschichte wurde. Das blühende Resultat fand bei den Bürgern begeisterte Zustimmung, insbesondere bei den Imkern wie Hermann Lattoch, der Vorstand vom Imkerverein Neu-Ulm, bestätigte. "Außerdem haben Blumenflächen den Vorteil, dass sie nicht als Abfallplatz und Hundeklo benutzt werden." Er mahnte nachdrücklich an, dass es Blumenschmuckbedarf derzeit noch "bei den Pflastersünden der Haupt- und der Memminger Straße" gebe.

Wie positiv große Blumenflächen das Stadtbild verändern, das zeigte Dieter Felger anschaulich an Hand von etwa 70 Beispielen in seinem Lichtbildervortrag. Der Stadtgartenbaumeister der Stadt Mössingen, die 2001 beim Wettbewerb Entente Florale den Titel "Blumenstadt" gewonnen hat, sprach über die richtigen Bodenvorbereitungen und die Aussaatzeit - April bis Ende Juli. "In Mössingen ging es zunächst nicht um den Wunsch die Stadt schöner zu machen, sondern um die Notwendigkeit Geld zu sparen." Die Ausgaben fürs Saatgut würden durch Einsparungen kompensiert: Der Standardrasen habe einen großen Bedarf an Düngung, Bewässerung und Unkrautvernichtern. "Früher mussten wir Rasenflächen bis zu zwölfmal jährlich mähen."

Mehrere Samenmischungen gibt es inzwischen: Für "Felgers-Mohnwiese" waren Gemälde von Eduard Monet eine Inspirationsquelle. Eine Blumenwiese mit langer Blühzeit und viel Nahrung für Honigbienen und Vögel. Jedes Jahr muss auf den Blühflächen nachgesät werden, weil im Winter die Vögel die liegengebliebenen Samen fressen. Kleinere Flächen und Straßenränder, für die Streusalz ein Problem ist, benötigen auch Mineraldünger. "Felgers Blütenreich" ist eine Mischung aus 40 robusten Arten, darunter Buschwinden, verschiedene Mohnarten, Korn-, Ringel-, Sonnenblumen, Lein und Kappmargeriten.

Nach einer lebhaften Fragerunde lobte der Weißenhorner Zweite Bürgermeister, Alfred Haas, in seinem Schlusswort das Engagement der Bürger, die sich für die städtischen Grünflächen mit verantwortlich fühlen, sie wertschätzen und deshalb auch mithelfen, die Anlagen zu schützen und zu pflegen. Er wünschte sich für das nächste Jahr noch mehr Patenschaften für die Aktion "Weißenhorn blüht auf".