Es hängt. Und es hängt gut – ziemlich sicher an dem Platz, für den es einst bestimmt war: über dem Eingang zur Sakristei in der Ober­elchinger Klosterkirche. Denn Ausmaße und Wirkung sind perfekt. Restauratorin Christine Götz schaut zufrieden auf das Konventbild von Joseph Wannenmacher über der Tür. Zwischen Werkzeugkästen und unter der Leiter überreichte sie jetzt einen dicken Ordner, in dem sie die Rettung des Bildes dokumentiert, an Richard Ambs. Der stellvertretende Vorsitzende der Freunde des Klostermuseums Elchingen hatte zuvor mit drei Haken an der Unterkante des 2,70 auf 2,40 Meter großen Bildes dafür gesorgt, dass es wirklich sicher hängt.

So unspektakulär die Übergabe der Dokumentation auch war, für die Expertin aus Blaubeuren war es dennoch ein feierlicher Moment: Er markierte den Abschluss ihrer dreijährigen Arbeit an dem Gemälde. Die ersten Vorüberlegungen zur Rettung des Gemäldes seien bereits im August 2013 angestellt worden, erinnert  sich  Christine Götz.  Ein Jahr später konnte sie damit beginnen, den Schimmel zu desinfizieren und die Malschicht zu festigen. „Ich hatte noch nie ein Objekt, das mich so herausgefordert hat“, betont die 44-jährige Restauratorin.

Das lag einerseits am Zustand des Bildes, das alle nur denkbaren Schäden aufwies, und andererseits am Format. Wie sollte sie dem Schimmel mitten in der etwa sieben Quadratmeter großen Leinwand beikommen, ohne selbst Schäden anzurichten? Sie entwarf ein spezielles Gerüst, von dem aus sie das auf einem großen Tisch ausgebreitete Werk bearbeiten konnte. In Schutzkleidung und mit Atemmaske versehen lag oder hockte sie mehr als 100 Stunden auf dieser Konstruktion, und rückte dem Schimmel Zentimeter um Zentimeter zu Leibe.

Sie entfernte Fetzen von Küchenhandtüchern und Zeitungen, mit denen frühere Restauratoren das Bild stabilisiert, aber durch den Kleister auch anfällig gemacht hatten für die Zerstörung durch Mikroorganismen. Sie stopfte die Löcher in der Leinwand und klebte unter der Lupe feinste Fäden auf. „Ein bisschen stolz“ sei sie schon auf das Ergebnis, sagt Christine Götz.

In Oberelchingen hatte sie bereits drei historische Klosteransichten und das Porträt des Abts Amandus Schindele restauriert. Schindele, der dem Kloster in den Jahren 1740 bis 1763 vorstand, gilt als großer Förderer des aus Tomerdingen stammenden Malers Joseph Wannenmacher. Der stellte 1778  den damaligen Abt Robert I. und die 25 Mönche in Reih und Glied für das Konventbild auf, links und rechts bauscht sich ein schwerer Vorhang, im Hintergrund ist wohl der neu geschaffene Hochaltar angedeutet.

Der Barockkünstler, der bekannt ist für seine Fresken in zahlreichen Kirchen und Klöstern, darunter die Stiftskirche und Stiftsbibliothek St. Gallen, entfaltet in diesem Spätwerk nicht seine ganze Virtuosität. Aber er schuf ein höchst wertvolles Zeitdokument, wie Richard Ambs betont. Deshalb sei es mit hohem Aufwand restauriert worden.

Die Kosten liegen alles in allem wohl etwas unter dem Ansatz von 50.000 Euro. Der Freistaat Bayern gab einen Zuschuss von 20.000 Euro, weitere große  Beträge kamen aus Stiftungstöpfen sowie von Banken. Mitgliedsbeiträge des Museumsvereins und viele kleine Zuwendungen trugen mit zur Finanzierung bei. Eine besondere Spende kam aus Wannenmachers Geburtsort Tomerdingen, der vor allem dank der Aktivitäten des Liederkranzes 3500 Euro beisteuerte. Die Spender können sich jetzt an Ort und Stelle von der erfolgreichen Rettung überzeugen und bei Führungen auch einen Blick werfen auf die kostbare  von Wannenmacher bemalte Handwerkerfahne, die vis-à-vis dem Konventbild in einem Schrank aufbewahrt wird.