Senden Deutsch lernen und leben

Kinder der Engelhartschule haben den Kursteilnehmern kleine Schultüten überreicht. Rechts im Bild Institutsleiterin Meltem Madenci, daneben Schulleiterin Silvia Wawra, links sitzend Wolfgang Matti vom Migrationsamt. Foto: Claudia Schäfer
Kinder der Engelhartschule haben den Kursteilnehmern kleine Schultüten überreicht. Rechts im Bild Institutsleiterin Meltem Madenci, daneben Schulleiterin Silvia Wawra, links sitzend Wolfgang Matti vom Migrationsamt. Foto: Claudia Schäfer
Senden / CLAUDIA SCHÄFER 16.05.2013
Mit der Idee, Deutschkurse für Migranteneltern in der Schule ihrer Kinder anzubieten, beschreiten das Institut für Bildung und die Engelhartschule Neuland. Dafür gab es Lob vom Bundesamt für Migration.

Während Luca aus der 3. Klasse der Grundschule Senden Mathe büffelt, lernt seine Mutter ein paar Zimmer weiter Deutsch. Vier Tage in der Woche gehen der Drittklässler, seine jüngere Schwester und seine Mama kurz vor acht Uhr gemeinsam zur Schule und oft gehen sie nach zwölf Uhr - dem Unterrichtsschluss des Deutschkurses - auch gemeinsam nach Hause.

Nach dem Essen machen die drei ihre Hausaufgaben, lernen und packen die Schultasche für den nächsten Tag. Bis Sommer 2014 wird das so gehen, dann schließt Lucas Mutter ihren Kurs nach 900 Unterrichtsstunden mit dem Sprachzertifikat B1 ab.

Das Konzept, Integrationskurse für Migranten an den Grundschulen ihrer Kinder anzubieten, geht auf einen Vorstoß des Bundesinnenministeriums zurück, wird aber noch recht selten umgesetzt. In der Region sei die Sendener Engelhartschule bisher die einzige, in der solche Kurse stattfinden, sagt Wolfgang Matti vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der für die Stadt Ulm und die Landkreise Alb-Donau und Neu-Ulm zuständig ist.

Alle Schwierigkeiten seien in Senden optimal gemeistert worden, sagte Matti gestern bei einem Besuch der Deutschklasse. Es gebe unter den Grundschuleltern in Senden genügend Bedarf, die Nachfrage nach dem Kurs sei groß gewesen. Schulleiterin Silvia Wawra habe spontan Räume zur Verfügung gestellt: Die Bibliothek für den Deutschunterricht und ein weiteres Zimmer für die parallel laufende Kleinkinderbetreuung. Dort werden sechs Jungen und Mädchen betreut, das jüngste Kind ist zwei Monate alt. Kleine Kinder zu haben solle niemanden davon abhalten, einen Deutschkurs zu besuchen, so Matti.

Für Kurse und Kinderbetreuung verantwortlich ist das Sendener Institut für Bildung (IfB), geleitet von der türkischstämmigen Betriebswirtin Meltem Madenci. Wie die 39-jährige sechsfache Mutter sagt, sitzen in dem Kurs "ganz eifrige Mütter und auch zwei Väter". Acht Nationalitäten sind vertreten, wobei viele der 20 Teilnehmer aus Polen, Rumänien und Bulgarien stammen.

Die meisten sind erst seit wenigen Monaten in Deutschland und hatten vor Kursbeginn am 10. April keine oder nur geringe Deutschkenntnisse. Andere sind schon seit Jahren in Senden, haben aber erst jetzt den Schritt gewagt. In rund einem Monat haben sie gelernt, sich über ihren Tagesablauf und das Wetter zu unterhalten oder ihre Wohnungseinrichtung zu beschreiben.

Derzeit lernen die Kursteilnehmer im ersten Unterrichtsmodul den Akkusativ kennen, dazu die bestimmten und unbestimmten Artikel. Nach allen neun Modulen, versprach Wolfgang Matti vom Bundesamt für Migration, werden sie selbstständig in Deutschland leben und Bekanntschaften pflegen können, ohne Dolmetscher zum Arzt oder in einen Verein gehen. Und sie werden ihren Kindern, die mit ihnen lange dieselbe Schule besucht haben, besser helfen können, in Deutschland heimisch zu werden.

Einige der Kursteilnehmer haben schon Pläne für die Zeit nach dem Kurs. Eine junge Türkin möchte Bäckerin oder Konditorin werden, eine Südamerikanerin freut sich darauf, endlich mit ihrem deutschen Mann in dessen Muttersprache reden zu können.

Ihre Kinder seien stolz darauf, dass die Eltern Deutsch lernen wollten, sagen die Kursteilnehmer. Wolfgang Matti legte ihnen ans Herz, auch zu Hause oft Deutsch statt der bequemeren Muttersprache zu reden: "Lernen Sie diese Sprache nicht nur, leben Sie sie."

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