Urlaub Der Tourismus im Kreis Neu-Ulm boomt

Radtouren, wie hier bei Illertissen, werden im Kreis Neu-Ulm immer beliebter.
Radtouren, wie hier bei Illertissen, werden im Kreis Neu-Ulm immer beliebter. © Foto: Agentur Fouad Vollmer
Neu-Ulm / Niko Dirner 08.08.2018
Geschäftsleute, Durchreisende, Radfahrer: Zwischen Elchingen und Altenstadt übernachten immer mehr Menschen. Woran liegt das?

Nach Italien, Spanien oder gleich in die USA? Ach was: Die meisten Deutschen verbringen ihren Urlaub nach wie vor in Deutschland – warum auch nicht, bei diesem Wetter? Der Landkreis Neu-Ulm wird bei Touristen immer beliebter, wie aktuelle Zahlen des bayerischen Landesamtes für Statistik zeigen. Demnach sind die Übernachtungszahlen hier im ersten Halbjahr 2018 um über elf Prozent gestiegen – was in ganz Schwaben Platz 2 beim Zuwachs bedeutet.

Schaut man sich die Ortsebene an, haben Elchingen und Weißenhorn am stärksten zugelegt.

Woher kommt die steigende Nachfrage?

Andrea Engel-Benz, die Tourismusbeauftragte im Landratsamt, hat dafür gleich drei Erklärungen. Grundsätzlich, sagt sie, stimmen im Landkreis offenbar das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität in den Übernachtungsbetrieben. Dazu komme die „sehr gute Verkehrsanbindung“ an der A 7 und der A 8.

Zum einen seien es Geschäftsleute, die die Übernachtungszahlen im Landkreis nach oben trieben. „Was die sehr gute wirtschaftliche Situation widerspiegelt.“ Zum anderen seien es Urlauber, die hier an den Autobahnen einen Zwischenstopp auf der Fahrt in den Süden oder auf dem Rückweg einlegen.

Drittens habe aus ihrer Sicht „die Weiterentwicklung des touristischen Angebots“ einen großen Anteil am Tourismus-Boom. Vor allem die ausgebauten Radrundtouren ziehen immer mehr Leute an, sagt Engel-Benz. „Ausfahrten mit 40 bis 50 Kilometer sind sehr gefragt.“ Durch den Kreis Neu-Ulm führen mit Illerradweg, Donauradweg und Donautäler gleich drei mit vier Sternen klassifizierte Radwege. Diese werden mit selbst verfassten Broschüren, – „die weggehen, wie warme Semmeln, unglaublich!“ – auf Tourismus-Messen wie der CMT sowie über den Tourismusverband Bayerisch-Schwaben und das Schwäbische Donautal beworben.

Wo geht die Entwicklung hin?

Engel-Benz sagt, sie sei „schon überrascht“, dass die Übernachtungszahlen noch immer weiter und so deutlich nach oben gehen. Aber das zeige zum einen die gute Arbeit der Tourismusförderung. Und zum anderen stimme eben die Qualität, so dass die Leute wiederkommen. Zuwächse haben in Schwaben fast alle Städte und Landkreise.

Ein stärkeres Plus mit 23,1 Prozent hat vor dem Kreis Neu-Ulm nur der Kreis Günzburg, was hauptsächlich dem dortigen Legoland geschuldet sein dürfte.

Allgäu bleibt eine andere Liga

Andererseits: Schaut man sich die absoluten Zahlen an, gehört der Kreis Neu-Ulm nicht zu den Top-Destinationen. Den 230.734 Übernachtungen im ersten Halbjahr 2018 stehen 423.266 Übernachtungen im Kreis Günzburg gegenüber oder 517.649 Übernachtungen im Unterallgäu. Ganz zu schweigen von fast drei Millionen Übernachtungen im Oberallgäu. Allerdings sind hier die Zuwächse nicht (mehr) so hoch.

Schaut man sich im Kreis Neu-Ulm einzelne Orte an (siehe Info-Kasten), so hat Elchingen im ersten Halbjahr 2018 den höchsten Zuwachs hingelegt, mit einem Plus von fast 26 Prozent auf 33 496 Übernachtungen. Wobei, ordnet Engel-Benz ein, hier auch das autobahnnahe Hotel in Seligweiler eingerechnet ist. Nach wie vor ein beliebtes Ziel ist auch Roggenburg mit fast 16 000 Übernachtungen bis Juni – wegen des Bildungszentrums.

Elchingen legt stark zu, Rückgänge im nördlichen Illertal

Statistik Um keinen Rückschluss zu ermöglichen auf die wirtschaftliche Lage einzelner Betriebe, werden in der amtlichen Tourismus-Statistik des Freistaates Bayern nur Betriebe ab zehn Betten erfasst und nur Übernachtungs-Ergebnisse von Städten und Gemeinden mit mindestens drei Beherbergungsstätten im Ort veröffentlicht.

Zahlen Demnach gab es im ersten Halbjahr in Elchingen 33.496 Übernachtungen, ein Plus von 25,7 Prozent. Es folgen Weißenhorn mit 13.022 Übernachtungen, was ein Zuwachs um 17,7 Prozent ist sowie die Stadt Neu-Ulm mit 105.746 Übernachtungen, plus 15 Prozent. Vöhringen, Roggenburg, Senden verzeichnen Rückgänge. Wobei Roggenburg mit 15.903 Übernachtungen immer noch einen guten Wert aufweist. Laut Landratsamt seien die Halbjahreszahlen hier nicht so aussagekräftig, da im Herbst noch mal Hochbetrieb im Bildungszentrum sei. Spitzenreiter sind nach der Stadt Neu-Ulm mit 105.746 Übernachtungen, Elchingen mit 33.496 und Illertissen mit 24.758 Übernachtungen. Über den gesamten Landkreis gerechnet bleiben die Gäste rechnerisch 1,7 Nächte.

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