Region Der Sturm schlägt eine Schneise

Region / WILLI BÖHMER, FRANZ GLOGGER und dpa 05.08.2013
Eine Gewitterfront hat gestern eine Schneise der Verwüstung auch durch die Region geschlagen. Mehrere Menschen wurden verletzt, Autos zerstört, Bäume entwurzelt. Straßen mussten gesperrt werden.

Gegen 13.15 Uhr kehrte Weltuntergangsstimmung ein: Es wurde stockdunkel, Sturmböen setzten ein und peitschten Starkregen übers Land. Zwischen Blaubeuren und Ehingen, Günzburg und Illertissen wurde in weiten Landstrichen Land unter gemeldet. Die Windgeschwindigkeiten erreichten laut Wetterwarnung des Deutschen Wetterdiensts Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern, der Starkregen schüttete bis zu 40 Liter pro Quadratmeter aus.

Im Alb-Donau-Kreis verzeichnete die Feuerwehr 170 Einsätze, im Landkreis Neu-Ulm wurden 300 registriert. Dächer wurden abgedeckt, Bäume umgerissen, die Autobahn 8 musste zeitweise gesperrt werden, weil dicke Äste dort lagen und die Fahrbahn überflutet war. Der Rückstau betrug phasenweise 15 Kilometer. Vor allem in Fahrtrichtung München wurde es eng. Auch die Bahnstrecke nach München wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Strecke musste gesperrt werden, weil bei Kleinkötz im Landkreis Günzburg Bäume auf die Schienen gestürzt waren. Feuerwehrleute hatten alle Hände voll zu tun, die Strecke wieder zu räumen.

Fünf Menschen wurden im Alb-Donau-Kreis durch die Auswirkungen des Sturms verletzte. Ein Hausbesitzer aus Balzheim, dessen Keller vollgelaufen war, rutschte auf der nassen Treppe aus und stürzte so unglücklich, dass er in einem Rettungshubschrauber mit schweren Rückenverletzungen in eine Spezialklinik geflogen werden musste.

Vier weitere Menschen wurden verletzt, unter anderem beim Stadtfest in Erbach, als der Sturm in die Budenstadt fuhr und eine Spur der Zerstörung hinterließ. Auch ein Feuerwehrmann musste in die Ehinger Klinik eingeliefert werden. Er trug bei den Arbeiten eine Beinverletzung davon, berichtete Kreisbrandmeister Harald Bloching. Das Fest wurde anschließend abgebrochen (siehe Bericht auf der nächsten Seite).

In Langenau stürzte der Giebel eines Rohbaus in einem Neubaugebiet ein. Ein parkendes Auto wurde beschädigt. Sonst blieb es dort weitgehend ruhig, berichtete Stadtbrandmeister Karl-Heinz Mödinger.

270 Feuerwehrleute waren im Alb-Donau-Kreis im Einsatz, um den vielen Notrufen nachzugehen, Keller leerzupumpen und umgefallene Bäume zu entfernen. In Nasgenstadt wurde die zweithöchste Alarmstufe ausgelöst, als ein Umspannwerk in Brand geriet und die Stromversorgung ausfiel.

Im Landkreis Neu-Ulm gab es 300 Einsätze und zusätzlich zwölf des Rettungsdiensts, berichtete Kreisbrandrat Bernhard Schmidt gestern Abend. Die Integrierte Leitstelle in Krumbach verzeichnete zwischen 13 und 16 Uhr 760 Notrufe. Den Auftakt zum 90-Minuten-Wetterchaos machte ein Blitzschlag in ein Reihenhaus in Illertissen. Es qualmte im Haus, aber die Feuerwehr musste nicht mehr eingreifen, das befürchtete Feuer blieb aus. Drei Gleitschirmflieger einer Flugschule, die jeweils im Tandem abgesprungen waren, gerieten nahe Illertissen in Luftnot. Sie wurden vom Sturm überrascht. Zwei wurden abgetrieben, aber konnten unverletzt landen, der dritte geriet in eine Hochspannungsleitung, erlitt aber nur leichte Verletzungen.

Die Einsatzschwerpunkte lagen in Illertissen und Neu-Ulm. Auch im Landkreis wurden Bäume entwurzelt, liefen Keller voll, flogen Verkehrsschilder durch die Gegend. "Die Einsatzkräfte werden voraussichtlich die ganze Nacht damit beschäftigt sein, die Schäden zu beheben", sagte der Kreisbrandrat.

Der gestrige Sturm war das heftigste Unwetter seit mehr als einem Jahr, stellte Schmid fest. Damals aber war es noch deutlich heftiger zugegangen: 600 Einsätze wurden registriert, doppelt so viele wie gestern. "So gesehen sind wir diesmal noch glimpflich davongekommen", stellte Schmidt trocken fest.

In Sigmaringen mussten sich  2500 Pfadfinder und ihre Besucher am Sonntagmittag in eine Bundeswehrkaserne retten. Sturmböen hatten ihrem Zeltlager arg zugesetzt. 38 Menschen mussten medizinisch versorgt werden, zehn Menschen kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus. Das Zeltlager wird dennoch fortgesetzt.

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