Attenhofen Der neue "Ehrenbürger"

Sieht sich der Traditionspflege verpflichtet: Günther Oberst, Konditor, Chocolatier und Lebensmittelprüfer aus Attenhofen, ist von der Stadt Weißenhorn kürzlich mit der Ehrennadel ausgezeichnet worden. Jahrelang saß der heute 63-Jährige für die CSU im Stadtrat und war Chef der Schützen. Foto: Patrick Fauß
Sieht sich der Traditionspflege verpflichtet: Günther Oberst, Konditor, Chocolatier und Lebensmittelprüfer aus Attenhofen, ist von der Stadt Weißenhorn kürzlich mit der Ehrennadel ausgezeichnet worden. Jahrelang saß der heute 63-Jährige für die CSU im Stadtrat und war Chef der Schützen. Foto: Patrick Fauß
PATRICK FAUSS 08.03.2012
Er ist gelernter Konditor, war Stadtrat und Sprecher der Attenhofer Vereine. Nun wurde Günther Oberst von der Stadt Weißenhorn ausgezeichnet, für seinen Beitrag zum Erhalt der dörflichen Tradition.

Günther Oberst arbeitete als Konditor, Chocolatier und Lebensmittelprüfer. Bekannt geworden ist der gebürtige Memminger in Weißenhorn als Vorsitzender der Attenhofer Schützen und als Stadtrat der CSU aus Attenhofen. Das Schützenwesen spielte bei ihm stets eine große Rolle. Sein Vater Bernhard war schwäbischer Bezirksschützenmeister. "Eigentlich wollte ich immer vermeiden, dort mitzumachen", erinnert sich Oberst, heute 63 Jahre alt. Als Sohn werde man schließlich immer an den Leistungen des Vaters gemessen.

Seine Konditorlehre machte er in einem Café in Mindelheim. Es folgten unstete Jahre mit insgesamt 13 Wohnortwechseln. An den unterschiedlichen Orten lernte Oberst die Solidarität unter den Schützen schätzen. "Überall wo ich hinkam, bin ich zu den Schützenvereinen gegangen." Er habe schnell Anschluss gefunden. Die Schützen gaben etwa Tipps bei der Wohnungssuche.

In Attenhofen ist Oberst seit Jahren fest verwurzelt. Zwölf Jahre lang bis 2008 saß Günther Oberst für die CSU und als Attenhofer Ortssprecher im Weißenhorner Stadtrat. 1998 bis 2007 war er Sprecher der Attenhofer Vereine. Von 1985 bis 2010 war Oberst erster Schützenmeister in dem Weißenhorner Stadtteil, von 1991 bis 2009 Schützenmeister im Rothtalgau. Zudem ist Oberst Ehrenmitglied im Verein Bürgerinitiative für ein besseres regionales Verkehrskonzept. Die Stadt hat Günther Oberst, wie berichtet, kürzlich mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet - für seinen Bürgersinn und seine Verdienste um den Erhalt dörflicher Traditionen, wie es offiziell zur Begründung heißt.

Dass es ihn einmal nach Attenhofen verschlagen würde, daran dachte Oberst 1965 noch nicht. Damals hatte er gerade als Konditor im Café Drexl in Augsburg angefangen. Während seiner Bundeswehrzeit arbeitete Oberst im Memminger Offizierskasino als Chefordonnanz. 1970 folgte eine Anstellung in einem Kurhaus auf Sylt. Dort, im hohen Norden, lernte er seine spätere Frau Josefine kennen. Geheiratet wurde 1973 in Maria Steinbach bei Legau. Zwischendurch war Oberst als Chocolatier in Genf beschäftigt.

In den 70er Jahren wurden in Bayern neue Stellen für Lebensmittelüberwacher geschaffen. Oberst bewarb sich, wurde 1979 Lebensmittelprüfer im Landratsamt Neu-Ulm. Eher zufällig führte die Wohnungssuche die Obersts nach Attenhofen, wie er sagt. Dort schloss er sich den örtlichen Schützen an. 1982 wurde Oberst zum Stellvertreter, 1985 zum ersten Schützenmeister gewählt. Seine Leistungen beim Sportschießen seien "meist durchschnittlich, manchmal spitzenmäßig" gewesen.

2007 dann schlug das Schicksal zu. Günther Oberst erlitt einen Schlaganfall. Zeitweiliger Gedächtnisverlust und ein Jahr im Rollstuhl waren die Folge. Seither ist Oberst täglich mit Ergo- und Physiotherapie beschäftigt. Sein rechtes Bein und der rechte Arm lassen sich nur langsam wieder besser bewegen, berichtet er. "Ich hoffe, dass ich meine Mobilität wieder zurückgewinne." Die Arbeit im Vorstand der Schützen schaffe er aber nicht mehr.

Sein neues Amt als Ehrenvorsitzender wolle er nutzen, das Schützenwesen und dörfliche Traditionen zu unterstützen. Das Schützenheim ist längst Treff für Gymnastik- und der Allkampfgruppen. "Das Schützenwesen muss mit der Zeit gehen und die Tradition bewahren", betont Oberst. Gerade weil die Schützentradition bei Jugendlichen derzeit "nicht im Mittelpunkt des Interesses" stehe, sei es Aufgabe der Älteren, die Tradition weiterzuführen. Oberst ist überzeugt: "Irgendwann werden die Jungen sich daran erinnern und weitermachen."

In Attenhofen gibt es nun Pläne, einen "Tag der Vereine" auszurichten. Dieser soll der Mitgliederwerbung dienen und die Zusammenarbeit fördern. Mit dabei beim Tag der offenen Tür werden dann auch Günther Oberst und seine Attenhofer Schützen sein.