Kirchberg Der Mauchenbach kommt ans Licht

Die Kanalrohre, grün-gelb gestrichelt, werden zugunsten eines naturnahen Mauchenbachs (rote Linie) aufgegeben.
Die Kanalrohre, grün-gelb gestrichelt, werden zugunsten eines naturnahen Mauchenbachs (rote Linie) aufgegeben.
WOLFGANG-AMADEUS MÜLLER 03.04.2013
In Kirchberg soll der Mauchenbach frei gelegt werden. Ein langwieriges Verfahren soll mit der Ausschreibung im April realisiert werden. Konkrete Pläne liegen seit 1987 in der Schublade.

Das Regierungspräsidium Tübingen verlangt von Kirchberg seit längerem, dass die Gemeinde die hydrologische Bereinigung früherer Verdohlungen rückgängig macht. Konkrete Pläne hierzu liegen seit 1987 in den Schubladen des Rathauses. Für die Gemeinde Kirchberg ist dies auch eine haftungsrechtliche Notwendigkeit, da das Wasserhaushaltsgesetz Haftungsrisiken auf die Gemeinde überträgt.

"Die Beweislast, dass sich die Überschwemmung auch bei ordnungsgemäßem Zustand der Hochwasser - Schutzanlagen ereignet hätten, trägt in diesem Fall nicht das Flutopfer sondern die Gemeinde", weiß Andreas Jakubietz, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht in Berlin. Der seit 2010 amtierende Bürgermeister Jochen Stuber sieht es daher als dringliche Pflicht an, zum Schutze der Gemeinde die längst überfälligen Auflagen zu erfüllen.

In langen, teils komplizierten Verhandlungen gelang es, die notwendigen Grundstücke zur Realisierung des neuen Bachlaufs "Mühlenbach" in den Gemeindebesitz zu bringen. Auf einer Länge von etwa zwei Kilometer wird ein "natürlicher Bachlauf" entstehen, der bei einer Breite von etwa 10 Meter auch Mäander und Feuchtmulden erlaubt.

Durch einen abgeflachten Hang und entsprechende Bepflanzung werde im Nebeneffekt eine Versickerungszone entstehen. Ohne Versickerungszone hätte die Gemeinde ein Rückhaltebecken von 30 000 Kubikmeter bauen müssen.

Der ursprüngliche Mauchenbach wurde früher zusammen mit dem Hainbach "verdohlt" und unterirdisch Richtung Sinningen geführt. Bei Starkregen könnten dadurch Hochwasserrisiken bis Dietenheim verstärkt werden, weiß Stuber. Ab dem Autohaus Kramer soll das Mauchenbachkanalrohr nun "geöffnet" und naturnah in die Gießen abgeleitet werden. Auf halber Strecke wird das alte Hainbachkanalrohr ebenfalls aufgemacht und läuft jetzt gemeinsam als "Naturbach Mauchenbach" weiter. Die beiden dann überflüssigen Kanalrohre (Mauchenbach, Hainbach) könnten "abgeschiebert" werden, sagt Stuber. Das bedürfe aber noch genauerer Analysen.

Am 18. März hat das Wasserwirtschaftsamt in Landratsamt Biberach der Gemeinde Kirchberg die "wasserrechtliche Planfeststellung" genehmigt, wodurch der Förderantrag ins Laufen gebracht werden konnte. Vermutlich in den nächsten drei Wochen dürfte hierzu die Genehmigung eintreffen, so dass die Verwaltung davon ausgeht, dass die Ausschreibung über das begleitende Ingenieurbüro in der April-Gemeinderatssitzung getätigt wird. Die Vergabe wird dann wohl im Mai erfolgen und als Baubeginn ist der Herbst vorgesehen. Die gesamte Maßnahme dürfte sich ein Jahr hinziehen.

Der Gesamtkosten dieses Projektes belaufen sich laut Stuber auf 1,1 Millionen Euro, wovon bereits 300 000 Euro ausgegeben wurden. Für die restlichen Kosten wird ein Zuschuss von 700 000 Euro erwartet.