Senden Der Maschinenbau hängt an Design-Blechen aus Senden

Sorgfältiges Schweißen muss sein: Karl Schmidberger, Leiter des Bader-Werkes in Senden, schaut einem Schlosser über die Schulter. Foto: Matthias Kessler
Sorgfältiges Schweißen muss sein: Karl Schmidberger, Leiter des Bader-Werkes in Senden, schaut einem Schlosser über die Schulter. Foto: Matthias Kessler
Senden / NIKO DIRNER 20.07.2012
Vorbei die Zeit, als Maschinen nur funktionieren und nicht auch noch gut aussehen mussten. Um den vom Hersteller gewünschten Look kümmert sich die Firma Bader aus Senden. Mit Erfolg - seit dem Jahr 1952.

Das Gehäuse der Sägeblattschleifmaschine leuchtet in allen erdenklichen Farben. Jedes Teil hat Konstrukteur Martin Gröbner anders koloriert, damit er alle außein-anderhalten kann. Diese bunte Variante flimmert freilich nur auf dem Computerbildschirm des Mitarbeiters der Firma Bader in Senden."In echt wird die Verkleidung nur eine Farbe haben", erklärt Werksleiter Karl Schmidberger. Doch hergestellt werden muss das Gehäuse schon so: Stück für Stück, manches nur wenige Zentimeter lang.

Maschinenverkleidungen, Schaltschränke, Tanks und Sonderbehälter aus Stahl, Edelstahl und Aluminium sind das Geschäft des Unternehmens, das morgen mit einem Mitarbeiterfest sein 60-jähriges Bestehen feiert. Und es gibt tatsächlich etwas zu feiern: Mit einem Umsatz von 60 Millionen Euro hat die Bader-Gruppe 2011 ein"schönes Wachstum" hingelegt, sagt Anton Seitz, der mit Robert Schick die Geschäfte leitet. In der Wirtschaftskrise vor drei Jahren hatte es noch düster ausgesehen: Nach einem Umsatzeinbruch gab es erst Kurzarbeit, dann Entlassungen. Kurz zuvor hatte die Gründerfamilie um Wilhelm Bader ihre Anteile verkauft. Das Unternehmen gehört heute der Fondsgesellschaft Equivest/CBR,die als Ziel eine nachhaltige Wertsteigerung in mittelständischen Betrieben angibt. Keine Heuschrecke also? Seitz verneint und verweist auf die gestiegene Zahl an Beschäftigten: 400 Mitarbeiter waren es in der Krise, 650 Mitarbeiter sind es heuer in Senden, Babenhausen, Wachau und im ungarischen Pécs. Wobei Wachau 2009 durch den Kauf der Firma Alvo dazu kam - den zweiten Alvo-Standort Schorndorf hat die Firma dieses Jahr geschlossen.

Am Stammsitz an der Robert-Bosch-Straße in Senden arbeiten 130 Frauen und Männer."Qualität sichert deinen Arbeitsplatz", ist dort in riesigen Buchstaben etwa in der Lackiererei zu lesen. Fehlerhafte Produkte, macht Schmidberger deutlich, könne sich das Unternehmen nicht leisten. Auch maximale Flexibilität sei unverzichtbar. Denn bei vielen Kunden, zu denen große Maschinenbauer wie Gildemeister, Homag oder Krones gehören, werden die Bader-Teile direkt ans Band geliefert."Wenn die Verkleidung nicht da ist, kann die Maschine nicht fertig gebaut werden, und die Produktion steht. Kriegen sie das nicht hin, fliegen sie raus. Wenn es aber klappt, können sie wachsen", sagt Schmidberger. Bei Bader scheint die Premium-Strategie nicht nur in der Image-Broschüre zu stehen. Mit manchen Kunden bestehen die Geschäftsbeziehungen seit fünf Jahren, sagt der Werksleiter. Dabei werden beispielsweise von einer Maschinenverkleidung höchstens 400 Stück gefertigt, häufiger sind Kleinserien mit rund 30 Exemplaren.

Und längst geht die Zusammenarbeit über die Fertigung mit Lasern, Stanzen, Pressen und Schweißgeräten hinaus. Die 20 Konstrukteure in den vier Werken entwickeln mit den Maschinenbauern das Aussehen der Produkte: Das Design, ein individuelles, attraktives Äußeres werde immer wichtiger, weil die Technik der Maschinen vergleichbar sei, sagt Schmidberger. Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister etwa wolle abgerundete Kanten."Da muss jeder Winkel stimmen."

So etwas bekommen nur gut ausgebildete Schlosser hin, oder"Konstruktionsmechaniker Feinblech", wie sie heute heißen."Und solche Leute bekommen sie fast nicht", sagt Schmidberger. Deshalb bildet das Unternehmen selbst aus, beschäftigt viele"Eigengewächse". Aber gute Leistung hat auch ihren Preis - und der ist in Senden wie in ganz Deutschland eben deutlich höher als etwa in Osteuropa. Das Werk in Ungarn werde deshalb von der Belegschaft kritisch beäugt, räumt Schmidberger ein."Dabei ist Senden mit Ungarn gewachsen." Wo die Löhne niedriger sind, werden die Serien produziert, in Senden dann die aufwendige Einzelstücke des selben Auftraggebers."Es fällt immer was für Senden ab, das ist wie eine Symbiose."

Weitere Wettbewerbsvorteile verschafft sich Bader, indem den Kunden beispielsweise die Vormontage der bestellten Gehäuse angeboten wird. Und die Geschäftsführung versucht sich unabhängiger zu machen, indem verschiedene Sparten im Maschinenbau bedient werden: Werkzeuge, Holz, Lebensmittel."Wir sind optimistisch und planen weiteres Wachstum", sagt Seitz.