Notfall Der Landkreis Neu-Ulm hat die schnellsten Retter

Notärzte und Sanitäter sind im Landkreis Neu-Ulm in der Regel rasch an ihren Einsatzorten. Sie halten die vorgegebenen Fristen ein, wie ein Bericht kürzlich im Kreistag zeigte.
Notärzte und Sanitäter sind im Landkreis Neu-Ulm in der Regel rasch an ihren Einsatzorten. Sie halten die vorgegebenen Fristen ein, wie ein Bericht kürzlich im Kreistag zeigte. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Kreis Neu-Ulm / Niko Dirner 28.08.2018

In keinem Rettungsdienstbereich in Bayern gibt es mehr Autobahnkilometer. Und dennoch ist der Notarzt so schnell da wie sonst nirgends. Das sind beiden Zahlen, die hängen bleiben, wenn Julia Lindner über ihren Arbeitgeber spricht, den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Donau-Iller. Die Geschäftsführerin hat den Neu-Ulmer Kreisräten kürzlich berichtet.

Bereich Demnach liegen 165 Kilometer der A 7, der A 8 und der A 96 in ihrem Verantwortungsbereich, der die Kreise Neu-Ulm, Günzburg und Unterallgäu sowie die Stadt Memmingen umfasst. Rund 479 000 Menschen leben in diesem 2574 Quadratkilometer großen Gebiet. Die Integrierte Einsatzleitstelle sitzt in Krumbach. Fast 29 000 Einsätze wurden von dort 2016 – offenbar dem jüngsten Jahr, aus welchem Zahlen vorliegen – allein im Landkreis Neu-Ulm koordiniert. 35 Prozent davon waren Krankentransporte, rund 61 Prozent entfielen auf die Notfallrettung.

Vorgaben In zwölf Minuten müssen die Retter im Ernstfall beim Patienten sein. So steht es im Gesetz. Und obwohl die Einsatzzahlen ständig ansteigen, wird die Hilfsfrist im Zweckverband Donau-Iller überwiegend eingehalten: Zu 96 Prozent im Bereich der Rettungswache Neu-Ulm bei rund 6000 Noteinsätzen, zu 91,7 Prozent in und um Weißenhorn mit bis zu 3500 Einsätzen im Jahr und zu 90 Prozent im Raum Illertissen mit gut 2500 Einsätzen. Nimmt man den Mittelwert, kommen 92,6 Prozent heraus. „Das ist der beste Erreichungsgrad in ganz Bayern“, sagte die Geschäftsführerin Julia Lindner.

Notärzte Allerdings ist unklar, ob die Zahlen gehalten werden können. Denn zum einen seien die von den Krankenkassen gestellten 21 Rettungstransporter und 8 Notarztautos zu wenig – „die Fahrzeuge langen hinten und vorne nicht“. Zum anderen komme das Personal an seine Grenzen: „Noch“ gebe es in ihrem Verantwortungsbereich genügend Notärzte, sagte Julia Lindner. Das liege im Landkreis Neu-Ulm auch daran, dass es drei Krankenhäuser gibt. Doch auch hier ist ein „noch“ angebracht. Denn die Kliniken in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen machen jedes Jahr Millionen-Verluste und sollen mittel- bis langfristig zusammengelegt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass generell immer weniger Mediziner als Notarzt arbeiten wollen. Die „Work-Life-Balance“ stimme hier nicht, meinte Lindner – und verwies auf die Zwölf-Stunden-Schichten etwa von 8 bis 20 Uhr. Der „Tele-Notarzt“, der via Video die Sanitäter unterstützt, könnte eine Lösung sein. Derzeit läuft ein Test in Straubing. „Ob das die Zukunft ist, wird sich zeigen.“

Wartezeiten Julia Lindner hatte auch eine Bitte an die Kreisräte. Es gebe wohl immer wieder „lange Wartezeiten“ bei Krankentransporten mit einem der 15 Fahrzeuge aus den Kreis-Kliniken nach Hause. Teils müssten Patienten auf dem Flur ausharren. Solche „Entlassungen“ sollten früher angekündigt werden. Sie wünsche sich ein „konstruktives Anmeldeverhalten“. Entsprechende Prozesse wolle sie gerne mit dem Landkreis Neu-Ulm und der Spitalstiftung erarbeiten.

Wenn Helfer gegen Helfer stehen

Abstimmung Den Sendener Bürgermeister Raphael Bögge treibt ein Thema schon lange um, die Ungleichbehandlung der so genannten Helfer vor Ort. Das sind ehrenamtliche Rot-Kreuzler, die es zwei Mal im Zweckverband Donau-Iller gibt, davon einmal in Senden. Und die etwa bei größeren Unfällen mit vielen Verletzten zusätzlich alarmiert werden. Oder, wenn auf die Schnelle keine Hauptamtlichen verfügbar sind. Was aber wohl dazu führt, dass schon mal Patienten aus Fahrzeugen der Ehrenamtlichen in öffentlich-rechtliche Krankenwagen umgeladen werden.

Gesetz Das müsse doch besser abgestimmt werden, meinte Bögge. Das gehe nicht, meinte Zweckverbandsgeschäftsführerin Julia Lindner. Von Gesetz her sei es zwar erlaubt, Ehrenamtliche zu schicken, wenn es um Leben und Tod geht – aber nur für die erste Diagnose und die erste Therapie.

Versorgung Die weitere Versorgung und den Abtransport müssten die immer parallel dazu alarmierten Retter mit dem öffentlich-rechtlichen Vertrag im Hintergrund übernehmen – und das sind im Kreis Neu-Ulm auch ausschließlich Rot-Kreuzler.

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