Historie Der Demokratie auf der Spur

Stadtführung zum Thema Demokratie in Weißenhorn. Hier besuchen die Teilnehmer im Unteren Tor den Raum, in dem im Krieg französische Gefangene untergebracht waren.
Stadtführung zum Thema Demokratie in Weißenhorn. Hier besuchen die Teilnehmer im Unteren Tor den Raum, in dem im Krieg französische Gefangene untergebracht waren. © Foto: Josephine Schuester
Weißenhorn / Josephine Schuster 24.07.2018

Das Weißenhorner Heimatmuseum ist der Treffpunkt für alle, die sich für die Geschichte der Fuggerstadt interessieren. Zum zweiten Mal hat dort nun kürzlich eine besondere Stadtführung ihren Anfang genommen: Stadt-Bürger-Verantwortung nennt sie sich und richtet den Blick auf die Geschehnisse und Einrichtungen, die maßgeblich zur Entstehung der Demokratie beigetragen haben.

Ulrich Hoffmann ist sowohl Vorsitzender des Museumsvereins als auch Stadtrat. Er hat großes Interesse daran, den Bürgern die Demokratie-Geschichte der Stadt näher zu bringen. „Wir haben so viel zu zeigen – und man kann einige Orte in wenig Zeit gut ablaufen, da sie nah beieinander liegen. Mir sind die demokratische Kultur und der anständige Umgang miteinander wichtig. Und ich hoffe, dass wir bei so einer Führung etwas mehr Gefühl dafür vermitteln können.“

So liegt im ersten Stock des Museums das originale erste Stadtbuch von Weißenhorn von 1474, in dem die Regeln für ein gutes Miteinander festgelegt wurden. Beispielsweise hatte damals aus der Stadt gejagt zu werden, wer eine Jungfrau entehrte. „Im Mittelalter war das einfache Volk auf dem Land ziemlich rechtelos. In der Stadt war das anders. Für die Märkte, auf denen der Warenaustausch stattfand, mussten es einen festen Rechtsrahmen geben, in dem Orte, Zeiten, Preise und Maße für alle einheitlich festgehalten wurden“, erklärt Dr. Matthias Kunze, Kunsthistoriker und Leiter des Museums, das im Zuge einer Neugestaltung stärker mit den Orten in der Stadt in Verbindung treten soll.

Apotheke war das Gericht

Weiter geht die Führung zu einem der wichtigsten Gebäude der Stadt, dem Stadtschreiberhaus, der damaligen Verwaltung, am Kirchplatz 7. Rechts die Straße hinunter kommt man vorbei am ehemaligen fuggerschen Herrschaftsgericht, der heutigen Hirsch-Apotheke. Die letzte Hinrichtung dort hat es, wie Kunze weiß, im Jahr 1803 gegeben. Danach habe dort die Nackttänzerin Clair Baur gelebt, die Schwester des Versandhaus-Gründers. Anschließend war das Gebäude ein Mädcheninternat. Weiter geht’s zum Verteidigungsturm „Unteres Tor“ aus dem Jahr 1470, der sonst nicht bestiegen werden kann und für den bisher auch noch keine bestimmte Nutzung vorgesehen ist. Im Zweiten Weltkrieg waren dort französische Gefangene untergebracht, deren Nachrichten bis heute an den Wänden zu finden sind.

Die Schranne aus dem Jahr 1356 liegt in derselben Straße in der Altstadt, ist ehemaliges Getreidelager und Steuerstube mit Gefängniszelle und laut Kunze das älteste erhaltene Rathaus in ganz Süddeutschland. Über die weitere Nutzung dieses Gebäudes, in dem Besucher normal nur das Erdgeschoss anschauen können, ist noch nicht entschieden. Viele lehnen eine völlige Neugestaltung ab, da der historische Wert dann verloren gehe.

Ihren Abschluss findet die Führung im Ratssaal des heutigen Rathauses und mit den mahnenden Worten von Hoffmann: „Diese Stadt ist das Ergebnis demokratischer Autonomiebestrebungen. Die Bürgerinnen und Bürger haben schon in der Märzrevolution im Jahr 1848 um ihre Freiheit gekämpft und sollten das auch weiter tun. Denn wie schon das Zitat mit unbekannter Quelle besagt: Wer in der Demokratie schläft, erwacht in der Diktatur.“

Heimatmuseum wird neu aufgestellt

Tradition Das Weißenhorner Heimatmuseum, gegründet 1908, hat nach eigenen Angaben eine der reichhaltigsten Sammlungen in Bayerisch-Schwaben. 1992 bis 1996 wurde das Museum neu konzipiert, nun steht eine Erweiterung samt Umstrukturierung an.

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