Erleichterung bei Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid, Bestürzung bei den Klägern - im Saal drei des Münchner Verwaltungsgerichtshofes waren die Emotionen sehr unterschiedlich verteilt. Dass die Klagen des Bundes Naturschutz (BN), der beiden Anrainergemeinden Memmingerberg und Westerheim sowie mehrerer privater Flughafen-Kritiker in Gänze abgewiesen werden, damit hatten die Verfahrensbeteiligten nicht unbedingt gerechnet. "Wir hatten gehofft, dass zumindest das Nachtflugverbot in der bisherigen Form bestehen bleibt", kommentierte Christa Bail, die Bürgermeisterin der 2100-Einwohner-Gemeinde Westerheim das Urteil.

Zusammen mit den anderen Klägern wollte die Gemeinde im Landkreis Unterallgäu den Ausbau der Startbahn von 30 auf 45 Meter Breite und die Ausweitung der Flugzeiten um eine Stunde, bis 23 Uhr, verhindern. "Ich bin erschüttert, dass der berechtigte Anspruch der Menschen auf Ruhe hier kein Gehör gefunden hat", sagte sie weiter. Thomas Frey vom Bund Naturschutz kritisierte das Gericht allgemeiner: "Dieses Urteil zeigt einmal mehr, dass im Zweifel immer für die wirtschaftlichen Belange - in diesem Fall der Billigflieger - entschieden wird. " "Ich bin erleichter, dass wir nach einem so langen Verfahren jetzt die Klarheit haben, die wir uns wünschten", freute sich indes Ralf Schmid. Jetzt könne man am Airport "die Planungen wieder hochfahren". Einige Monate nehme das in Anspruch, so dass mit einem Baubeginn nicht vor dem Frühjahr zu rechnen sei. Zeit, die der Airport auch dringend benötigen wird, um das Geld für den mindestens 15 Millionen Euro teuren Ausbau aufzutreiben. Mithilfe des ehemaligen Landrats des Oberallgäus, Gebhard Kaiser, will der Flughafen dafür auch Geld bei den Kreisen und Kommunen sammeln.

Diese sollen sich dann allerdings nicht an der Airport GmbH direkt beteiligen, sondern an einer Besitzgesellschaft, die auf dem Flughafen-Gelände ein interkommunales Gewerbegebiet für Luftfahrtaffine Firmen gründen soll. 8,2 Millionen Euro sollen von den Gebietskörperschaften beigebracht werden, etwa zehn Millionen Euro hat der Freistaat für den Ausbau zugesagt und weitere mögliche Aufschläge von einem "Signal aus der Region" abhängig gemacht. Und genau an diesem Punkt wollen jetzt Flughafen-Gegner ansetzten. Noch im Gerichtssaal kündigten sie zwei Bürgerbegehren gegen diese Finanzierungsform an."Wichtig ist uns jetzt, dass dieser Ausbau nicht durch Steuergelder finanziert wird. Denn wir sehen darin eine Subvention eines Urlaubsairports", erklärte Thomas Frey. Und Christa Bail beeilte sich zu sagen: "Ich persönlich unterstütze die Bürgerbegehren auf jeden Fall und ich denke, dass da auch der Gemeinderat mitgeht." Bail hält das Finanzierungskonzept über eine Besitzgesellschaft für einen Trick, um den Landkreis Unterallgäu "über die Hintertür" zum Finanzier zu machen.

Der Kreis direkt um den Airport hatte jüngst beschlossen, sich auf diese Weise mit 2,4 Millionen Euro zu beteiligen, nachdem er zuvor auf Basis eines Bürgerentscheids eine (direkte) Beteiligung am Airport stets ausgeschossen habe. Bail: "Auch wenn mich unser Landrat dafür fressen will, ich halte das ganze für einen Etiketten-Schwindel. " Die Flughafen-Gegner, die zudem befürchten, dass ihnen das Geld von Freistaat, Landkreisen und Kommunen im interkommunalen Gewerbegebiet ein Luftfracht-Unternehmen bescheren könnte, wollen noch diese Woche auf die Straßen ziehen, um für ihre Bürgerbegehren zu trommeln. Die die Plebiszite zu ermöglichen müssen sie im Stadtkreis Memmingen etwa 2300 Unterschriften sammeln. Im Landkreis Unterallgäu sind rund 5000 Signaturen erforderlich.