Senden Deichbau in Senden verzögert sich

Senden / NIKO DIRNER 22.07.2015
Naturschutz, Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern und auch die Kosten: Alles das hat dazu geführt, dass sich die Sanierung des Illerdeichs bei Senden verzögert. Gebaut werden soll ab Ende 2016.

Noch können Zauneidechsen, Bartfledermäuse und Grasfrösche unbehelligt am und auf dem Illerdeich bei Ay und Freudenegg leben. Und damit sind nur einige der teils geschützten Tierarten genannt, die sich in diesem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) tummeln. Eigentlich sollte es für die Fledermäuse, Amphibien, Reptilien und die Vögel dort längst vorbei sein mit der Ruhe: Der Deich muss saniert werden. Doch die Planungen haben sich verzögert.

Wie Harald Blau und Meinhard Schlauß vom federführenden Wasserwirtschaftsamt Donauwörth mitteilen, hätten vor allem die Gespräche mit den betroffenen Grundstückseigentümern mehr Zeit in Anspruch genommen. Es ging um die Rechte, die Flächen überhaupt für die notwendigen Baugrunduntersuchungen betreten zu dürfen und um das Ausmaß des späteren Eingriffs. Schlauß: "Wir müssen ja teilweise Spundwände einbauen."

Zudem sei das Planungsgebiet überarbeitet worden, um den Eingriff in das FFH-Gebiet zu verringern. Als Basis dient ein Gutachten, dass eine externe Firma für das Wasserwirtschaftsamt erstellt hat. Und es ging auch darum, Kosten zu sparen. Von zwei möglichen Varianten habe man sich auf die günstigere festgelegt, sagt Schlauß. "Wir machen keine Luxus-Lösung." Der Umplanung fiel eine Brücke zum Opfer, die für den Bauunterhalt des Deiches bei Freudenegg hätte errichtet werden sollen. "Diese wäre sehr teuer und sehr aufwändig gewesen", sagt Schlauß. Nun wird lediglich eine Wendeschleife für die Fahrzeuge der Techniker angelegt. Laut Schlauß werden die Kosten für den Deich bei mehr als 1,5 Millionen Euro liegen.

Die Umplanungen wirken sich auf das artenschutzrechtliche Gutachten aus: Diese müssen bei gravierenden Abweichungen überarbeitet werden. Wie berichtet, gibt es "im unmittelbaren Eingriffsbereich" sowie in der näheren Umgebung besonders schützenswerte Tiere - beispielsweise acht Fledermausarten, seltene Reptilien sowie mehrere bestandsgefährdete Brutvogelarten.

Oberstes Ziel des Artenschutzgutachtens ist es, die Arbeiten so umweltverträglich wie möglich zu gestalten: Die Bäume, in denen die Fledermäuse hausen, sollen erhalten, die Wohnräume der Eidechsen verschont bleiben. Eventuell müssen sogar Tiere umgesiedelt werden. Das wird allerdings erst kurz vor Beginn der Arbeiten passieren.

Diese sollen Ende des kommenden Jahres losgehen. Noch in diesem Jahr soll laut Blau das Planfeststellungsverfahren begonnen werden, zuvor aber die Stadt Senden konsultiert werden. Diese muss sich wohl an den Kosten beteiligen.

1,4 Kilometer Länge

Bauwerk Der neue Deich, der sich wie der bestehende zwischen dem Illerkanal und den Freudenegger Seen erheben wird, wird bis zu 15 Meter breit, maximal 1,80 Meter hoch und 1400 Meter lang sein. Er reicht damit von der Abzweigung des Illerkanals in die Iller im Norden bis zur Staatsstraße 2019 in Ay im Süden. Die Kosten von mehr als 1,5 Millionen Euro übernimmt zum Großteil der Freistaat.